Gedenkhalle Oberhausen

Wissenschaftlicher Beirat zur Neukonzeption der Dauerausstellung hat Arbeit aufgenommen
10/2005Gedenkstättenrundbrief 127, S. 28-29
Günter Morsch und Clemens Heinrichs

Im März 1960 fasste der Rat der Stadt Oberhausen einstimmig über alle Parteigrenzen hinweg den Beschluss, den linken Seitenflügel des Schlosses für die Einrichtung einer Gedenkhalle umzubauen. Eingerichtet wurde dort eine Dauerausstellung »zur ehrenden und mahnenden Erinnerung an die Oberhausener Opfer des Faschismus«. Die Gedenkhalle als Einrichtung der Stadt Oberhausen ist damit ein früher und bis heute wesentlicher Ausdruck eines gesamtstädtischen Willens, dauerhaft aus der Geschichte zu lernen, an die NS-Verbrechen zu erinnern und der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken sowie die humanitären Aufgaben gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus bzw. ihren Angehörigen wahrzunehmen.

Da die 1988 eingerichtete Dauerausstellung »Verfolgung und Widerstand in Oberhausen 1933–1945« in vielerlei Hinsicht in die Jahre gekommen ist, beschloss der Kulturausschuss der Stadt Oberhausen auf seiner Sitzung am 1. Februar 2005 auf Anregung und nach Erläuterung durch den Leiter der Gedenkhalle, Clemens Heinrichs, die gegenwärtige Dauerausstellung in der Gedenkhalle durch eine neue zu ersetzen. Bei der Sitzung im Kulturausschuss war deutlich geworden, dass die Ausstellung nicht durch einzelne Korrekturen verbessert werden könne und daher eine vollständige Erneuerung angeraten sei. Gerade im Vergleich mit anderen Gedenkstätten sei keine Alternative zur Neukonzeption denkbar, solle die Gedenkhalle nicht den Anschluss an die aktuelle Forschung, die modernen Methoden der Gedenkstättenpädagogik und eine besucherorientierte und attraktiv gestaltete Vermittlung von historischem Wissen verlieren. Grundsätzliches Ziel einer Neukonzeption sei somit, den Bildungsauftrag der Gedenkhalle neu auszufüllen.

Zur Unterstützung des Projekts wurde aus Oberhausener und externen Fachleuten aus Gedenkstätten, Forschung und Erwachsenenbildung ein wissenschaftlicher Beirat gebildet, der sich im Rahmen von eintägigen Workshops vor Ort über die Dauerausstellung, die NS-Geschichte Oberhausens und die fachwissenschaftlichen Standards für die Entwicklung einer neuen Dauerausstellung der Gedenkhalle orientiert. Der Beirat, dessen Moderation Prof. Dr. Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und Leiter der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, übernommen hat, wird in Zukunft die Konzeption einer neuen Dauerausstellung fachlich beraten und begleiten.

Eine erste Sitzung des Beirats fand bereits am 30. Mai 2005 in der Gedenkhalle in Oberhausen statt. Nach dem Abschluss des 1. Beratungstages äußerte sich der Moderator des wissenschaftlichen Beirats der Gedenkhalle Oberhausen optimistisch über die in Aussicht genommene Neukonzeption und Neugestaltung. In ihrer 1. Sitzung ließen sich die Mitglieder des Beirats durch Herrn Klaus Oberschewen ausführlich über die derzeitige Ausstellung, ihren Entstehungszusammenhang sowie ihre Stärken und Schwächen informieren. Hilfreich war dabei auch die Stellungnahme einer kleinen Universitätsgruppe unter Leitung von PD Dr. Michael Zimmermann. Die derzeitige Ausstellung entspricht, so das Fazit des wissenschaftlichen Beirats, im wesentlichen dem damaligen Forschungsstand sowie den Schwerpunkten und Konzepten, wie sie in den 1980er-Jahren häufig und typisch waren. In der Bewertung der damaligen Zeit sei sie ein außerordentlich wichtiger Beitrag zur Erhaltung der Erinnerung an die Verbrechen des NS-Systems und den Widerstand in Oberhausen gewesen.

Der wissenschaftliche Beirat verabredete, am 12. September 2005 zu einer erneuten Beratung zusammenzutreten. Im Vordergrund soll dabei auf der Grundlage einer Analyse des Literatur-, Forschungs- und Quellenstandes sowie einer noch zu erarbeitenden Geschichte der Gedenkhalle die Frage diskutiert werden, welche Funktion die Gedenkhalle im Erinnerungskonzept der Stadt Oberhausen in Abgrenzung von und in Kooperation mit bereits existierenden musealen Einrichtungen und Gedenkorten in und außerhalb der Emscherstadt zukünftig haben soll. »Die Gedenkhalle ist«, wie sich dazu der Moderator der Expertengruppe, Prof. Dr. Günter Morsch äußerte, »eine außerordentlich beeindruckende und bewegende Einrichtung. Die Eröffnung der Gedenkhalle wurde von der damaligen Oberbürgermeisterin Luise Albertz 1962 vorgenommen. Sie ist wahrscheinlich die erste Gedenkstätte in der Bundesrepublik, zumindest jedoch in Nordrhein-Westfalen. Als solche verdient sie es unbedingt, bewahrt und saniert zu werden. Allerdings muss auch die Gedenkhalle ebenso wie derzeit viele andere Gedenkstätten in Deutschland angesichts des stark anwachsenden Interesses junger Menschen deren heutigen Sicht- und Wahrnehmungsweisen entsprechend umgestaltet werden.«