In den letzten zwei Jahrzehnten sind in Deutschland eine große Zahl neuer Gedenkstätten entstanden. Deren Arbeit ist in erster Linie bezogen auf den konkreten, lokalen und regional Ort, da die Erforschung und Darstellung der Geschichte des historischen Ortes Ausgangspunkt der Gedenkstättenarbeit ist. Von Anfang an haben sich die Gedenkstätten jedoch auch als Netzwerk verstanden. Historisch gab es vielfältige Beziehungslinien und Zusammenhänge zwischen den Orten, sei es wegen der systematischen Zusammenhänge durch das System der NS-Verfolgung, oder auch wegen der einzelnen Menschen, die von einem zum anderen Lager- oder Verfolgungsort verschubt wurden. Erst mit der Betrachtung der zahlreichen Orte im Zusammenhang wird die Entwicklung und Bandbreite der nationalsozialistischen Verfolgung deutlich. Da die Gedenkstätten sowohl in ihrem historischen Tätigkeitsfeld, als auch in den professionellen Fragestellungen und ihrer Wahrnehmung in der Gesellschaft mit sehr ähnlichen Fragestellungen konfrontiert werden, hat sich der Informationsaustausch und die Zusammenarbeit zwischen den Gedenkstätten als sehr nützlich erwiesen und soll weiter ausgebaut und intensiviert werden.
Gleichzeitig hat die in letzter Zeit heftig geführte Diskussion um die Zusammenarbeit der Gedenkstätten untereinander sowie die sich darauf begründende Organisationsstruktur eines immer wieder deutlich gemacht: In Zukunft wird es unbedingt notwendig sein, den Informationsaustausch zwischen den Gedenkstätten zu verbessern und effizienter zu gestalten.
Das Internet ermöglicht durch die globale Vernetzung völlig neue und sehr effiziente Formen der Kommunikation. Communication-Gap, Informations-Vorsprung und Global-Communication sind mittlerweile Begriffe, die in den alltäglichen Sprachgebrauch Einzug gehalten haben.
Besonders für Organisationen, die einerseits auf ständigen informellen Austausch angewiesen sind, andererseits aber große räumliche Distanzen zu überwinden haben, scheinen Internet-Einrichtungen wie Newsgroups, Chatrooms und Online-Foren zunehmend an Bedeutung zu gewinnen.
Die Stiftung Topographie des Terrors hat darauf reagiert und bietet die Möglichkeit, diesen Austausch über ein Online-Forum schnell und preiswert zu führen. Ab Januar 2000 wird das Gedenkstaettenforum unter folgender Internet-Adresse präsent sein:
www.topographie.de/gedenkstaettenforum/index.htm
Dabei wird es wichtig sein, das Forum von Beginn an möglichst intensiv zu nutzen. Der allgemeine Zugang wird unter der bereits genannten Internet-Adresse ab Januar 2000 möglich sein, ebenfalls die Anmeldung sowie die Passwortvergabe.
Zugangs- und Nutzungsmöglichkeiten
Inhaltlicher und organisatorischer Aufbau
L Public Newsgroup: Diese ist für jedermann zugänglich und offen für Fragen und Kommentare, es besteht auch die allgemeine Möglichkeit, eigene Texte in diese Newsgroup zu stellen.
L Netzwerkforum: Hier soll Raum für Informationsaustausch, themenbezogene Einschätzungen und Diskussionen geschaffen werden. Diese Rubrik soll für einen kontrollierten Kreis von Personen benutzbar sein, der direkt mit Gedenkstättenarbeit beschäftigt ist oder sich dafür interessiert. Wie bereits eingangs erwähnt, wird hierzu ein Passwort notwendig sein, das aber nach einmaliger Anmeldung dauerhaft gültig ist. Wir rechnen damit, dass sich der Verteiler dafür ähnlich wie bei dem GedenkstättenRundbrief zusammensetzen wird.
L Arbeitsgruppen im Netzwerkforum: Erste Diskussionen um die Gestaltung des Gedenkstaettenforums haben gezeigt, dass die Möglichkeit bestehen sollte, einzelne, projektbezogene Diskussionsgruppen einzurichten, ohne dass diese für alle übrigen User zugänglich ist. Für diese Arbeitsgruppen werden eigene Projektgruppen mit einem separaten Zugriffsrecht organisiert (d.h. ein zusätzliches Passwort). Ein erstes Anwendungsbeispiel könnte die Kommunikation bei der Erarbeitung des »Thesaurus« sein, an dem zur Zeit mehrere Gedenkstätten-Archivare mitwirken. Um hier einen geschützten, internen Austausch in der Erarbeitungsphase zu gewährleisten, könnte eine kleine, nochmals passwortgeschützte Arbeitsgruppe für die Mitarbeiter dieses Vorhabens eingerichtet werden.
L Veranstaltungen: Diese Rubrik ist ebenso für jedermann einsehbar. Eigene Texte können jedoch nur nach vorheriger Anmeldung auf diese Page gestellt werden. Damit können die zahlreichen Seminare, Tagungen, Workshops etc. frühzeitig angekündigt werden. Ziel ist es, neben der Werbung für die einzelnen Veranstaltungen auch die übrigen anfallenden Termine im Gedenkstättenbereich optimaler zu koordinieren.
L Publikationen: Hinweise auf neue Literatur können in diese Rubrik gestellt werden. Die Wahrnehmung und Verbreitung von »grauer« Literatur zu den Themen Erinnerung und Gedenkstätten soll dadurch erleichtert werden.
L Forschung und Projekte: Hier soll eine Übersicht über bestehende Forschungsvorhaben und Projekte geliefert werden. Damit sollen Kontakte zu anderen Forschungsprojekten, die im Zusammenhang mit Gedenkstättenstätten stehen, erleichtert werden.
L Mitglieder: Hier sollen Adressen und Kurzinformationen über Gedenkstätten und Einzelpersonen (soweit dies gewollt wird) aufgelistet werden, damit eine individuelle Kommunikation schneller und einfacher geleistet werden kann.
Zugriffsebenen
L Allgemein zugänglicher Bereich: Die Public Newsgroup wird öffentlich zugänglich sein. Jeder, der diese Seite besucht, kann dort Fragen oder Texte einbringen und dazugehörige Antworten lesen.
L Allgemein zugänglicher Bereich (schreibgeschützt): Die Rubriken Mitglieder, Veranstaltungen, Publikationen, Forschung und Projekte können von allen Usern gelesen werden. Allerdings kann man dort nur Einträge hineinstellen, wenn man sich zuvor angemeldet und ein Passwort erhalten hat.
L Nur für Mitglieder zugänglich: Für das Netzwerk Forum wird die Schreib- und Leseberechtigung nur durch eine vorherige Anmeldung sowie durch den Erhalt eines allgemeingültigen Passwortes möglich sein. Innerhalb des Netzwerk Forum wird es noch einen weiteren, internen Austausch für bestimmte Arbeitsgruppen geben. Die Nutzung dieser Möglichkeit setzt den Besitz eines zweiten, nur speziell für diese Arbeitsgruppe vergebenen Passwortes voraus.
Die Konzeption des Gedenkstaettenforums lässt eine Erweiterung des Projektes jederzeit zu. So wäre z.B. daran zu denken, spezielle inhaltliche Diskussionsgruppen einzurichten, die von einer Redaktionsgruppe verantwortlich betreut werden.
Evaluationen des Projektes mittels eMail sowie auf bundesweiten Gedenkstättenseminaren sind geplant und sollen der Anpassung an die Bedürfnisse der Nutzer aus dem Bereich der Gedenkstätten- und Erinnerungsarbeit dienen. Über weitere Anregungen bin ich sehr dankbar.
Das Forum ist zur Anmeldung und für Rückfragen wie folgt zu erreichen:
gedenkstaettenforum@topographie.de
Telefonhotline: 030/254 509 20 – Michael R. Seidinger