Geschichtslehrpfad zum Nationalsozialismus in Coburg geplant

02/1998Gedenkstättenrundbrief 81, S. 7-10
Wolfgang Koch

Am 18. Januar 1931 machte das oberfränkische Coburg unrühmliche Schlagzeilen, als die Hakenkreuzfahne der Nazis am Rathaus der Stadt, als erstem Amtsgebäude in Deutschland, hing. Der Jahrestag der Reichsgründung von 1871 bot den schon zu dieser Zeit in Coburg mit Mehrheit regierenden Nationalsozialisten den Anlaß, die Fassade mit ihrem Symbol zu »dekorieren«. Wer die Geschichte der Stadt Coburg in den 20er und 30er Jahren Revue passieren läßt, wird auf eine Vielzahl ähnlich erschreckender Fakten stoßen. Die nationalsozialistische Ideologie Adolf Hitlers fiel hier auf fruchtbaren Boden. Schlag auf Schlag folgten die Ereignisse, die den Weg Coburgs unter das Hakenkreuz markierten. Im Oktober 1922 gaben Hitler und seine SA-Truppen ihren ersten öffentlichen Auftritt außerhalb Münchens ausgerechnet in diesem erst 1920 zu Bayern gekommenen Städtchen. Bei dem in Coburg zu dieser Zeit stattfindenden »Dritten Deutschen Tag«, einem Treffen nationalistischer und antisemitischer Organisationen, erprobten die Nationalsozialisten in den Auseinandersetzungen mit sozialdemokratischen Gegendemonstranten Mittel und Wege des Straßenterrors späterer Jahre. Der in Coburg erscheinende »Weckruf« war die erste lokale Tageszeitung der NSDAP. In seiner antisemitischen Propaganda stand er dem üblen Stil des berüchtigten »Stürmer« in nichts nach. Die als Ergebnis einer solchen antijüdischen Hetzkampagne erzwungene Neuwahl zum Coburger Stadtrat im Juni 1929 brachte den Nazis erstmalig in einer deutschen Stadt die Mehrheit. Von 1929 bis 1933 wurde Coburg von den Nazis als »Modellstadt« ihrer Weltanschauung präsentiert. Einschüchterungen politischer Gegner und jüdischer Bürger, gewaltsame Übergriffe der Nazis, die von der damals noch städtischen Polizei kaum verfolgt wurden, ließen einen schlimmen Vorgeschmack auf das Künftige erahnen. Vor der »Machtergreifung« im Reich war diese in Coburg schon in vielen Teilen vollzogen.

Mit der Herausgabe einer Broschüre, die die lokalen zeitgeschichtlichen Schauplätze mit ausführlichen Erläuterungen und einem Stadtplan dokumentiert, hat die Geschichtswerkstatt Coburg zusammen mit anderen örtlichen Organisationen einen Initiativkreis »Denk-Stätten« initiiert. Langfristiges Ziel dieses Projektes ist, dieses unrühmliche und in der offiziellen Stadtgeschichtsbeschreibung bis dato unterbelichtete Kapitel der Zeitgeschichte zu erhellen. Ein »Geschichtslehrpfad«, markiert durch Gedenktafeln, -plaketten oder andere noch zu findende Formen, soll in diesem Rahmen Erinnerungsarbeit leisten. Mit Denk-Malen soll dabei hervorgehoben der Opfer des Nationalsozialismus in Coburg (Juden, politisch Verfolgte, Deserteure) gedacht werden. Das Jahr 1998 wird für den Initiativkreis Denk-Stätten in Coburg im Zeichen eines Ideen- und Projektwettbewerbs stehen. Dieser soll sowohl Schüler- und Jugendgruppen, was die Markierung des Geschichtslehrpfads betrifft, ansprechen als auch Künstler im Hinblick auf die Denk-Male für die Opfer des NS-Regimes. Der Erlös der erwähnten Broschüre soll nebst Spenden und Zuschüssen dem Gesamtprojekt zugute kommen. Das Heft kann zum Preis von 5,— DM (2,— DM Schutzgebühr + 3,— DM für Versand) in Briefmarken unter den nachstehenden Anschriften bezogen werden. Unter diesen Adressen können auch ergänzende Informationen eingeholt werden. Anregungen und Anmerkungen sind darüber hinaus ausdrücklich erwünscht.

Bezugsadressen:

Initiativkreis Denk-Stätten in Coburg, c/o Geschichtswerkstatt Coburg e.V.,

Metzgergasse 11, Postfach 1308, 96403 Coburg oder:

Wolfgang Koch, 96450 Coburg, Tel./Fax 09561-99750