Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis entstand 1998 auf Initiative der Evangelischen Medienzentrale Bayern, des Kirchlichen Entwicklungsdienstes Bayern, der Missionszentrale der Franziskaner und des Nürnberger Menschenrechtszentrums als erster und bislang einziger deutscher Filmpreis zum Thema Menschenrechte. Er wird seither alle zwei Jahre um den Tag der Menschenrechte (10. Dezember) festlich in Nürnberg vergeben. In dieser »Nacht des Menschenrechtsfilms« kann das Publikum auch direkt mit den Preisträgern ins Gespräch kommen. Die »Nacht des Menschenrechtsfilms« zieht über 500 Besucher/innen an.
Seit Beginn richtet sich der Wettbewerb gleichermaßen an Profi- und Amateurfilmer. So stieg die Zahl der eingesandten Filme seit 1998 auf 121 bei den Profis und 45 bei den Amateuren im Jahr 2002. Erheblich gewachsen ist auch der Veranstalterkreis, zu dessen derzeit 15 Mitgliedern heute neben den Gründern z. B. auch Amnesty International, die deutsche UNESCO-Kommission oder das Deutsche Institut für Menschenrechte gehören.
Die Zielsetzung des Preises
Am 10. Dezember, dem Jahrestag der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen, gibt es jedes Jahr zahlreiche Absichtserklärungen, die viel zu oft verhallen. Doch die Menschenrechte und ihre grundlegenden Normen sind auch heute weltweit gefährdet. Diskussionen um das Folterverbot, das Menschenrecht auf Asyl oder das Recht auf Nahrung zeigen, dass dies selbst für demokratische Gesellschaften gilt. In Zeiten globaler Krisen und Terrorismusbekämpfung muss die Zivilgesellschaft die Regierungen an ihre Verpflichtungen zum Schutz der Menschenrechte erinnern und auf ihrer Respektierung bestehen.
Den Medien kommt dabei eine wichtige Kontroll-, Bildungs- und Informationsfunktion zu. Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis setzt an dieser Schlüsselfunktion der Medien für unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit an. Er will die Menschenrechte ins Zentrum von Öffentlichkeit und Politik rücken, dort wo ihr Platz als «Leitkultur» menschlichen Daseins ist. Er will die Macht der Bilder zugunsten der Menschenrechte sprechen lassen.
Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis soll breitere Kreise der Öffentlichkeit erreichen. Was Menschenrechte für uns und für die Institutionen bedeuten, die unser Handeln prägen – Wirtschaft, Polizei, Militär, Schule, aber auch Kirche und Justiz – muss immer wieder neu in diesen Feldern eingeübt und erprobt werden. Menschenrechtserziehung im umfassenden Sinn ist notwendig und ein dauerhafter Auftrag, der sich jeder Generation und Epoche neu stellt, wenn wir wollen, dass die Menschenrechte unser Zusammenleben und Handeln prägen. Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis ist deshalb ein wichtiger Beitrag zur Menschenrechtsbildung in Deutschland. Dabei werden mehrere Zielgruppen angesprochen:
• Das Medium Film/Video ist in besonderer Weise geeignet, Personen zu erreichen, die sich als Teil einer modernen Medien- und Freizeitkultur verstehen. In einer interessanten »Verpackung« sollen Themen vermittelt werden, die sonst nur in Politiksendungen mit niedrigen Einschaltquoten behandelt werden.
• Engagierte FilmemacherInnen widmen sich seit Jahren dem Thema Menschenrechte. In den Fernsehanstalten der großen Sender werden diese Beiträge aber oft zu unattraktiven Tageszeiten gesendet. Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis soll einer Aufwertung der momentan vorhandenen Beiträge zu diesem Thema in den Medienanstalten dienen.
Nach einer Auswertung der Filme kommt es zu Empfehlungen, die allen Medienzentralen und Filmeinrichtungen eine Hilfe sein sollen, menschenrechtsbezogene Filme für ihr Programm auszuwählen. Der Wettbewerb gibt daher wichtige Impulse für die schulische wie außerschulische menschenrechtliche und entwicklungsbezogene Bildungsarbeit, für die didaktisches Material bereit gestellt wird.
• Die dritte Zielgruppe des Wettbewerbes sind die FilmemacherInnen selbst. Durch den Preis und das öffentliche Renommee des Menschenrechtspreises sollen Profis und Amateure ermutigt und angeregt werden, sich verstärkt dem Thema Menschenrechte zu widmen.
• Eine besondere Zielgruppe sind Jugendliche. Im Rahmen des Wettbewerbs wird jugendlichen FilmemacherInnen eine medienpädagogische Unterstützung angeboten. Durch die praktische Medienarbeit sollen Jugendliche für den Medienkonsum sensibilisiert werden. Aktiver Umgang mit dem Medium Film in Kombination mit bestimmten fundamentalen Problemen stärkt den kritischen Umgang mit den multimedialen Neuerungen, denen Jugendliche ausgesetzt sind.
• In Verbindung mit der Preisverleihung zum Deutschen Menschenrechts-Filmpreis wird ein schwieriges Thema so aufgearbeitet, dass eine breite Öffentlichkeit angesprochen werden kann. Mit der Einrichtung des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises wollen die Veranstalter die Auseinandersetzung von Politikern, Medienschaffenden und Multiplikatoren mit Menschenrechtsthemen erreichen.
Menschenrechte und Erinnerungsarbeit
Menschenrechtsarbeit zielt in erster Linie auf die Hilfe und den Schutz von Opfern von Menschenrechtsverletzung heute und die Verhinderung von Menschenrechtsverletzungen in der Zukunft. Doch begangene Menschenrechtsverletzungen sind immer vergangene Menschenrechtsverletzungen. Menschenrechtler haben gelernt, dass die Wurzeln heutiger Menschenrechtsverletzungen oft genug in nicht bearbeiteten Problemen der Vergangenheit liegen. Die Verhinderung von Straflosigkeit für schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist daher ein zentrales Anliegen von Menschenrechtsarbeit geworden, das Recht auf Wahrheit und Gerechtigkeit ist selbst ein Menschenrecht.
Auch die Veranstalter des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises sind daher interessiert, dass die Arbeit der Erinnerungsstätten und Gedächtnisorte bei den Einsendungen zum Filmpreis deutlich sichtbar vertreten ist. In zahlreichen Gedenkstätten findet ja inzwischen eine Hinwendung zu gegenwartsbezogenen Fragestellungen statt, wird Erinnerungsarbeit zur Schärfung der Sinne für eine kritische Wahrnehmung unserer heutigen Welt genutzt.
Die Veranstalter des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises freuen sich daher, wenn die MitarbeiterInnen und BesucherInnen der Gedenkstätten sich an dem Wettbewerb beteiligen. Teilnahmebedingungen und weitere Informationen
• www.menschenrechts-filmpreis.de
• Evangelisches Medienzentrale Bayern, Tel. (0911) 430 42 11, Fax (0911) 430 42 14