Hans Brenner: Frauen in den Außenlagern des KZ Flossenbürg

04/2000Gedenkstättenrundbrief 94, S. 44
Arbeitsgemeinschaft ehem. KZ Flossenbürg e.V.

Noch haben die Vertreter der Zwangsarbeiter den Nutznießern der massenhaften Zwangsarbeit in Deutschland, den beteiligten privaten Unternehmen und öffentlichen Dienststellen, keine befriedigende endgültige Regelung für eine Entschädigung abringen können. Mit Inkrafttreten dieses Gesetzes werden aber für viele ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter die Schwierigkeiten erst beginnen, wie die jetzt schon feststellbaren Tendenzen zur Verzögerung und vorschnellen Erledigung der Ansprüche beweisen. Als besondere Hürde ist eine nur achtmonatige Antragsfrist vorgesehen; Einzelnachweise über Ort und Dauer der Zwangsarbeit sind vor allem für diejenigen schwierig zu beschaffen, die in verschiedenen Betrieben zur Zwangsarbeit gezwungen worden waren. Eine Gruppe, der dieser Nachweis besonders schwer fallen wird, sind die Frauen in den Außenlagern des KZ Flossenbürg:

1. Das Lager selbst ist das am schlechtesten untersuchte, bis vor wenigen Jahren musste es als beinahe »verges-senes KZ« gelten;

2. Die Frauenaußenlager wurden verwaltungsmäßig zum großen Teil erst ab September 1944 vom KZ Ravens-brück zum KZ Flossenbürg überstellt;

3. Durch diesen Wechsel bedingt wissen heute viele Frauen nicht einmal, in welchem KZ die nötigen Nachweise anzufordern sind.

Vor diesem Hintergrund kommt der Forschungsarbeit von Hans Brenner besondere Bedeutung zu. Er ist einer der ersten, der sich mit dieser Thematik befasst hat und gilt als äußerst profunder Kenner des Systems der Au-ßenlager. Seine Monographie, 1982 veröffentlicht, ist derzeit noch immer die einzige und grundlegende wissen-schaftliche Arbeit zum Themenkomplex Außenlager. In dreijähriger Forschungstätigkeit hat er aus den Listen der Gefangenen des KZ Flossenbürg und seiner Außenlager von 1945 (ca. 90000 Namen) die weiblichen Gefan-genen entschlüsselt und ausgewertet und konnte sie so den einzelnen Außenlagern erstmals komplett zuordnen.

Schon 1995 entdeckte die »Arbeitsgemeinschaft ehem. KZ Flossenbürg e.V.« in amerikanischen Archiven Filmmaterial, u.a. zur Auflösung des Todesmarsches eines der größten Frauen-Außenlager des KZ Flossenbürg, nämlich Helmbrechts, in Volary (Südböhmen / heute Tschechische Republik). Diese erschütternden Bilder ha-ben einen so tiefen Eindruck hinterlassen, dass wir Herrn Dr. Brenner sofort unsere Unterstützung zusagten, seine Namenslisten den Betroffenen zur Verfügung zu stellen.

Nicht allein und nicht an erster Stelle der wissenschaftliche Wert der Arbeit, sondern die praktische Hilfe, die bei Fragen der Entschädigung der Zwangsarbeit dieser Frauen gegeben werden kann, hat die »Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg« zur Herausgabe bewogen: Jetzt können nicht nur Zwangsarbeiterinnen ihre An-sprüche anmelden, denen alle relevanten Informationen vorliegen, sondern alle betroffenen Frauen können auch auf Grund bruchstückhafter Erinnerungen die fehlenden Daten leichter rekonstruieren. Für eine umgehende Ver-öffentlichung spricht außerdem, dass eine Kooperation mit den US-amerikanischen und deutschen Rechtsan-wälten eine schnellere Hilfe bei der Geltendmachung von Ansprüchen der Überlebenden an den Zwangsarbeiter-entschädigungsfonds ermöglicht.