Auf Einladung der Bundeszentrale für politische Bildung, der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung sowie der Stiftung Topographie des Terrors kamen vom 28.–30. Juni 2007 in Weilburg Lehrkräfte, Gedenkstättenpädagogen und Hochschulange-hörige zum bundesweiten Gedenkstättenseminar »Schule und Gedenkstätten« zusammen
Gedenkstätten gehören zu den wichtigsten außerschulischen Lernorten und Schüler-innen und Schüler sind die größte Adressatengruppe der Gedenkstättenpädagogik.
Unsere Arbeitsgemeinschaft hatte das Seminar vorbereitet, um den aktuellen Stand der pädagogischen Praxis in beiden Feldern und laufende Forschungsprojekte zur pädagogischen Auseinandersetzung mit der Geschichte und Wirkung der nationalsozialistischen Verbrechen aus unterschiedlichen Perspektiven diskutieren zu können.
Ein zentrales Thema war die Reform der schulischen Lehrpläne, denn diese haben Einfluss auf die Erwartungen, die seitens der Schulen an die deutschen Gedenkstätten gerichtet werden, und auf die von Schülerinnen und Schülern mitgebrachten Kenntnisse und Fähigkeiten. Die Debatte im Seminar ergab eine Einschätzung der Situation, die in der folgenden Stellungnahme festgehalten ist. Im Hinblick auf die anstehenden bildungspolitischen Entscheidungen hat die bundesweite Arbeitsgemeinschaft Gedenkstättenpädagogik folgende Resolution verfasst:
Die gegenwärtig in allen Bundesländern stattfindende curriculare Neuorientierung – Bildungsstandards und Kompetenzentwicklung – kann zu einem innovativen Schub für den Geschichtsunterricht und zu einer besseren Verschränkung mit den Lernmöglichkeiten in außerschulischen Einrichtungen wie den Gedenkstätten dann führen, wenn die Kompetenz des Verstehens und des selbständigen und reflektierten Umgangs mit Geschichte in das Zentrum rücken.
Die Mitglieder der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Gedenkstättenpädagogik sehen in der Kompetenzorientierung neue Chancen für das historisch-politische Lernen in Gedenkstätten. Sie warnen gleichzeitig davor, dass über Bildungsstandards der Art, wie sie der »Verband der Geschichtslehrer Deutschlands« vorgelegt hat, genau diese Bemühungen gefährdet werden und eine Verstärkung des Faktenlernens und der reinen Stoffvermittlung wieder stattfindet.
Bundesweite Arbeitsgemeinschaft Gedenkstättenpädagogik Regine Gabriel (Gedenkstätte Hadamar), Daniel Gaede (Gedenkstätte Buchenwald), Elke Gryglewski (Gedenk- und Bildungsstätte »Haus der Wannsee-Konferenz«, Berlin), Hildegard Jacobs (Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf), Dr. Wolf Kaiser (Gedenk- und Bildungsstätte »Haus der Wannsee-Konferenz«, Berlin), Monica Kingreen (Fritz-Bauer-Institut, Frankfurt), Renate Knigge-Tesche (Hessische Landeszentrale für politische Bildung, Wiesbaden), Peter Koch (KZ-Gedenkstätte Dachau), Gottfried Kößler (Fritz-Bauer-Institut, Frankfurt), Thomas Lutz (Stiftung Topographie des Terrors, Berlin), Ulrike Puvogel (Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn), Dr. Gunnar Richter (Gedenkstätte Breitenau), Dr. Helmut Rook (Gedenkstätte Buchenwald), Barbara Thimm (Jugendgästehaus Dachau), Elke Zacharias (Gedenk- und Dokumentationsstätte Konzentrationslager Drütte, Salzgitter)