Im Zugabteil vertraut sich eine Frau einem Wildfremden an: »Mein Mann spricht nachts im Schlaf... Der Vater meiner Kinder ist ein Mörder – wie kann ich ihn umarmen?«
Während sich die Ehefrauen um Haushalt und Nachwuchs kümmern, organisieren die SS-Männer die Judenvernichtung, arbeiten als KZ-Kommandanten oder als Ärzte, die sich mit der Auslese »unwerten Lebens« befassen.
Und die Frauen? Als Sonnenschein am heimischen Herd instrumentalisiert, übernahmen sie ihre Rolle mehr oder weniger freiwillig. Viele lebten während der NS-Zeit am Einsatzort ihrer Männer. Sie waren durch die täglichen Gespräche und halbprivaten Begegnungen in ihren Häusern über vieles informiert, was an nationalsozialistischer Vernichtungspolitik bereits veranlasst, bzw. als nächstes geplant war. In ihren Aufzeichnungen beschreiben sie ihren Alltag mit Repräsentationspflichten, Kindererziehung, Haushaltsorganisation; und sie unterstützten ihre Männer bei deren weiterer Karriereplanung. Wer waren diese Frauen?
Die drei Berliner Schauspielerinnen Inga Dietrich, Joanne Gläsel und Sabine Werner beleuchten in ihrer szenischen Lesung ein noch wenig erforschtes Kapitel der NS-Geschichte: Frauen als Täterinnen. Juristisch ohne Schuld. Worin genau bestand ihre Täterschaft?
Die Lesung nähert sich dieser Grauzone auf sensible Weise – mit exemplarischen Texten und minimalistisch inszenierten Arrangements. Die Lebenswege der einzelnen Frauen, ihre Sicht der Dinge im Nationalsozialismus und nach Kriegsende, sowie die Beschreibung der inneren Struktur der SS bilden die grundlegenden Elemente der Lesung.
Die Zuhörer verfolgen den Weg dieser scheinbar harmlosen Frauen, um am Ende mit ihnen in einer schönen Villa mit Blick aufs Krematorium zu landen. Erschreckend einfach und alltäglich erscheinen die Motive der Frauen, der Vernichtung so vieler Menschen zuzusehen: Liebe, Aufstiegsmöglichkeiten, ein schönes Haus, etwas mehr Geld – nichts, was nicht auch heute Menschen verführt.
Die Lesung, die im Auftrag der Gedenkstätte und Bildungsstätte »Haus der Wannsee-Konferenz« entstand, lehnt sich an Gudrun Schwarz' Untersuchung »Eine Frau an seiner Seite« an.
Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Berlin
Geschichtsort Villa ten Hompel, Münster
societaetstheater Dresden
4. Internationale Tagung zu Systemaufstellungen, Würzburg
Historisch-Technisches-Institut, Museum Peenemünde
Politt-Büro, Landeszentrale für Politische Bildung, Hamburg
Europäische Jugendbildungs- und -begegnungsstätte, Weimar
Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin
Sie können diese Lesung für Ihre Veranstaltung, Tagung o.ä. buchen.
Eine szenische Lesung »Die Frau an seiner Seite – Männerkarrieren, Tatnähe und ›weibliche‹ Verstrickungen im Nationalsozialismus« findet am 9. November 2006 um 19:30 Uhr im Kulturzentrum Moritzhof, Moritzplatz 1, in 39124 Magdeburg statt.
Kontakt
www.absolutartist.de (Veranstaltungen)
www.lpb.sachsen-anhalt.de
joanne.glaesel@web.de
Tel.: (0171) 4820250
Zusätzliche Informationen:
www.autako.de/die-frau-an-seiner-seite.html
Joanne Gläsel, Schauspielerin, spielt seit 1985 auf zahlreichen Bühnen, im ZDF und gastiert mit diversen Lesungen.