Eine vergleichende Untersuchung in zwei Institutionalisierungsformen pädagogischer Kommunikation: »Unterricht« und »außerschulische Jugendbildung«
Das DFG-geförderte Forschungsprojekt ist am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität angesiedelt. Vor dem Hintergrund der hohen Erwartungen der Öffentlichkeit nicht nur an die kognitiven Kompetenzen, sondern auch an die moralischen Dispositionen der nachwachsenden Generation zielt die empirische Untersuchung darauf ab, die Leistungsfähigkeit des Unterrichts und kontrastierend der außerschulischen Jugendbildung für die Vermittlung sozial gültiger Normen zu bestimmen. Gegenstand der zu beobachtenden pädagogischen Settings sollen die gesellschafts- und geschichtspolitisch brisanten Themen »Nationalsozialismus/Holocaust« und »Multikulturalität/Rassismus« sein.
Bei der Untersuchung des Themas »Nationalsozialismus/Holocaust« wird neben dem Geschichtsunterricht vor allem die Vermittlungspraxis in verschiedenen bundesdeutschen Gedenkstätten im Zentrum des Forschungsinteresses stehen.
Anders als Untersuchungen, die von den Leistungen der Schüler auf die Leistungsfähigkeit der Lehrer und des Unterrichtsarrangements zurückschließen und den Erfolg oder Misserfolg der Erziehung als deren Kompetenz- und/oder Performanzproblem behandeln, sollen im Rahmen des hier beantragten Forschungsprojektes die Strukturprobleme pädagogischen Handelns untersucht und die Bedingungen der Möglichkeit moralischer Erziehung im Unterricht und kontrastiv dazu an außerschulischen Lernorten ausgelotet werden. Wie in den jeweiligen Lernorten mit diesen Strukturproblemen, die erziehungswissenschaftlich als Antinomien, Paradoxien und Aporien beschrieben werden, in pädagogisch-moralischer Kommunikation praktisch umgegangen, wie also Kontingenz bewältigt wird, soll durch eine qualitativ angelegte in situ Beobachtung, d. h. in realen Erziehungskontexten untersucht werden. Mit dem hier erzeugten nutzenorientierten Grundlagenwissen soll das Potenzial der Allgemeinen Erziehungswissenschaft für die Lehrerbildung, die Didaktik der Politischen Bildung und die Gedenkstättenpädagogik ausgeschöpft werden.
Weitere Informationen
Dr. Wolfgang Meseth
Fachbereich Erziehungswissenschaften
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