Liebe Leserinnen und Leser des GedenkstättenRundbriefs,
der GedenkstättenRundbrief erscheint mittlerweile im 29. Jahr. Die Gründungsidee ist gleich geblieben. Der Rundbrief soll ein Sprachorgan für die Gedenkstätten sein – mit Schwerpunkt auf NS-Opfer und Deutschland. Die Gedenkstätten/-Initiativen haben die Möglichkeit, sich selbst zu präsentieren. Daneben hat der GedenkstättenRundbrief die Aufgabe, neue Entwicklungen darzustellen und Debatten anzuregen. Ein Serviceteil mit Hinweisen auf Veranstaltungen und neue Literatur, gerade hinsichtlich des grauen Marktes im Bereich der NS-Aufarbeitung, wird ebenfalls geboten.
Als der GedenkstättenRundbrief 1983 aus der Taufe gehoben wurde, wurde zwischen den Adressaten (Gedenkstätten/-Initiativen) und der Redaktion (Gedenkstättenreferat – damals Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.) ein zweimonatiger Erscheinungstermin vereinbart. Durch die relativ häufige Erscheinungsweise sollte vor allem die Möglichkeit gewährleistet sein, aktuelle Mitteilungen rasch zu verbreiten und sich zeitnah in gegenwärtige Diskurse einmischen zu können. Zu dieser Zeit wurde der Rundbrief noch zusammengeklebt und auf einer gewölbten Kopierscheibe ein paar Dutzend Mal kopiert. Andere Medien des schnellen Informationsaustauschs, angefangen von Fax über Email bis zu den modernen Online-Anwendungen waren noch nicht erhältlich.
Der Rundbrief hat sich mit der Zeit zur Fachzeitschrift entwickelt, deren regelmäßiger Umfang 48 Seiten beträgt. Die Printauflage liegt bei knapp 1000 Exemplaren. Die Artikel sind zudem online im GedenkstättenForum abrufbar. Gerade die seit dem Jahr 2000 bestehenden Informationsmöglichkeiten über das GedenkstättenForum haben es ermöglicht, Nachrichten in wesentlich kürzerer Zeit zugänglich zu machen. Damit ist vor allem die ursprüngliche Funktion des schnellen Informationsaustauschs für ein breites Gedenkstättenpublikum durch ein Printmedium in den Hintergrund getreten. Die Anregung von Debatten, der Austausch über neue Entwicklungen und die kontextualisierte Selbstdarstellung von Gedenkstätten im GedenkstättenRundbrief haben dagegen nach wie vor eine große Bedeutung. Dies zeigen sehr unterschiedliche Rückmeldungen, von Kommentaren der Leserschaft bis hin zu häufiger Nennung des Rundbriefs als Quelle in Dissertationen.
Die Anforderungen an das Gedenkstättenreferat der Stiftung Topographie des Terrors sind seit der Eröffnung des Neubaus erheblich gewachsen. Nicht nur 800 000 Besucher von Ausstellung und Gelände waren alleine im letzten Jahr zu verzeichnen. Auch die Netzwerktätigkeit hat durch die gewachsene Bekanntheit der Institution zugenommen, nicht nur in Deutschland selbst, sondern auch international. Da die finanzielle Förderung und Personalentwicklung nicht mit den Möglichkeiten – und Notwendigkeiten – der Arbeit Schritt gehalten haben, ist es nötig, in allen Bereichen nach Optimierung der Ressourcen zu suchen.
Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf den GedenkstättenRundbrief: Er soll in Zukunft nicht mehr alle zwei, sondern alle drei Monate erscheinen. Hierdurch können der Arbeitsaufwand und die Kosten wesentlich verringert werden – zudem ohne Qualitätsverlust. Der Rundbrief, der bisher in der Regel auf 48 Seiten pro Ausgabe ausgelegt war, kann in Zukunft bei inhaltlichem Bedarf durchaus bis zu 64 Textseiten umfassen.
Ich hoffe sehr, dass Sie als Leserin und Leser dem GedenkstättenRundbrief trotz des um einen Monat verlängerten Erscheinungsintervalls weiterhin gewogen bleiben. Nicht nur die Rezeption der Beiträge, sondern vor allem das Angebot, den Rundbrief als Organ der Gedenkstätten zu nutzen und eigene Beiträge für ein breites und interessiertes Fachpublikum beizusteuern, ist eine wichtige Grundlage für die Qualität und Lebendigkeit der in den Heften veröffentlichen Informationen und Diskurse.
Mit herzlichen Grüßen
Thomas Lutz
Dr. Thomas Lutz, Gedenkstättenreferat der Stiftung Topographie des Terrors, ist seit 1984 Redakteur des GedenktstättenRundbriefs.