»Es hat keiner auch nur ein Wort 
darüber verloren«

Ein historischer Rundweg erinnert 
an das »Ausländerkrankenhaus Mahlow« bei Berlin
06/2014Gedenkstättenrundbrief 174, S. 3-10
Ulrike Kersting und Axel Drieschner

Fünf Kilometer südlich der Stadtgrenze befand sich ein zentraler Ort der NS-Zwangsarbeit in Berlin, das »Krankenhaus der Reichshauptstadt in Mahlow«, kurz »Ausländerkrankenhaus Mahlow« genannt. Es war hauptsächlich als Behandlungsstätte für »Ostarbeiter« gedacht, deren medizinische Versorgung nach dem Willen der Arbeitseinsatz- und Gesundheitsbehörden räumlich separiert von deutschen und westeuropäischen Patienten erfolgen sollte. Hierbei mischten sich rassenideologische Motive zur Isolation von »Fremdvölkischen« mit seuchenhygienischen Überlegungen. Ab März 1942 wurden auf Betreiben des Reichsarbeitsministeriums zahlreichen kommunalen Krankenhäusern Baracken zur »Absonderung« erkrankter »Ostarbeiter« angegliedert. Zum Teil wurden aber auch ganze Lagerkomplexe zu diesem Zweck errichtet.[1] Dort sollten die Patienten unter reduziertem zeitlichen und materiellen Aufwand wieder »arbeitsfähig« gemacht werden. Die anfänglich noch vorgesehenen Abschiebungen von schwerkranken sowjetischen Zivilisten in ihre Heimatgebiete wurden ab Herbst 1942 deutlich eingeschränkt, da die Arbeitskräfte nach einer etwaigen Genesung für die deutsche Kriegswirtschaft verfügbar bleiben sollten[2]. »Sofern die Einsatzfähigkeit mit vertretbarem Aufwand oder nach verhältnismäßig kurzer Behandlung – bis zu einer Höchstdauer von etwa acht Wochen – wieder hergestellt werden kann, ist von der Rückführung … abzusehen«, ordnete der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz, Fritz Sauckel, im Oktober 1942 an.[3]

Das »Ausländerkrankenhaus« in Mahlow war vermutlich die größte speziell für »Ostarbeiter« errichtete medizinische Einrichtung im Deutschen Reich (ein Gesamtüberblick zu solchen Krankenanstalten fehlt noch). Das Hauptgesundheitsamt Berlin errichtete es auf einem von Wald und Äckern umgebenen Gelände fernab von Wohngebieten. Hinter dem sogenannten Friedhofswald von Blankenfelde gelegen, entzog es sich der unmittelbaren Wahrnehmung des überwiegenden Teils der örtlichen Bevölkerung.[4] Der Baubeginn lag vermutlich im Frühjahr 1942, die Inbetriebnahme erfolgte im August desselben Jahres. Der von einem doppelten Stacheldrahtzaun und von Wachtürmen umgebene Barackenkomplex sollte vor allem Infektions- und Tuberkulosekranke aufnehmen. Männer, Frauen und Kinder aus der Sowjetunion bildeten die mit Abstand größte Patientengruppe, außerdem wurden Deportierte aus Polen in Mahlow behandelt und festgehalten, ferner Zivilisten aus Frankreich, den Niederlanden, Belgien, der Tschechoslowakei, Jugoslawien und Italien. Bisweilen lieferte auch die Gestapo hier Häftlinge ein, so aus dem »Arbeitserziehungslager« Berlin-Wuhlheide und aus dem Gefängnis in der Großen Hamburger Straße. Patientenakten oder ­Statistiken, aus denen die Zahlen der Behandelten hervorgehen könnten, sind bislang nicht bekannt, jedoch ergibt sich das ungefähre Verhältnis der Nationalitäten aus den standesamtlich beurkundeten Sterbefällen (dazu unten mehr).

Unmittelbar vor Eröffnung des Barackenkrankenhauses ist der noch unfertige Komplex vorübergehend als Durchgangslager für »Ostarbeiter« genutzt worden. Die Lage abseits von Schienenwegen und befestigten Straßen bedeutete zusätzliche Strapazen für die Menschen. Nach dem langen und qualvollen Bahntransport hatten sie vom Bahnhof Mahlow aus einen drei Kilometer langen Fußmarsch zu absolvieren. Ein Bürger von Blankenfelde erinnert sich, im Kindesalter beobachtet zu haben, wie im Sommer 1942 eine Gruppe von etwa 200 entkräfteten Ausländern – Männer, Frauen und Kinder – von Polizei bewacht die Straße entlang geführt wurde. Vermutlich handelte es sich um Neuankömmlinge des Durchgangslagers.[5] Bereits für Mai 1942 ist der Tod von 16 Kleinkindern und Säuglingen aus der Sowjetunion dokumentiert, sonst gibt es kaum Nachrichten über diese Nutzungsphase des Lagers. Am 10. August 1942 nahm das Hauptgesundheitsamt Berlin das »Ausländerkrankenhaus Mahlow« in Betrieb. Der Mangel an Personal, medizinischem Gerät und weiterer Ausrüstung verzögerte die Fertigstellung jedoch und beeinträchtigte den Betrieb nachhaltig. Erst im März 1943 wurde die vorgesehene Kapazität von 848 Betten erreicht. Das in drei annähernd gleichartige Module gegliederte Lager umfasste nun 25 Baracken, darunter zehn Krankenbaracken. Jenseits der Außengrenze besaß es auch eine eigene Kläranlage. Teile des Lagers wurden im Dezember 1943 durch Bomben zerstört, darunter Operationsräume. Nach umfangreichen Instandsetzungen, an denen Häftlinge aus dem wenige Kilometer entfernten KZ-Außenlager Lichtenrade beteiligt waren, ging der Betrieb mit 700 Betten weiter.

Das Krankenhaus besaß neben Abteilungen für Tuberkulose und Innere Medizin unter anderem eine Entbindungsstation. Ab August 1943 kamen hier etwa 340 Kinder vor allem sowjetischer und polnischer Frauen zur Welt.[6] Über zwanzig Neugeborene starben noch in Mahlow, weitere in Berlin, wohin die Mütter kurze Zeit nach der Entbindung zur Wiederaufnahme der Arbeit geschickt wurden. In der chirurgischen Abteilung des »Ausländerkrankenhauses« wurden auch Abtreibungen vorgenommen, darunter nach Aussage von Zeitzeuginnen Zwangs- und Spätabbrüche bis zum achten Schwangerschaftsmonat. Zudem sind Zwangssterilisationen von Frauen aus dem Volk der Sinti und Roma bezeugt.

Der Betrieb des »Ausländerkrankenhauses Mahlow« basierte zu einem erheblichen Teil selbst auf Zwangsarbeit. Von der rund 150 Personen zählenden Stammbelegschaft waren knapp ein Drittel Deutsche. Sie arbeiteten hauptsächlich im Verwaltungsdienst oder in leitenden Positionen des ärztlichen- und Pflegedienstes. Zumeist kamen sie aus anderen kommunalen Krankenhäusern Berlins oder aus Bezirksämtern nach Mahlow, manchmal auf dem Wege der Zwangsversetzung. Die leitenden Beamten übten im Krankenhaus auch polizeiliche Funktionen aus und erhielten dazu wie die Wach- und Aufsichtskräfte Schusswaffen. Mehrfach bezeugt sind gewalttätige Übergriffe von deutschem Personal gegen Kranke. Im Rahmen einer internen Auseinandersetzung etwa bezichtigte ein deutscher Aufseher den Personalchef des Krankenhauses, dass er »schwerkranke Russen aus dem Bett aufstehen ließ und einen ins Gesicht geschlagen hat, dass er zwischen die Betten taumelte«.[7] Auch in dem inzwischen viel zitierten Bericht zur »Lage der Ostarbeiter« von Gotthold Starke, Referatsleiter des Auswärtigen Amtes, kamen die Zustände im »Ausländerkrankenhaus Mahlow« zur Sprache. Starke brachte sie auf folgende Formel: »Vollkommen unzureichende Ernährung und schlechte Behandlung sowie Verprügelung der Ostkranken«.[8]

Während die deutsche Belegschaft des Krankenhauses zumeist in Berlin wohnen blieb, waren die ausländischen Arbeitskräfte zumindest teilweise in Baracken auf dem Lagergelände kaserniert. Zum sowjetischen Personal gehörten etwa zehn Ärztinnen und Ärzte sowie neunzig Pflegerinnen. Letztere sind meist noch als Jugendliche nach Mahlow deportiert und hier für ihre Tätigkeit angelernt worden. Hunger, harte körperliche Arbeit und Demütigungen bestimmten ihren Alltag, wie wir aus einer Reihe von Erinnerungsberichten wissen.[9] Der Umgang mit Schwerkranken und Sterbenden war für sie zudem seelisch stark belastend. Manche Pflegerinnen infizierten sich im Dienst an Typhus oder Tuberkulose, in mindestens einem Fall verlief dies tödlich.

Die Zahl der Patienten, die das Lager durchliefen, ist nicht bekannt, ungeklärt ist auch der Verbleib der Patientenakten. Bekannt sind aber Zahl und Namen der Toten, denn bis kurz vor Kriegsende wurden sie im Sterberegister des Standesamtes Mahlow verzeichnet. Bis zu seiner Befreiung am 22. April 1945 starben im »Ausländerkrankenhaus« demnach fast 1500 Menschen, ein Viertel davon Frauen und ein Fünftel Kinder und Jugendliche bis zu 15 Jahren.[10] Annähernd 1200 Verstorbene stammten aus der Sowjetunion, etwa 120 aus Polen. Haupttodesursache mit 800 Opfern war die bei »Ostarbeitern« infolge ihrer schlechten Versorgungslage und hygienischen Situation grassierende Tuberkulose. Gotthold Starke nannte sie »die größte Geißel der Lager …, die sich auch unter den Minderjährigen sehr stark ausbreitet«. Die Toten des »Ausländerkrankenhauses« beerdigte die Stadt Berlin abseits ihres Territoriums, auf dem etwa 15 Kilometer vom »Ausländerkrankenhaus« entfernten, unweit von Potsdam gelegenen Waldfriedhof Güterfelde-Stahnsdorf. Auf Veranlassung der sowjetischen Besatzungsmacht wurde am Bestattungsplatz, der sich heute als grünes Rasenfeld ohne gekennzeichnete Gräber darbietet, ein Obelisk aufgerichtet. Die Namen der Opfer blieben dort bis heute ungenannt.

In Mahlow und in den benachbarten Dörfern herrschte über das »Ausländerkrankenhaus« nach 1945 weitgehend Schweigen. »Es hat keiner auch nur ein Wort darüber verloren«, bekräftigen die Alteingesessenen immer wieder.[11] Nachdem die Rote Armee die Anlage für einige Monate ihrerseits als Behelfskrankenhaus genutzt hatte, siedelte die Gemeinde ab 1946 kleinere und mittlere Gewerbebetriebe dort an. Die Großküche des Krankenhauses wurde nun für die Schulspeisung verwendet, andere Gebäude nahm ein pharmazeutisches Werk in Besitz. Bald arbeiteten weit über hundert Menschen auf dem Gelände. In den 1960-Jahren verschwanden die meisten Betriebe wieder. Die Baulichkeiten wurden später bis auf wenige Reste abgerissen. Bei den Bürgern von Blankenfelde-Mahlow blieb das leergeräumte Areal aber bis heute als »Industriegelände« bekannt. Während dieser jüngere Teil seiner Vergangenheit einen festen Platz im lokalen Gedächtnis behielt, fand das »Ausländerkrankenhaus« nur mühsam Aufnahme in die heimatgeschichtliche Erinnerung. Anfang der 1970er-Jahre rückte es vorübergehend ins Blickfeld lokalhistorischer Forschungen, als sich eine in Gründung begriffene örtliche Schule mit dem kommunistischen Widerstandskämpfer und KZ-Häftling Herbert Tschäpe befasste, der im April 1944 einen Arbeitseinsatz im »Ausländerkrankenhaus« zur Flucht nutzte.[12] Im Rahmen der antifaschistischen Traditionspflege der DDR konnte sich die Schule mit diesen Nachforschungen das Recht erwerben, den Namen Tschäpes anzunehmen. Der Lokalhistoriker Frank Hummeltenberg setzte diese Recherchen fort, intensivierte sie nach 1989, erarbeitete Aufsätze und eine erste Ausstellung, die 2005 in der Gemeindeverwaltung und mehreren Ortsteilen gezeigt wurde.[13] Eine weitere, unter anderem in Blankenfelde, Potsdam und Luckenwalde präsentierte Ausstellung ging 2009 aus einem Jugendprojekt der Evangelischen Kirchengemeinden Mahlow und Glasow hervor.[14] Parallel dazu erschienen Fachbeiträge, welche die Geschichte des »Ausländerkrankenhauses« im Kontext des NS-Gesundheitswesens und der Zwangsarbeit in Berlin darstellen.[15]

Vom »Ausländerkrankenhaus« zeugt heute nur noch ein kleines Massivgebäude im Zufahrtsbereich, ferner ein überbauter Keller, der von einem Hundesportverein genutzt wird, sowie archäologische Reste wie Fundamente und Barackenböden aus Beton, die 2007 als archäologisches Denkmal unter Schutz gestellt wurden.[16]

Im Jahr 2009 beschloss die Gemeindevertretung Blankenfelde-Mahlow, am ehemaligen Standort des »Ausländerkrankenhauses« dauerhaft einen Ort der Information und der Erinnerung einzurichten. Zur Umsetzung des Vorhabens bildete sich eine Ideenwerkstatt aus Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde sowie kommunalen Vertretern. Es bestand der Wunsch, dass die Sichtbarmachung der historischen Dimension des Ortes mit der Wahrung seiner Funktion für die Naherholung und Naturerfahrung einhergehen müsse, da der Bereich von Spaziergängern und Joggern intensiv genutzt wird. Zudem sollte das Konzept eine Umsetzung in Einzelschritten ermöglichen, um parallel zur Realisierung der ersten Komponenten die Forschung zu bislang nicht hinreichend untersuchten Themen, etwa zur Bau- und Funktionsgeschichte der Anlage sowie zu den Opferschicksalen, fortsetzen zu können. Die neu hinzukommenden Ergebnisse lassen sich dann in die zweite Ausbaustufe des Informations- und Markierungssystems einbringen. Die sukzessive Vorgehensweise ermöglicht es außerdem, während des Umsetzungsprozesses weitere Bürger für den Ort zu interessieren und zur aktiven Beteiligung an dem Projekt zu gewinnen.

Im April 2013 konnte die erste Komponente des Gedenkorts »Ausländerkrankenhaus Mahlow« unter breiter Teilnahme der Einwohnerschaft und unter Mitwirkung diplomatischer Vertreter mehrerer europäischer Staaten eingeweiht werden. Die erste Ausbaustufe verknüpft bestehende Waldwege zu einem historischen Rundweg, der ungefähr entlang der ehemaligen Begrenzung um den ehemaligen Lagerkomplex herumführt. Der Rundweg vermittelt einen Eindruck von der Größe des Geländes, das heute teilweise von Wald bewachsen ist und selbst nicht mehr als Gesamtheit in Erscheinung tritt. Er ist eingebunden in ein bereits vorhandenes und gut frequentiertes Wegenetz. Für die etwa 1,2 km lange Route um das Lagergelände wurden stelenförmige Schautafeln entwickelt, die an neun markanten Punkten des Weges aufgestellt sind. Sie informieren mit Zeugenberichten, Quellenzitaten und Fotos über die Geschichte des »Ausländerkrankenhauses Mahlow«, seine Funktion in der NS-Zwangsarbeit im Raum Berlin und über die Schicksale seiner sozial und »rassisch« stigmatisierten Insassen. Im Verlaufe des Rundwegs fügt sich somit sukzessive eine Facette an die andere. Ein wiederkehrendes Element sind die Zitate aus Erinnerungsberichten, denen der rechte Flügel der abgewinkelten Schautafeln vorbehalten ist. Die linke Seite der Tafeln bietet jeweils einen thematischen Sachtext und ein Foto oder ein faksimiliertes Dokument. Die Tafeln sind so positioniert, dass die Blickrichtung auf das Lagergelände orientiert ist. Von diesen Gestaltungsprinzipien unterscheidet sich lediglich die am ehemaligen Lagereingang aufgestellte Haupttafel mit Basisinformationen. Sie bildet gleichsam das Scharnier zur geplanten zweiten Komponente des Gedenkorts, die auf dem ehemaligen Lagergelände selbst entstehen wird. Dort ist vorgesehen, exemplarisch einige ehemalige Gebäudestandorte zu kennzeichnen und anhand von Schautafeln die Lagertopografie und die Nachkriegsgeschichte des Areals zu thematisieren.

Einen weiteren Schwerpunkt wird hier das Gedächtnis an die rund 1500 Todesopfer bilden, die in geeigneter Form namentlich genannt werden sollen. Bevor die Details des Konzepts festgelegt werden können, sind noch weitere Forschungen zu den im Gelände verborgenen archäologischen Überresten erforderlich. Dasselbe gilt für das einzige erhaltene Gebäude, das nahe dem Eingangsbereich überdauerte. Für dieses vom Verfall bedrohte Zeugnis wird eine Nutzung im Rahmen des Gesamtkonzeptes für das Gelände und damit eine längerfristige bauliche Erhaltung angestrebt.[17]

Den Bedarf an Informationen und gegenseitigem Austausch zur Geschichte des »Ausländerkrankenhauses« zeigen Veranstaltungen wie der im August 2013 durchgeführte Gesprächsabend, aus deren Wortbeiträgen oben mehrfach zitiert wurde. Erschienen hierzu vor allem Angehörige der älteren Generationen, die ihre eigenen Erinnerungen und Erfahrungen einbringen konnten, wird es künftig darum gehen, die Jüngeren durch Bildungsangebote gezielt anzusprechen.
 

Dr. Ulrike Kersting, Archäologin und Museumspädagogin, 2009 Jugendprojekt zum »Ausländerkrankenhaus Mahlow«, Bürgerin von Blankenfelde-Mahlow und Mitinitiatorin des Gedenkorts in Mahlow

Axel Drieschner, (Kunst)Historiker/Bauforscher, Büro für Zeitgeschichte und Denkmalpflege Berlin, mitverantwortlich für Planung und Umsetzung des Gedenkorts in Mahlow
 

[1] Annette Schäfer, Durchgangs- und Krankensammellager im Zweiten Weltkrieg, S. 210ff, in: Andreas Frewer, Günther Siedbürger (Hrsg.), Medizin und Zwangsarbeit im Nationalsozialismus. Einsatz und Behandlung von »Ausländern« im Gesundheitswesen, Frankfurt am Main/New York 2004, S. 203–230.

[2] In Blankenfelde-Nord in Berlin-Pankow – nicht zu verwechseln mit dem benachbart zu Mahlow im Süden Berlins liegendem Blankenfelde – befand sich eine »Rückkehrersammelstelle« für »Ostarbeiter«, die mit Einstellung der Heimattransporte zu einem Sterbelager wurde. Patienten, bei denen eine medizinische Behandlung nicht ›lohnenswert‹ erschien, wurden dort ihrem Schicksal überlassen. Die Funktion dieses Lagers war somit komplementär zum »Ausländerkrankenhaus Mahlow«. Zum Lager Blankenfelde-Nord siehe: Helmut Bräutigam, Zwangsarbeit in Berlin 1938–1945, S. 43f, in: Arbeitskreis Berliner Regionalmuseen, Zwangsarbeit in Berlin 1938–1945, Berlin 2003, S. 17–61.

[3] Erlass vom 16. Oktober 1942, betrifft den Umgang mit »nichteinsatzfähigen Ostarbeitern« (Landesarchiv Berlin, A Rep. 003-03 Nr. 237). Der Heilungsaufwand wird dabei gegen die Aussicht auf eine langfristige Ausbeutung der Arbeitskräfte abgewogen: »Bei der Entscheidung, ob die Wiederherstellung der Einsatzfähigkeit – auch beschränkter Einsatzfähigkeit – lohnt, ist zu berücksichtigen, dass die Ostarbeiter dem Reich ohne zeitliche Beschränkung zur Verfügung stehen.«

[4] Eine Zeitzeugin erklärt sich so, dass ihre Eltern ihr nie von dem Lager berichtet haben. Für diese habe der Ort »hinter dem Friedhof« aufgehört, »dass weiter im Westen ein Lager war, war für sie unbekannt« (Tonmitschnitt des Zeitzeugengesprächs am 28. 8. 2013 in der »Alten Aula« Blankenfelde-Mahlow).

[5] Unveröffentlichter Erinnerungsbericht Rainer Pannier, Blankenfelde-Mahlow, April 2013.

[6] Bremberger, Hummeltenberg, Stürzbecher (siehe Anm. 15), S. 255.

[7] Landesarchiv Berlin, A Rep. 003-03 Nr. 108, Bl. 86f.

[8] Gotthold Starke, »Aufzeichnungen über die Lage der Ostarbeiter in Deutschland« vom 16. August 1943. Der Text ist abgedruckt und kommentiert in: Bernhard Bremberger, »Stalins Hand reicht bis in die Ostarbeiterlager«. Gotthold Starkes Aufzeichnungen aus dem Auswärtigen Amt, in: Cord Pagenstecher, Bernhard Bremberger, Gisela Wenzel, Zwangsarbeit in Berlin. Archivrecherchen, Nachweissuche und Entschädigung, Berlin 2008, S. 211–231.

[9] In übersetzter Form veröffentlicht in: Frewer, Bremberger, Siedbürger, S. 273–284 (siehe Anm. 15).

[10] Anja Prust, »Die Toten von Mahlow«. Zur Auswertung der Sterbebücher der Gemeinde Mahlow und der Grundliste des Friedhofs Güterfelde, unveröfftl. Studienarbeit am Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte der Humboldt Universität Berlin, Februar 2007.

[11] Zeitzeugengespräch (wie Anm. 4).

[12] Ruth Zantow, »… das sind doch Verbrecher …«, S. 336f., in: Geschichtswerkstatt Berlin-Lichtenrade (Hrsg.), Direkt vor der Haustür. Berlin-Lichtenrade im Nationalsozialismus, Berlin 1990, S. 301–353; VVN-BdA (Hrsg.), Berliner Arbeiterwiderstand 1942–1945, Berlin 2009, S. 66 ff.

[13] Frank Hummeltenberg, Das »Ausländerkrankenhaus Mahlow« (1942–1945), in: Heimatjahrbuch Teltow-Fläming 2005, S. 45–53.

[14] Die Ausstellung lief unter dem Titel »’Viele starben, sehr viele. Das Ausländerkrankenhaus Mahlow 1942–1945«. Sie fand im Rahmen des Programms »Zeitensprünge« der Stiftung Demokratische Jugend statt.

[15] Manfred Stürzbecher, Krankengeschichten von Ausländern. Ein Bestand im Landesarchiv Berlin, S. 96f, in: Zwangsarbeit in Berlin 1938–1945 (siehe Anm. 2), S. 96–103. Die mit Abstand umfassendste Darstellung ist bislang: Bernhard Bremberger, Frank Hummeltenberg, Manfred Stürzbecher, Das »Ausländerkrankenhaus der Reichshauptstadt« in Mahlow, in: Andreas Frewer, Bernhard Bremberger, Günther Siedbürger (Hrsg.), Der Ausländereinsatz im Gesundheitswesen (1939–1945). Historische und ethische Probleme der NS-Medizin, Stuttgart 2009, S. 219–270.

[16] Das Areal ist unter Nr. 131.063 in die Landesdenkmalliste Brandenburg aufgenommen.

[17] Über den Rundweg, die weiteren Überlegungen sowie Veranstaltungen informiert die Homepage www.gedenkort-mahlow.de.