Dokumentation "Topographie des Terrors" bis zur Fertigstellung des Neubaus als Open-Air-Ausstellung auf dem Gelände zu besichtigen

02/1998Gedenkstättenrundbrief 81, S. 3-6
Thomas Lutz

Auf dem »Prinz-Albrecht-Gelände« im Zentrum Berlins befanden sich zwischen 1933 und 1945 die Zentralen der wichtigsten Überwachungs- und Verfolgungsapparate des NS-Regimes: das Geheime Staatspolizeiamt, die SS-Führung, der Sicherheitsdienst der SS und seit 1939 das Reichssicherheitshauptamt.

Durch Bombenangriffe und die Kämpfe in der Schlußphase der NS-Diktatur schwer beschädigt, wurden alle Gebäude, die auf dem Gelände an die NS-Verfolgung erinnerten, bis Mitte der fünfziger Jahre abgerissen.

Nachdem das Gelände planiert und gewerblich genutzt wurde, hat erst die Forderung von Bürgerinitiativen nach Erinnerung an den Ort seit Ende der siebziger Jahre dazu beigetragen, daß 1987 anläßlich der 750-Jahrfeier der Stadt Berlin die Dokumentation »Topographie des Terrors« auf dem Gelände in einem provisorischen Ausstellungsgebäude eingerichtet wurde.

Aufgrund des großen Interesses an der Darstellung der Geschichte der NS-Verfolgung an diesem authentischen Ort haben das Abgeordnetenhaus und der Senat von Berlin Anfang der neunziger Jahre entschieden, anstelle der provisorischen Ausstellung ein dauerhaftes Internationales Besucher- und Dokumentationszentrum mit Ausstellungshalle zu errichten, das von der in der Zwischenzeit gegründeten Stiftung Topographie des Terrors getragen werden wird.

Der Schweizer Architekt Peter Zumthor hat den internationalen Bauwettbewerb gewonnen und wird sein »Stabwerk« in voraussichtlich zwei Jahren verwirklicht haben. Er beschreibt die Aufgabe, die sein Bau erfüllen soll, wie folgt: »Der Entwurf [...] geht von der Vorstellung aus, für die Überreste der vom nationalsozialistischen Regime benutzten Bauten, für die Ausstellung der Dokumente des nationalsozialistischen Terrors und für die Menschen, die diesen Ort besuchen und an diesem Ort arbeiten, eine Gebäudehülle zu schaffen, die reine Struktur ist, die keine andere Sprache spricht als die ihres Baumaterials, ihrer Konstruktion und ihrer einmaligen Funktion: [...] Durch die doppelte Stab-/Glashülle geschützt, soll dieser Raum als Ganzes den Charakter einer Stätte der Besinnung aufweisen. Sein Klima ist temperiert, aber nicht warm. Man geht auf dem bloßen, historischen Boden, der mit Naturmaterial auf einfachste Weise befestigt ist. Man spürt den Geruch der Erde und die Schatten der Schutthügel an den Längswänden.«1

Der Museumsneubau wird in der Mitte des Geländes wie ein Riegel liegen und in das Gebäude werden im westlichen, an den Martin-Gropius-Bau angrenzenden Bereich die Kellerreste der Küchenbaracke und Kantine von SS und Gestapo eingehaust und als Ausstellungsteil genutzt werden. In diesem Bereich soll das Hausgefängnis der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße 8 Themenschwerpunkt sein.

In dem übrigen ebenerdigen Ausstellungsbereich wird die Geschichte der Terrorinstitutionen und deren Herrschaft in Deutschland und den während des Zweiten Weltkrieges besetzten Ländern dargestellt werden. Darüber hinaus ist ein Teilbereich für Wechselausstellungen eingeplant. Zunächst soll dort die in den verschiedenen von Deutschland besetzten Ländern praktizierte Herrschaft und Verfolgung thematisiert werden. Die Expositionen sollen jeweils in der Landessprache und in Deutsch verfaßt und als Wanderausstellungen konzipiert sein.

Ein Vertiefungsbereich mit Seminarräumen, Präsenzbibliothek, PC-Stationen für weitere Informationen, u.a. einer Enzyklopädie im ersten Obergeschoß sowie je eine Topographie zu für die Geschichte der NS-Verfolgung wichtigen Stätten in Berlin und in Europa, die auch im Foyerbereich abrufbar sein werden, sollen die Bildungsmöglichkeiten des Besucherzentrums ergänzen.

Nachdem im Sommer 1996 die archäologischen Sicherungen der Baustelle stattgefunden haben, sind in der Zwischenzeit die Baugrube ausgehoben und die Projektierung für die Errichtung des »Stabwerks« in vollem Gange. Die provisorische Ausstellungshalle mußte nach zehnjährigem Bestehen den Bauarbeiten für das neue Gebäude weichen. Die Ausstellung »Topographie des Terrors« wurde an den vor elf Jahren freigelegten Kellerfundamenten der Gebäude der Prinz-Albrecht-Straße 8 (Gestapo-Zentrale) und Prinz-Albrecht-Straße 9 (Reichsführung SS), heute Niederkirchnerstraße, montiert.

Dort wird sie in den nächsten beiden Jahren als Open-Air-Ausstellung für Besucher täglich von 10–18 Uhr (bzw. Einbruch der Dunkelheit) zu besichtigen sein. Information und Katalogverkauf sind in nahegelegenen Containern untergebracht. Ein Gruppenraum ermöglicht die Betreuung von Besuchergruppen auch bei schlechtem Wetter.

Besonders erfreulich ist, daß, gefördert von dem Zentralverband des Deutschen Bauhandwerk, Lehrlinge aus vielen Regionen der Bundesrepublik den Neubau zwischen August 1997 und April 1998 begleiten. Mehrere Lehrlingsgruppen haben auch mitgeholfen, die baulichen Voraussetzungen für die Verlegung der Dauerausstellung zu schaffen.

Information: Stiftung Topographie des Terrors, Dokumentationsbüro

Gabriele Jonelat

Stresemannstraße 110, 10963 Berlin

Telefon 030-25486703, Fax 030-2626227

1 Peter Zumthor: Stabwerk, Hg.: Stiftung Topographie des Terrors und Galerie Aedes, Berlin 1995, S. 10 u. 12.

Artikel als PDF verfügbar