Ergebnis des Realisierungswettbewerbes

"Zentraler Gedenkort 'Station Z' mit Einbindung des 'Industriehofes' in der Gedenkstätte Sachsenhausen
12/1998Gedenkstättenrundbrief 86, S. 25-26
Günter Morsch

Die acht eingegangenen Entwürfe des Realisierungswettbewerbes »Station Z« beschreiten sehr unterschiedliche und zum Teil radikale Wege zeitgenössischer Gedenkstättenarchitektur und -gestaltung, so daß man sagen kann, daß das gesamte Spektrum der Möglichkeiten repräsentiert ist – vom Minimalismus über eine reine Bewahrung von Vorhandenem über eine vollkommene Neugestaltung bis hin zur monumentalen Überhöhung durch eine neue Mahnmalsarchitektur. Für diese Vielfalt auf hohem Niveau danke ich allen Teilnehmern des Wettbewerbes sehr herzlich.

Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten setzt bei der Sanierung der Gedenkstätte Sachsenhausen die Prioritäten eindeutig beim Schutz und Erhalt der Relikte des Konzentrationslagers, wie es eine Expertenkommission 1992 empfohlen hatte. Dieser Anspruch wird am überzeugendsten und konsequentesten im Entwurf des 1. Preisträgers, Prof. H.G. Merz, verwirklicht. Ich begrüße daher die Entscheidung des Preisgerichts, die uns mit ihrer Realisierungsempfehlung in die Lage versetzt, den eingeschlagenen Weg bei der Sanierung und Neugestaltung der Gedenkstätte konsequent fortzusetzen.

Die von der Stiftung und ihren Gremien entwickelte Konzeption sieht vor, den Schwerpunkt des Gedenkens von der Ritualisierung, wie sie bei der Mahnmalsgestaltung der DDR in den Vordergrund tritt, in das historische Zentrum des Konzentrationslagers zu verlagern, die Vernichtungsanlagen der »Station Z«, die im übrigen das nationalsozialistische Konzentrationslager am deutlichsten vom sowjetischen »Speziallager« unterscheiden. Mit dieser Akzentverschiebung geht eine inhaltliche Neubewertung der Geschichte des Konzentrationslagers einher: Im Mittelpunkt steht nicht mehr der kommunistische Widerstand, sondern das Spezifikum des NS-Terrorsystems, die gezielte Ermordung von bestimmten, als minderwertig definierten Menschen.

Das international und prominent besetzte Preisgericht, dem ich an dieser Stelle sehr herzlich für ihre außerordentlich engagierte Arbeit danke, hat mit seinem Votum noch einmal die Beschlüsse der Stiftungsgremien bestätigt, indem sie empfiehlt, die sog. Kreuzmauer, die den Appellplatz einfaßt, angesichts ihres desolaten Bauzustandes nicht zu rekonstruieren.

Statt dessen soll die in der Konzeption des Konzentrationslagers begründete Struktur totaler Herrschaft, wie sie in der Anordnung der Baracken zum Ausdruck kommt und die das Besonderes des »Musterlagers« Sachsenhausen ausmacht, für die Besucher wieder lesbar gemacht werden. Im preisgekrönten Entwurf von Prof. Merz wird die durch das Buchenwald-Kollektiv entworfene Landschaftsgestaltung, die an Kriegsgräberstätten angelehnt ist, zurückgenommen zugunsten eines Gesamteindrucks, der die Architektur gewordenen Strukturen des totalen Terrors der SS wieder freilegt und deren Perfidie veranschaulicht.

Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten strebt eine zügige Umsetzung des preisgekrönten Entwurfs an. Im nächsten Jahr werden wir mit den Sicherungsmaßnahmen an den authentischen Relikten beginnen; die Realisierung des Entwurfs soll im Jahre 2001 abgeschlossen werden.