Bereits seit geraumer Zeit beeinflusst die Entwicklung von Neuen Medien die historisch-politische Bildung. Lehr- und Lernprozesse verändern sich, eine Vielfalt an Möglichkeiten entsteht. Insbesondere für die Generation der Jugendlichen ist die Nutzung mobiler Endgeräte im Alltag unverzichtbar geworden, sei es zur Informationsbeschaffung, zur Kommunikation, zur Unterhaltung, zum Lernen oder auch zur Erkundung von Museen und Ausstellungen. Über das Anwendungsgebiet in Gedenkstätten ist auch im GedenkstättenRundbrief schon mehrmals berichtet worden, zuletzt mit dem Beitrag von Kristina Pavićević und Eric Sommer über Apps für Gedenkstätten im GedenkstättenRundbrief Nr. 178.
Wenngleich sich die schulische Bildung nur zögerlich für neue Wege öffnet, so entstanden in den vergangenen Jahren dennoch zahlreiche Projekte und Formate, die dieser Entwicklung Rechnung tragen und mobiles Lernen unter Beachtung medienpädagogischer Grundsätze in schulische und außerschulische Lernprozesse integrieren. Auch die diesbezügliche Forschung nimmt in den letzten Jahren an Fahrt auf. Stellvertretend seien hier das Pilotprojekt »App in die Geschichte«[1] sowie die Publikationen »Digital Past«. Geschichtslernen im digitalen Zeitalter«[2] und »Mobiles Lernen mit dem Handy«[3] genannt. Ein erstes Handbuch zur digitalen Geschichtsdidaktik im schulischen Kontext wird im nächsten Jahr erscheinen.[4] Der aktuelle Stand der Fachdiskussion zum Thema Geschichtslernen mit digitalen Medien kann unter anderem auch auf mehreren Blogs nachverfolgt werden.[5] Obwohl der Begriff »digitale Geschichtsdidaktik« in der Fachdidaktik noch umstritten und keinesfalls etabliert ist, werden Begriffe und Konzepte zum digitalen Geschichtslernen[6] und mobilen historischen Lernen zunehmend geläufiger. Der Begriff der »Digitalen Geschichtsdidaktik« schließt bereits den Bereich der Erinnerungskultur mit ein: »Digitale Geschichtsdidaktik ist ein integraler Bestandteil der Geschichtsdidaktik und beschäftigt sich mit den Bedingungen und Auswirkungen des digitalen Wandels auf das Geschichtsbewusstsein, historisches Lernen, Geschichts- und Erinnerungskultur.«[7]
Die gewählte Begriffsbreite erscheint schlüssig, denn der digitale Wandel hat unbestreitbar auch Folgen für die Erinnerungskultur in Deutschland und die pädagogische Arbeit an den Gedenkstätten. Die sich durch die sozialen Medien ergebenden Chancen werden seitens der Gedenkstätten kontrovers diskutiert und mündeten bereits in ersten sichtbaren Angeboten.
Ein kleiner, aber sichtbarer Teil dieser Entwicklung ist die zunehmende Aktivität der Gedenkstätten im Internet nicht nur mittels Homepages, sondern auch in sozialen Netzwerken, hier können beispielsweise die Gedenkstätte Auschwitz, das Max-Mannheimer-Studienzentrum Dachau oder das Anne-Frank-Zentrum in Berlin angeführt werden. Auch Mitarbeitende von Gedenkorten oder Geschichtsdidaktiker sind im Netz mit eigenem Profil präsent. Parallel dazu werden seitens verschiedener Anbieter politisch-historischer Bildung immer mehr pädagogische Materialien (etwa Arbeitsblätter oder auch ganze Unterrichtsentwürfe und Arbeitshefte) als sogenannte »open educational resources« (OER)[8] online bereitgestellt sowie parallel auch neue Fortbildungsformate, sogenannte Webinare[9], angeboten. Beispielhaft sei hier die Web-App zur Vorbereitung des Gedenkstättenbesuchs mit Schulklassen der KZ-Gedenkstätte Neuengamme angeführt, die die betreuenden Lehrkräfte bereits im Vorfeld mit einer Vielzahl an Informationen und Materialien versorgt[10]. Eine weitere App zum Lagergelände und zu den Ausstellungen ergänzt das Angebot. Erste OER-Portale sind veröffentlicht und weitere sind in den Startlöchern. Ein erster Bund-Länder-Bericht von Kultusministerkonferenz und Bundesforschungsministerium zu OER ist kürzlich erschienen.
Das größte Potenzial zur Nutzung Neuer Medien besteht jedoch beim Gedenkstättenbesuch selbst, unabhängig davon, ob Gelände und Ausstellungen alleine oder in Begleitung von Pädagogen erkundet werden. Hier ist zwischen verschiedenen Dimensionen zu unterscheiden, die jedoch erhebliche Überschneidungspunkte aufweisen.
Zunächst ist die Dimension der Orientierung zu nennen. Während bei Geländeplänen, Tafeln und auch herkömmlichen Audioguides bisher über Nummern, Farben, Pfeile oder Ähnliches navigiert wurde, besteht bei Applikationen für Smartphones oder Tablets ebenso wie bei Multimedia-Guides die Möglichkeit, via GPS oder W-LAN zu navigieren und eine Information bzw. ein Exponat mit einer Position oder Wegführung zu verbinden und falls gewünscht, mehrere Positionen zu einem Rundgang zu verbinden. Historische Fotos, Ereignisse oder Erzählungen können auf diese Weise im Gelände verortet werden, ein Vergleich zwischen Vergangenheit und Gegenwart kann zum Beispiel durch Überblendung von Fotos erfolgen.
Des Weiteren wird die Dimension der Information angeführt. Durch die Nutzung elektronischer Medien können Informationen in großem Umfang auf sehr geringem Platz gespeichert werden. Während die Übersetzung einer Ausstellung in eine Fremdsprache erheblichen Platz benötigt, können mittels einer elektronischen Anwendung dieselben Inhalte problemlos für verschiedene Fremdsprachen, Bildungsgrade und Altersstufen bereitgestellt werden. Größere Quellenbestände und Datenbanken können zum Beispiel via Touch-Terminals auf engem Raum zugänglich gemacht werden. Im Freigelände können dezent angebrachte »Quick Response«-QR-Codes bestehende Infosysteme ergänzen. Insbesondere für Individualbesucherinnen und -besucher bietet sich hier ein Mehrwert gegenüber bisher bestehenden Informationsangeboten.
Auf der Ebene der Vermittlung in geführten Kontexten können multimediale Lernanwendungen die Arbeit des pädagogischen Fachpersonals unterstützen, jedoch keinesfalls ersetzen. Hier soll es nicht darum gehen, Altbewährtes gegen Neues auszutauschen oder gegeneinander auszuspielen. Vielmehr bietet sich die Chance, verschiedene bereits eingeführte Formate und Methoden weiterhin anzuwenden, jedoch die Vorteile der neuen technischen Möglichkeiten anlassbezogen mit einzubinden, um Verbesserungen zu erreichen. Synergien zwischen »alten« und »neuen« Medien ergeben sich unter anderem in den Bereichen Erkundung, Analyse und Präsentation. Nicht zuletzt können auch die Pädagoginnen und Pädagogen bei ihrer alltäglichen Arbeit von der Nutzung profitieren, zum Beispiel durch Mitführen eines Tablets beim Geländerundgang. Der mobile elektronische Zugriff auf Quellen jeglicher Art erspart nicht nur das Mitführen von Folienmappen und Ähnlichem, sondern ermöglicht auch spontane Variation im angedachten pädagogischen Programm, das schnelle Nachschlagen von Biografien und Definitionen und vieles mehr.
Durch die Bereitstellung digitaler Anwendungen wird das Ziel der bestmöglichen Integration verschiedener Besuchergruppen in der Gedenkstätte unterstützt. Informationen können in verschiedenen Formaten bereitgestellt werden (ein Zeitzeugeninterview zum Beispiel als Text-, Audio- und Video-Datei), Lautstärken, Schrift- und Bildgrößen sowie Komplexität der Inhalte lassen sich individuell auswählen, die Orientierung vor Ort wird erleichtert.
Auch die Dimension der Organisation sollte nicht vernachlässigt werden. Viele Gedenkorte verfügen nicht über die notwendigen Personalressourcen, um Verleih und Wartung eines Audioguide-Systems zu übernehmen. Wird für Besucherinnen und Besucher jedoch eine App für ihr eigenes mobiles Endgerät bereitgestellt, entfällt die Notwendigkeit, ein eigenes Hardwaresystem zu unterhalten. Darüber hinaus bietet eine App den Vorteil, dass Inhalte oder ganze Module jederzeit vom Computer aus ergänzt und verändert werden können, was sich bei traditionellen Ausstellungen oder Infosystemen oftmals aufwendig gestaltet.
Zum Schluss soll auch der Aspekt der Evaluation beleuchtet werden. Falls seitens der Institution gewünscht, können Download- und Zugriffszahlen, unter Umständen auch Verweildauern dokumentiert und ausgewertet werden. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse können zum Beispiel bei der Neukonzeption von Inhalten und Hinführungen hilfreich sein.
Dennoch besteht weitestgehend Konsens, dass die verstärkte Nutzung Neuer Medien nicht dazu führen darf, dass bestehende konventionelle Angebote abgebaut werden. Vielmehr sollte den Besucherinnen und Besuchern die größtmögliche Auswahl an Erkundungsmöglichkeiten geboten werden.
Trotz der unbestreitbaren Vorteile und der zahllosen Möglichkeiten bei der Nutzung mobiler Lernanwendungen wird der Aufwand für einen eigenen Multimedia-Guide bzw. eine App-Lösung, die didaktische Elemente oder gar Augmented-Reality-Anwendungen integriert, auch künftig nur für große Museen und Gedenkstätten finanzierbar und umsetzbar sein. Während die größeren Gedenkstätten bereits über erste Apps verfügen oder aktuell solche erarbeiten (so unter anderem die Web-App der Gedenkstätte Neuengamme oder die Tabletanwendung zur Orientierung im Lagergelände Bergen-Belsen), verfügt die Vielzahl an mittleren und kleineren Lernorten, die zum Teil von ehrenamtlichem Personal betrieben werden, weder personell noch finanziell über die notwendigen Ressourcen, ein solches System zu konzipieren und dauerhaft zu unterhalten.
Dennoch erachten wir es für wichtig, auch an diesen Lernorten Möglichkeiten der Nutzung digitaler Medien und mobilen Lernens zu eröffnen. Zu bedenken ist hierbei, dass bei aller Heterogenität der Gedenkstättenlandschaft in Bezug auf die Neuen Medien oftmals ähnliche Wünsche bestehen, beziehungsweise auf technischer Ebene gleiche Leistungen zu erbringen sind. Während die großen Gedenkorte aufgrund ihrer zahlreichen Spezifika bezüglich Gebäuden, Gelände, Ausstellungen und Besucherstruktur eher auf Individuallösungen setzen und finanziell wie personell über mehr Ressourcen verfügen, könnten für die kleineren Gedenkorte auf einfacherem Level zunächst problemlos gemeinschaftlich finanzierte identische Module zur Anwendung kommen, die mit überschaubarem Aufwand ortsspezifisch angepasst werden können. Bei maximaler Ausnutzung möglicher Synergieeffekte reduzieren sich die Kosten für den einzelnen Gedenkort deutlich.
Nicht nur aus Kostengründen bietet sich eine Zusammenarbeit mehrerer Gedenkorte bei diesem Thema in besonderem Maße an. Ein gemeinsames App-Projekt auf Open-Source-Basis führt dazu, dass alle beteiligten Gedenkorte ihre Kompetenzen, Erfahrungen und Ideen in den Entwicklungsprozess einbringen können. Alle Gedenkstätten, die das entstehende System nutzen, arbeiten mit identischem Editor, besuchen identische Schulungsveranstaltungen und nutzen Hosting- und Supportdienstleistungen gemeinschaftlich. Zusammen sichern sie die kontinuierliche Weiterentwicklung des Systems und profitieren wechselseitig von Investitionen der anderen Partner.
Nachdem sich diese Idee, die im Laufe des letzten Jahres in zahlreichen Gesprächen entstand, konkretisierte, fand am 11. und 12. 11. 2014 in Mainz ein interdisziplinärer Workshop des ThinkTanks mobiles historisches Lernen[11] statt, der dazu dienen sollte, Bedürfnisse und Möglichkeiten zu eruieren, Synergien zu entdecken und den weiteren Weg hin zu einer gemeinsamen App-Entwicklung abzustecken. Auf Einladung des ThinkTanks mobiles historisches Lernen nahmen u.a. Vertreterinnen und Vertreter der Gedenkstättenreferate der Landeszentralen aus Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen sowie weitere Expertinnen und Experten, die mobile Lernanwendungen bereits nutzen und zum Teil auch selbst mitentwickelt haben, an dem Workshop teil.
Dabei standen zunächst einmal vor allem technische Fragen im Mittelpunkt: Welche technischen Anforderungen und Tücken stecken in der Entwicklung von Open-Source-Editoren? Welche Standards gibt es, und welche müssen noch entwickelt werden? Wie können Module kompatibel programmiert werden? An welche bestehenden Konzepte ließe sich anknüpfen? Gibt es derzeit schon Open-Source-Konzepte und Netzwerke von Programmierern, die sich auf einen gemeinsamen Programmierstandard und definierte Schnittstellen (APIs, »application programming interface«, wörtlich »Anwendungsprogrammierschnittstelle«) für die Programmierung von mobilen Anwendungen einigen.
In mehreren Arbeitsgruppen und Diskussionsrunden konkretisierte sich durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit des Expertenkreises schrittweise ein grobes Konzept, welches sich derzeit im Stadium der detaillierten Ausarbeitung befindet. Im Detail befassten sich die Kleingruppen sowohl mit organisatorischen, strukturellen und finanziellen, als auch mit technischen, inhaltlichen sowie didaktischen Fragestellungen.
Aktuell wird an einem Prototyp gearbeitet, um konkret an Beispielen die technischen, aber auch pädagogisch-didaktischen Fragen durchzuarbeiten. Es wird angestrebt, noch im kommenden Jahr eine vereinfachte Testversion an zwei verschiedenen Gedenkorten im Südwesten Deutschlands zu präsentieren, um sowohl die Leistung des Editors als auch die Funktionalität verschiedener Module erproben zu können.
Ziel ist es, die Programmierung bzw. Überarbeitung und Anpassung eines möglichst einfach gehaltenen Editors zu beauftragen, welcher so angelegt werden soll, dass sämtliche beteiligten Institutionen auf demselben redaktionellen Standard arbeiten können und keine allzu großen Content Management System (CMS-) Kenntnisse für die redaktionellen Userinnen und User des Systems vorausgesetzt werden. Darüber hinaus werden zunächst einige Grundmodule entwickelt, die für zahlreiche Gedenkorte von Belang sind (zum Beispiel ein geführter Rundgang mit Quelleneinbindung, Glossar, Kartentools, Datenbanken, Besuchernavigation). Hierbei soll geprüft werden, ob bereits getätigte Vorentwicklungen verschiedener Initiativen und Projekte integriert werden können. Die Grundidee ist es, bestehende Projekte, die bereit sind, ihren Quellcode freizugeben und auf der Basis der Idee von Open Source zu arbeiten, zu identifizieren, einzubinden und mit diesen zusammenzuarbeiten. Die Kosten für Anpassung und Implementierung vor Ort tragen die beteiligten Gedenkorte. Nach Abschluss der Testphase wird das System auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse weiterentwickelt und durch weitere Module ergänzt. Von vornherein soll die Vermittlung, das heißt die digitale Geschichtsdidaktik, mitgedacht werden.
In einem zweiten Schritt ist angedacht, das System für weitere interessierte Gedenkorte in Deutschland zu öffnen, um möglichst vielen Institutionen eine kostengünstige Beteiligung am Portal zu ermöglichen. Durch deren Beteiligung könnte der Pool an Modulen nochmals erweitert und die laufenden Kosten auf möglichst zahlreiche Schultern verteilt werden.
Die Nutzenden erstellen selbst mobile ortsbasierte Rundgänge, die soweit sie im Freien angelegt sind, per GPS lokalisiert werden, im Inneren von Gebäuden zum Beispiel über Quick-Response Codes (QR-Codes) oder Near Field Communication (NFC) geführt werden. Dazu werden mediale Inhalte (Filme, Fotos, Audioaufnahmen etc.) und interaktive Elemente (Rätsel, Aufgaben, Bewertungen etc.) verknüpft und zu Narrationen verbunden. Die Autoren kreieren und definieren den Ablauf der Stories. Die Anbieter sind dadurch in der Lage, eigenständige Projekte zur Sichtbarmachung von Geschichte, zur Verortung politischer Informationen oder zur Erstellung von Touren und Führungen zu erstellen. Durch die Kooperation mit einem interdisziplinären, länderübergreifenden Team (von Geschichts- und Geografiedidaktikern, Medienpädagogen und Informatikern) wird der Grundstein des partizipativen und mobilen Lernens gelegt.
Vor allem durch die Verbreitung von mobilen Endgeräten und den zunehmenden Anteil von Smartphones lassen sich nicht nur zu fast allen Themen Informationen abrufen, sondern dies auch zunehmend unabhängig von Ort und Zeit. Man muss also davon ausgehen, dass auch die medialen Bildungsangebote für mobile Endgeräte zunehmen, sich schnell verbreiten und weiterentwickeln werden.
Noch gibt es zahlreiche technische Fragen, die bei der Entwicklung berücksichtigt werden müssen. Neben technischen Fragen, welche die Entwicklung mobiler Lernanwendungen begleiten, geht es gleichzeitig um Fragen der Didaktik. Das mobile Internet bietet enormes Potenzial für neue Wege des Geschichtslernens vor Ort. Sie kann Schülerinnen und Schüler aktivieren und motivieren. Es ermöglicht Recherchen und Exkursion vor Ort, die von den Fragen der Jugendlichen ausgehen. Es hilft zu erkennen, wie Geschichte erzählt wird und welches Geschichtsbild politisch vermittelt wird. Es unterstützt, Denkmäler zu lesen, Geschichte zu dekonstruieren, Geschichte zu kontextualisieren und zu hinterfragen. Dennoch bleibt die Frage: Was heißt eigentlich digitales historisches Lernen? Diese Kernfrage stellt sich unabhängig vom Medium, da sich die Medien in rascher Geschwindigkeit weiterentwickeln; was heute Interaktives Whiteboard und Tablet sind, kann in ein paar Jahren ein anderes Endgerät sein. Daher muss die digitale Geschichtsdidaktik geräteunabhängig gedacht werden und grundsätzlich von der Frage ausgehen, was digitales mobiles oder historisches Lernen bedeutet.
Digitales historisches Lernen kann außerdem nicht dabei enden, Quizfragen zu historischen Fragen zu lösen und die höchste Punktzahl in einem Ranking zu erreichen. Dies fördert zwar die Motivation und Partizipation von Jugendlichen, aber dies entspräche dem Prinzip »Lernen Web 1.0«. Doch wie niedrigschwellig kann man Geschichte vermitteln? Welche Wege führen vom Empfinden, vom Einfühlen in die Opfer und von den sinnlichen Eindrücken zum Begreifen und Verständnis historischer Ereignisse und Zusammenhänge? Wie kann Multiperspektivität dargestellt werden? Und was heißt Multiperspektivität im Einzelnen: Wie werden Perspektiven ausgewählt?
Hier stehen wir noch am Anfang. Erste Versuche, Ansätze und Projekte sind entstanden und diese werden kontinuierlich weiterentwickelt. Die Entwicklung gerade der Social Media im Netz schreitet rasch voran, gleichzeitig steht die Entwicklung von entsprechenden Bildungskonzepten noch am Anfang. Der sich in Arbeit befindliche Prototyp des App-Portals ist ein Schritt in diese Richtung. Ziel ist es, Aktive und Interessierte aus dem Feld digitales Lernen zu vernetzen und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern.
Hanna Huhtasaari ist Referentin für den Bereich »Erinnerungskultur und Gedenkstätten« bei der Bundeszentrale für politische Bildung und Mitglied des ThinkTanks mobiles historisches Lernen.
Fabian Müller war bis 2015 pädagogischer Mitarbeiter der Gedenkstätte KZ Osthofen und ist seit 1. 8. 2015 Referendar für das Lehramt an Gymnasien am Studienseminar Kaiserslautern.
[1] app-in-die-geschichte.de (Abruf 22. 2. 2015).
[2] Haber, Peter: Digital Past. Geschichtslernen im digitalen Zeitalter, München, Oldenbourg, 2011.
[3] Friedrich, Katja; Bachmair, Ben; Risch, Maren (Hrsg.): Mobiles Lernen mit dem Handy – Herausforderung und Chance für den Unterricht, Weinheim und Basel, Beltz, 2011.
[4] weitere Beispiele z.B., Geschichte lernen Nr. 159/160 Historisches Lernen mit digitalen Medien 2014.
[5] z.B. geschichtsunterricht.wordpress.com (Abruf 22. 2. 2015).
[6] Vgl. hierzu unter anderem: Daniel Bernsen/Alexander König, »Mobile learning in history education«, in: JEMMS 6.1/2014, S. 107–123.
[7] aus: Bernsen, Daniel; König, Alexander; Spahn, Thomas: Medien und historisches Lernen: Eine Verhältnisbestimmung und ein Plädoyer für eine digitale Geschichtsdidaktik, in: Zeitschrift für digitale Geschichtsdidaktik 1/2012, S. 16.
[8] weitere Infos zu diesem von der UNESCO geprägten Begriff finden sich hier: www.unesco.de/open_educational_resources (Abruf 24. 2. 2015).
[9] siehe u.a. Marzinka, Birgit: Webinare für die historisch-politische Bildung, online unter lernen-aus-der-geschichte.de/Lernen-und-Lehren/content/12157 (Abruf 24. 2. 2015)
[10] www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de/vorbereitung (Abruf 24. 2. 2015)
[11] Der ThinkTank mobiles historisches Lernen ist als Fortführung der internationalen Konferenz zum Thema Erinnerungskulturen online mit dem Titel »digital memory on the net« 14.–16. 4. 2011 in Berlin gegründet worden. Ziel dieses Netzwerks ist es, Experten und Praktiker zusammenführen, die sich in Arbeit befindenden Projekte im Hinblick auf das mobile Lernen zu analysieren und diskutieren. Dies soll vor allem interdisziplinär geschehen, sodass Geschichtsdidaktiker, Lehrende, Medienwissenschaftler- und Medienpädagogen, Programmierer und historisch-politische Bildner zusammenkommen.