Gedenkstätte Ahrensbök

06/2002Gedenkstättenrundbrief 107, S. 41-42
Christian Rathmer

Das Gebäude der Gedenkstätte Ahrensbök ist das einzige erhaltene bauliche Zeugnis eines frühen KZ in Schleswig-Holstein. Das Konzentrationslager Ahrensbök-Holstendorf existierte dabei nur sechs Wochen. Vom 1. November 1932 bis zum 16. März 1933 hatte zuvor die SPD-nahe Reichsbannerjugend in dem ehemaligen Direktorenhaus einer alten Zuckerfabrik ein Freiwilliges Arbeitsdienstlager unterhalten.

Im Landesteil Lübeck des Freistaates Oldenburg wurden nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten zunächst alle sogenannten »politischen Häftlinge« im »Schutzhaftlager« des Amtsgerichtsgefängnisses Eutin interniert. Am 3. Oktober 1933 wurden die Häftlinge aus Eutin in das als Konzentrationslager eingerichtete Gebäude in Ahrensbök-Holstendorf verlegt. Am 1. Dezember 1933 zog die Führerschule der Gruppe Nordmark der NSDAP in das Gebäude der Realschule Ahrensbök; die Schüler der Realschule wurden wiederum in das Gebäude des KZ Holstendorf eingewiesen. Das KZ wurde in ein Gebäude im Ortskern von Ahrensbök verlegt. Am 9. Mai 1934 wurde das Konzentrationslager aufgelöst. Insgesamt wurden während des Bestehens des KZ Eutin/Ahrensbök deutlich mehr als 300 »Schutzhäftlinge« interniert. 1936 wurde im Rahmen des NS-Autarkieprogramms die Genossenschaft Flachsröste gegründet, in der Hunderte von ausländischen Zwangsarbeiter/innen eingesetzt wurden.

Am 13. April 1945 zogen etwa 500 Überlebende nationalsozialistischer Konzentrationslager durch Ahrensbök. Die Häftlinge wurde etwa 14 Tage in zwei Scheunen zwangseinquatiert, bevor sie auf die CapArcona gepfercht wurden, die am 3. Mai in der Lübecker Bucht bei Neustadt versenkt wurde.

Die Erforschung des Eutiner Schutzhaftlagers begann der kanadische Historiker Lawrence D. Stokes bereits Ende der 70er Jahre. Durch die Forschungen des Regionalhistorikers Gerhard Hoch in den späten 80er Jahren wurde zunächst das Schicksal der jüdischen Häftlinge von Fürstengrube bekannt. Die Studien von Jörg Wollenberg in den späten 90er Jahren brachten das ganze Ausmaß der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Ahrensbök zu Tage.

Im Juni 1998 gründete sich die Gruppe 33 – Arbeitsgemeinschaft zur Zeitgeschichte in Ahrensbök e.V. Im Sommer 1999 fand das erste Internationale Jugendlager der Aktion Sühnezeichen – Friedensdienste statt. Am 1. September 1999 wurden im Rahmen eines Wegzeichenprojektes der Weg der KZ-Häftlinge auf ihrer letzten Wegstrecke markiert.

Am 8. Mai 2000 wurde der Trägerverein Gedenkstätte Ahrensbök e.V. gegründet.

Am 8. Mai 2001 wurde die Gedenkstätte Ahrensbök mit dem ersten Teil der Dauerausstellung über den Todesmarsch von Auschwitz nach Holstein eröffnet.

Der Fortbestand der Gedenkstätte ist gefährdet, da der Trägerverein nicht finanzkräftig genug ist, um die Kosten aus eigenen Mitteln aufzubringen und die Unterstützung vom Land Schleswig-Holstein und den übrigen Körperschaften dafür ebenfalls viel zu gering ist.

Gedenkstätte Ahrensbök, Flachsröste 16, 23623 Ahrensbök, Postfach 12 56,

23620 Ahrensbök, Tel: 045 25/49 30 60, Fax: 045 25/49 30 90,

E-Mail: gedenkstaetteahrensboek@t-online.de, www.gedenkstaetteahrensboek.de

Anreisehinweis: Ahrensbök: Kreis Ostholstein. A1 Richtung Puttgarden, Ausfahrt Scharbeutz, dann B 432 nach Bad Segeberg. Gedenkstätte: Vor dem Ort direkt an der Bundesstraße, Gewerbegebiet Flachsröste, Ortsteil Holstendorf.

Öffnungszeiten: 1. April – 31. September: Dienstag – Freitag 10 – 12 Uhr, Mittwoch 15 –17 sowie nach Vereinbarung

Hoch, Gerhard, Von Auschwitz nach Holstein. Die jüdischen Häftlinge von Fürstengrube, Hamburg 1998.

Stokes, Lawrence D., Das Eutiner Schutzhaftlager 1933/34. Zur Geschichte eines »wilden« Konzentrationslagers, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Jg. 27, 1979, S. 570-625.

Wollenberg, Jörg: Ahrensbök. Eine Kleinstadt im Nationalsozialismus, Konzentrationslager – Zwangsarbeit – Todesmarsch, Bremen 2001.