Die jüdische Malerin Charlotte Salomon wurde 1917 in Berlin geboren und 1943 in Auschwitz ermordet. Zwei Jahre vor ihrem Tod, auch im südfranzösischen Exil von den Nazis bedroht, erfährt sie von einer Reihe von Suiziden in ihrer Familie. Aus Angst und Verzweiflung erwächst die Kraft, etwas »ganz verrückt Besonderes« zu unternehmen: zurückgezogen in einem Hotel malt, schreibt, vertont sie, um nicht wahnsinnig zu werden, ihr Leben als Theaterstück in 769 Gouachen. »Leben? Oder Theater?« ist ein Gesamtkunstwerk in einer radikal neuen Bildersprache, die weit über ihre Zeit hinausweist.
Joanne Gläsel hat daraus ein sinnlich – komödiantisch – leidenschaftliches Theatersolo entwickelt. Ort der Handlung ist das Hotelzimmer an der Côte d`Azur 1940–42. Die Schauspielerin vollzieht malend, singend und erzählend den Schaffensprozess der Künstlerin nach. Wie eine Fremdenführerin geleitet sie durch ihr Werk, ist ihre Stellvertreterin und zugleich Verkörperung der gemalten Charaktere. Sie wechselt zwischen weiblichen und männlichen, jungen und alten Figuren, zwischen Frau und Mann, Kind und Greis. Projektionen der Gouachen sind Teil des Bühnenraumes, in dem die Schauspielerin sich bewegt. Sie spielt in den Bildern, mit den Bildern, wird selbst zum »Bild im Bild« und erweitert das Gesamtkunstwerk in den dreidimensionalen Raum.So wird erlebbar, wie ein Mensch in einer ausweglosen Situation mittels Kunst sein besonderes Schicksal bewältigt.
Kontakt
Joanne Gläsel
joanne.glaesel@web.de
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