Das Stalag X B Sandbostel. Geschichte und Nachgeschichte eines Kriegsgefangenenlagers

Gedenkstätte Lager Sandbostel 
mit neuer Dauerausstellung eröffnet
09/2013Gedenkstättenrundbrief 171, S. 19-31
Andreas Ehresmann

Im Beisein mehrerer Überlebender und zahlreicher Angehöriger wurde am 29. April 2013, dem 68. Jahrestag der Befreiung des Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlagers X B Sandbostel, die Gedenkstätte Lager Sandbostel in Anwesenheit des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsminister Bernd Neumann, des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil und der niedersächsischen Kultusministerin Frauke Heiligenstadt eröffnet.

Seit 2007 wurde die Gedenkstätte zwar schon provisorisch in einem angemieteten Gebäude auf dem ehemaligen Lagergelände betrieben, nunmehr konnten der Öffentlichkeit aber sieben ehemalige Lagergebäude, zwei umgebaute Ausstellungsgebäude und auf insgesamt 450 qm eine neue Dauerausstellung zur Geschichte und Nachgeschichte des Stalag X B übergeben werden. Die historischen Gebäude wurden behutsam unter der Leitung der Architekten Jens Wilke und Karsten Peper aus Horneburg saniert. Die Ausstellung wurde vom Berliner Büro »raumkollektiv« gestaltet.

Der Eröffnung vorausgegangen war ein jahrzehntelanges mühevolles Ringen um das Erinnern am historischen »Ort der Tat« – zunächst von Einzelpersonen, später vor allem durch einen lokalen Geschichtsverein.

Geschichte und Nachgeschichte des Kriegsgefangenenlagers Sandbostel

Das in der militärischen Kurzform »Stalag« genannte Kriegsgefangenen-Mannschafts-Stammlager X B wurde ab August 1939 zunächst als zentrales, später als eines von vier Kriegsgefangenenlagern im Wehrkreis X (Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und nördliches Niedersachsen) nahe des niedersächsischen Dorfes Sandbostel errichtet.[1]

Das Lager war anfangs zur Unterbringung von 10 000 Kriegsgefangenen vorgesehen; schließlich wurden auf einem 35 ha großen Areal aber nur 32 an einer zentralen Lagerstraße gelegene steinerne Baracken für 7 500 Kriegsgefangene aufgebaut.[2] In Vorbereitung des Überfalls auf Frankreich, Belgien, die Niederlande und Luxemburg wurde ab 1940 die Aufnahmekapazität durch zusätzlich aufgestellte Holzbaracken dann auf 30 000 Kriegsgefangene erhöht. Insgesamt durchliefen von 1939 bis 1945 insgesamt mindestens 313 000 Kriegsgefangene, Zivil- und Militärinternierte das Lager.

Nach dem Überfall auf die Sowjetunion und der Ankunft der ersten sowjetischen Kriegsgefangenen im Oktober 1941 wandelte sich nicht nur die Belegungsstärke, sondern auch der Charakter des Stalag X B.[3] Während bei nicht-sowjetischen Kriegsgefangenen zwar immer wieder gegen das Kriegsvölkerrecht verstoßen wurde, es aber im Prinzip zur Anwendung kam, wurde dieses bei sowjetischen Kriegsgefangenen explizit missachtet. Insbesondere im Winter 1941/42 starben Tausende sowjetische Kriegsgefangene an Krankheiten und körperlicher Erschöpfung. Die Toten wurden in Massengräbern bestattet. Die genaue Zahl ist bis heute ungeklärt.[4]

Zudem wurden ab April 1945 in einem kurz zuvor geräumten Lagerteil etwa 9500 Häftlinge aus dem KZ Neuengamme und aus dessen Außenlagern in Hamburg, Bremen, Meppen und Wilhelmshaven untergebracht, die mit Räumungstransporten in das Kriegsgefangenenlager gelangten. Die KZ-Häftlinge wurden weitgehend sich selbst überlassen. Etwa 3000 von ihnen starben auf dem Weg nach Sandbostel, im Lager und in den Tagen nach der Befreiung an körperlicher Erschöpfung, Hunger und durch Erschießen.

Als die britische Armee am 29. April 1945 das Stalag X B befreite, fanden die Soldaten insbesondere im Lagerteil, in dem die KZ-Häftlinge untergebracht waren, katastrophale Zustände vor. Überall lagen unbestattete Leichname, und die Überlebenden irrten, wenn sie noch gehen konnten, ausgezehrt und entkräftet umher. In einem Eintrag in das War Diary des 205 Military Government Detachment beschreibt Major H. Stoddard, nachdem er das Stalag X B erstmals betreten hatte, die Situation als »infact a BELSON [sic!] in miniature«.[5]

Nach der medizinischen Nothilfe durch die britische Armee und der Repatriierun der befreiten Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge wurde das Lagerareal kontinuierlich nachgenutzt: anfangs als britisches Internierungslager CIC No. 2 für Angehörige der Waffen-SS (1945–1948), folgend durch die niedersächsische Justiz als »Strafgefängnis Lager Sandbostel« (1948–1952), anschließend als Notaufnahmelager für jugendliche männliche Flüchtlinge aus der DDR (1952–1960) und schließlich als Materialdepot der Bundeswehr (1963–1973).[6]

In der deutschen Bevölkerung rund um Sandbostel fand ein bewusst herbeigeführter Verdrängungsprozess statt. Befördert wurde dieser durch die widerspruchslose jahrzehntelange Nachnutzung des geschichtsträchtigen Geländes durch »übergeordnete« Instanzen wie der britischen Armee, dem niedersächsischen Justizministerium, dem Bundesvertriebenen- und dem Bundesverteidigungsministerium. Die bereits früh einsetzende memoriale Nutzung des ehemaligen Lagerfriedhofs als »Kriegsgräberstätte Sandbostel« überlagerte die Bedeutung des einstigen Lagerstandorts und damit die moralisch-ethische Verantwortung für diesen Ort, an dem Tausende Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge gestorben waren.[7] Fern jeder Bedenken wurde das Gelände 1974 schließlich privatisiert, an verschiedene lokale Gewerbetreibende verkauft und zum »Gewerbegebiet Immenhain« deklariert.

In den Jahren der Nachnutzungen ist das einst 35 ha große Lagergelände immer kleiner geworden. Von den über 150 Unterkunfts- und Funktionsbaracken wurden einige von der britischen Armee gleich nach der Befreiung zum Schutz vor Seuchen niedergebrannt, andere Baracken wurden an die umgebenden Dörfer zur Unterbringung von Flüchtlingen verkauft. Einige der Gebäude wurden an Ort und Stelle weiter genutzt, andere abgerissen oder dem Verfall preisgegeben, neue Gebäude wurden errichtet und freie Flächen landwirtschaftlich genutzt. Das ehemalige Lager wurde zu einem »verlorenen Milieu«.

Geschichtsdebatten: Das Ringen um eine Gedenkstätte. Der Verein Dokumentationsund
Gedenkstätte Sandbostel e.V. und die Gründung der Stiftung Lager Sandbostel

Erst Ende der 1970er Jahre begannen engagierte Einzelpersonen, sich für die Geschichte des historischen Ortes zu interessieren. Den Aktiven ging es dabei vor allem um das Schicksal der in Sandbostel zu Tausenden gestorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge. Die grundlegende Forderung war die Einrichtung einer Gedenkstätte am »Ort der Tat«. Vor Ort stießen sie dabei jahrzehntelang auf vehemente Ablehnung.

Nach mehr als zehn Jahren Forschung wurde 1991 von den beiden Lehrern Werner Borgsen und Klaus Volland mit dem Buch »Stalag X B Sandbostel. Zur Geschichte eines Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers in Norddeutschland 1939–1945«[8] die erste Monografie überhaupt zu einem Kriegsgefangenenlager veröffentlicht. Ein Jahr später gründeten sie mit einigen Mitstreiterinnen und Mitstreitern den Verein Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel e.V. Anfang 1994 eröffnete der Verein eine Wanderausstellung zur Geschichte des Stalag X B Sandbostel. Allein in diesem Jahr wurde die Wanderausstellung an 13 Orten gezeigt. Da es nach wie vor keinen Zugriff auf den historischen Ort gab, wurde Anfang 1998 die erste Dokumentationsstätte in einer Privatwohnung im etwa zehn Kilometer entfernten Bremervörde eingerichtet und die Wanderausstellung hier dauerhaft gezeigt. In Folge einer vehement geführten öffentlichen Kontroverse gründeten Ende 2004 neun politische und kulturelle Körperschaften und Initiativen die Stiftung Lager Sandbostel mit dem Ziel, am historischen Ort eine Gedenkstätte aufzubauen.[9] 2005 wurde durch die neugegründete Stiftung ein erstes 2,7 ha großes Teilstück des historischen Lagerareals mit neun und 2008 ein weiteres 0,5 ha großes Grundstück mit zwei historischen Gebäuden erworben. Unter den erworbenen Baracken und Gebäuden befinden sich ein bundesweit einmaliges Ensemble parallel gereihter ehemaliger Unterkunftsbaracken, eine Latrine, die Lagerküche B und mehrere Gebäude aus der frühen Nachkriegsnutzung. Da trotz des bereits 1992 erklärten Denkmalschutzes insbesondere dieser Teil des »Gewerbegebiets Immenhain« lange vernachlässigt wurde, waren nahezu alle Gebäude zum Zeitpunkt des Erwerbes in einem sehr desolaten und maroden Zustand.

Umzug, beginnende Professionalisierung und Förderanträge

Mit dem Umzug der bis dato in Bremervörde ansässigen Dokumentationsstätte in ein zusätzlich angemietetes Gebäude auf dem historischen Lagergelände war es ab Mitte 2007 nach 62 Jahren erstmals möglich, Informationen zur Geschichte des Stalag X B direkt am historischen Ort zu erhalten. Gleichzeitig wurde mit der Einrichtung einer von der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten finanzierten Stelle eines Projektkoordinators für den Aufbau einer Gedenkstätte ein erster Schritt hin zu einer Professionalisierung der bisher vor allem ehrenamtlich getragenen Dokumentationsstätte getan.[10]

In der ersten Jahreshälfte 2008 wurde eine von allen Stiftungsgremien verabschiedete Gedenkstättenkonzeption erarbeitet und zur Grundlage der weiteren Aufbauarbeit sowie zweier Förderanträge gemacht. Insgesamt wurden daraufhin 2 015 000 Euro bewilligt.[11]

Mit diesen Mitteln erfolgte in zwei Projektphasen (2008 bis 2010 und 2010 bis 2013) die Sicherung und Sanierung des historischen Gebäudebestands, die Gestaltung des Außengeländes, der Umbau zweier Nachkriegsgebäude zu Ausstellungsgebäuden und die Erarbeitung einer Ausstellung zur Geschichte und Nachgeschichte des Stalag X B.

Die Sanierung der historischen Bausubstanz

Der Aufbau und die Gestaltung der Gedenkstätte Lager Sandbostel beinhaltete zwei große Bereiche: einerseits die Sicherung und Sanierung des historischen Gebäudebestandes und andererseits die Erarbeitung einer Dauerausstellung zur Geschichte und Nachgeschichte des Kriegsgefangenenlagers Sandbostel.

Für die Sanierungsmaßnahmen an den ehemaligen Lagergebäuden wurden 2008 mehrere Leitlinien als Grundlage jeglicher Baumaßnahmen erarbeitet. Die leitende Prämisse war (und ist), dass mit der historischen Bausubstanz als unmittelbarem Zeugnis des Geschehenen so behutsam wie möglich umgegangen werden soll. Soweit es ging, wurden instabile Bauteile durch Aufdoppelungen, Verstärkungen o.ä. in ihrer Position stabilisiert. Nur Bauteile, die abgängig und für die Statik oder den Erhalt der Gebäude notwendig waren, wurden durch baugleiche, aber als neu erkennbare Bauteile ersetzt. Fehlende oder kaputte Bauteile, die nicht für den Erhalt notwendig ware (wie beispielsweise Fußböden), wurden hingegen nicht ersetzt. Ganz bewusst werden die Fehlstellen als Ausdruck der jahrzehntelangen Vernachlässigung der Bausubstanz gezeigt. Darüber hinaus war der Ansatz bei der Sanierung, den historischen Zustand nicht zu rekonstruieren, sondern die Nachkriegsüberformungen wie beispielsweise Schriftzüge, Wandbilder, Deckenverkleidungen etc. als Spuren der entsprechenden Nutzungsschicht zu erhalten.12 Dokumentiert und gesichert wurde weitgehend der Überlieferungszustand, der sich nach dem Erwerb des Areals und der Gebäude im Jahre 2005 darstellte.[13]

Ausstellungswettbewerb

Zur Realisierung der neuen Dauerausstellung wurde im Herbst 2008 ein eingeschränktes Gutachterverfahren ausgelobt. Sieben Büros erarbeiteten auf Grundlage eines von der Gedenkstätte Lager Sandbostel erarbeiteten Konzeptes Entwürfe für die Gestaltung beider geplanter Ausstellungteile.[14] Als Ziel der Ausstellung wurden die Darstellung der Komplexität und der gegenseitigen geschichtlichen und zeitlichen Bedingtheit sowie der Durchdringung, die sämtliche Bereiche und Nutzungsphasen des historischen Ortes als Grundkonstante durchziehen, definiert. In der Ausstellungskonzeption wurde vorgegeben, dass das »Nebeneinander von Alltag und Tod darzustellen und gleichzeitig die Hintergründe und Motive zu erhellen, seien sie ideologischer oder pragmatischer Natur, […] das Hauptanliegen der Ausstellung zur Geschichte des Kriegsgefangenenlagers« ist. Zudem war es »das Ziel der Ausstellung zur Nachkriegsgeschichte des Lagers Sandbostel, das Nebeneinander und Gegeneinander von Geländenutzung und Erinnerung in seiner Komplexität darzustellen, ohne plakative Pauschalisierungen vorzunehmen«.[15]

Nach der Präsentation der sechs eingereichten Entwürfe beauftragte ein achtköpfiges Gutachtergremium[16] das Berliner Gestaltungsbüro »raumkollektiv« als Erstplatzierte mit der weiteren Bearbeitung. Das Gutachtergremium begründete die Entscheidung u.a. damit, dass das Büro »die Thematik in hohem Maße reflektiert hat […] und [der Entwurf] bis ins Detail von hoher Qualität« sei.[17]

Die Ausstellung »Das Stalag X B Sandbostel. Geschichte und Nachgeschichte eines Kriegsgefangenenlagers«

Die entsprechend des Wettbewerbsbeitrags des Gestaltungsbüros »raumkollektiv« realisierte Dauerausstellung ist räumlich und inhaltlich zweigeteilt und wird in zwei verschiedenen Gebäuden am westlichem und am östlichen Ende des Gedenkstättengeländes präsentiert. Der erste Ausstellungsteil zur Geschichte des Stalag X B (1926–1945) ist in der sogenannten »Gelben Baracke« und der zweite zur Nachgeschichte (1945–2013) in der sogenannten »CVJM-Baracke« untergebracht.

Diese Aufteilung war vor allem den beengten räumlichen Möglichkeiten der Gedenkstätte geschuldet. Sie bietet heute aber auch den Vorteil, dass der Weg von dem einen zu dem anderen Ausstellungsgebäude die ehemaligen Unterkunftsbaracken als größtes und wichtigstes Exponat quasi in die Ausstellung mit einbezieht. Bewusst wurden daher zur Unterbringung der Ausstellungsteile die beiden einzigen Nachkriegsgebäude auf dem Gedenkstättengelände ausgewählt, da diese einerseits das historische Baracken-Ensemble flankieren und andererseits in diesen die teils erheblichen Eingriffe in die Bausubstanz als weniger problematisch angesehen wurden.

Die beiden Ausstellungsteile unterscheiden sich in der Möblierung und Gestaltung und reagieren damit auf die beiden verschiedenen Ausstellungsgebäude. Während die »Gelbe Baracke« bis auf die massiven Giebelwände vollständig neu und nach energetischen Gesichtspunkten aufgebaut wurde und heute im Inneren einen modernen lichtgrau gestrichenen knapp 300 m2 großen Ausstellungsraum bietet, wurde bei der »CVJM-Baracke« lediglich die Bausubstanz saniert und die Raumstruktur sowie der Charakter des Gebäudes weitgehend unverändert erhalten. Zwei notwendige Wanddurchbrüche verbinden drei zusammen knapp 150 m2 große Ausstellungsräume zu einem Rundgang.[18]

Den Gebäuden entsprechend ist die Ausstellungsmöblierung im ersten Teil in einem mittelgrauen und weißen Farbton mit hinterleuchteten Glaswänden in einer »modernen« Architektursprache gehalten; der zweite Teil stellt sich mit einem beigen Materialton und robusterem Design zurücknehmender und schlichter dar. Bei beiden Ausstellungsgebäuden wurde – entgegen des ursprünglichen Entwurfes des Gestaltungsbüros – darauf verzichtet, Fensteröffnungen zu schließen und mit Sichtöffnungen den Blick dramaturgisch zu lenken. Aus allen Perspektiven sind so die ehemaligen Lagergebäude als ständiger Bezug zur Geschichte und zum historischen Ort erkennbar.

Ausstellungsteam

Ein weiterer Schritt zur Professionalisierung und ein großes Glück für die Ausstellungserarbeitung war, dass durch die bewilligten Fördermittel mit Jens Binner, Dörthe Engels und Andrea Genest ein ausgesprochen interdisziplinäres und ausstellungserfahrenes Team zusammengestellt werden konnte.[19] Das Team recherchierte in zahlreichen Archiven im In- und Ausland und erschloss bedeutende, bisher unbekannte Bestände. Dadurch konnte der Kenntnisstand der grundlegenden Studie zum Stalag X B von Werner Borgsen und Klaus Volland aktualisiert und erheblich erweitert werden. Insbesondere für die Ausstellung zur Nachkriegsgeschichte wurde zudem zu vielen Themenbereichen Grundlagenforschung betrieben.

Ausstellungsteil I – 1926 bis 1945

Der Ausstellungsteil zur Geschichte des Kriegsgefangenenlagers in der »Gelben Baracke« adaptiert in seiner Ausstellungsarchitektur das Raumschema einer Unterkunftsbaracke. Mehrere in der Tiefe gestaffelte, lebensgroße, hinterleuchtete und leicht bläulich verfremdete Porträts verschiedener Kriegsgefangener, Zivil- und Militärinternierter in einem stilisierten, nicht durchschreitbaren Mittelgang prägen die Eingangsperspektive. An den Rückseiten der Porträts schließen sich als eigenständige Ausstellungselemente Stelen zum Schicksal einzelner Gefangenengruppen an. Diese werden durch exemplarisch Biografien, die in die Flurwand eingelassen sind, ergänzt. In einem angedeuteten Vitrinenband an der Wand des Mittelgangs werden zahlreiche »Henkelmänner«, also kleine Essbehältnisse der Kriegsgefangenen, als Massenexponat gezeigt. Bei mehreren archäologischen Grabungskampagnen wurden zahlreiche dieser »Henkelmänner« geborgen. Viele davon sind von den Kriegsgefangenen mit Bildern, Grafiken oder Texten verziert worden. Heute bieten sie in der Ausstellung die Möglichkeit, die kaum nachzuvollziehenden Massenschicksale zu individualisieren und auf einzelne Menschen zu fokussieren. Im Eingangsbereich können Besucherinnen und Besucher die Henkelmänner aus der Vitrine entnehmen. Dadurch soll eine haptische Annäherung ermöglicht und die Objekte sollen »begriffen« werden.

Im Eingangsbereich befinden sich neben einem übergeordneten Einleitungstext zur gesamten Ausstellung ein dreidimensionales Lagermodel[20] mit einer Computerpräsentation, welche die Transformation des Ortes von 1939 bis 2013 zeigt, und ein kurzer tabellarischer Überblick über die Vor- und Nachgeschichte des Kriegsgefangenenlagers Sandbostel. Auf zwei Luftfotos der britischen Armee vom April 1945 sind die verschiedenen Lagerbereiche, die heute noch erhaltene Bausubstanz sowie die Umgebung des Lagers farblich markiert und mit Erklärungen versehen, sodass sich leicht die Struktur des ehemaligen Lagers wie auch der heutigen Gedenkstätte sowie deren Einbettung in die Region erkennen lassen. Durch diese erste kursorische Überblicksdarstellung soll auch zufällig in die Gedenkstätte kommenden Besucherinnen und Besuchern wie beispielsweise den zahlreichen Radwandern[21] die Möglichkeit gegeben werden, sich auch bei einem nur sehr kurzen Besuch der Ausstellung knapp, aber doch lückenlos über die komplexe Geschichte des Ortes zu informieren.

In den nun folgenden Ausstellungsräumen wird die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers sowohl thematisch, als auch einer gewissen Chronologie folgend dargestellt. Wesentliche zeitliche Brüche wie die Radikalisierung des Kriegsgefangenenwesens mit der Ankunft der sowjetischen Kriegsgefangenen ab Oktober 1941 und die Ankunft Tausender Häftlinge aus den Außenlagern des KZ Neuengamme im April 1945 sind als einschneidende Zäsuren in der Lagerhistoriographie inhaltlich hervorgehoben.

Anders als es die Raumstruktur mit dem stilisierten Mittelgang zunächst vermuten lässt, wird die Ausstellung an den Barackenaußenwänden »umschritten«. A-Texte leiten jeweils in die sich zum Gebäudeinneren öffnenden Themenbereiche ein. Während von den Themenräumen in der ersten Ausstellungshälfte aus jeweils auch in den Mittelgang mit den »Nationen-Stelen« gegangen werden kann, sind die Räume in der zweiten Ausstellungshälfte durch eine Wand abgeschlossen.

In den einzelnen Themenbereichen werden die Inhalte in mehreren Rezeptionsebenen präsentiert, die eine gestaffelte und je nach Interesse vertiefbare Betrachtung ermöglichen. Auf hinterleuchteten Glaswänden erläutern kurze B-Texte die einzelnen Kapitel. Auf vorgelagerten Pulten und auf zusätzlichen Tischen in der Raummitte finden sich in einer zweiten horizontalen Rezeptionsebene weiterführende Informationen. In und auf den Pulten und Tischen befinden sich dann als dritte Ebene Vitrinen, Klappbücher und Computer-, Video- und Audiostationen, die eine ausführliche Vertiefung einzelner Aspekte ermöglichen.

Die Themenbereiche sind im Einzelnen: 1. Kriegsgefangenenwesen und Aufbau des Stalag X B; 2. Bewachung und Aufnahme der Gefangenen; 3. Leben im Lager; 4. Kriegsgefangene zwischen Rassismus und politischem Kalkül; 5. Arbeit für die deutsche Kriegswirtschaft; 6. KZ-Häftlinge im Stalag X B sowie 7. Befreiung und Leben nach dem Krieg.

Bewusst wurde entschieden, in den ersten beiden Themenbereichen den rechtlichen und den administrativen Rahmen des Kriegsgefangenwesens und des Stalag X B sowie die Struktur der Militärverwaltung und der Wachmannschaften voranzustellen. Diese Inhalte sollen zunächst die Rahmenbedingungen eines Kriegsgefangenenlagers im Nationalsozialismus klarstellen, bevor dann ab dem Themenbereich »Leben im Lager« die Kriegsgefangenen, Zivil- und Militärinternierte und KZ-Häftlinge im Fokus stehen.

Eine immer wieder auftauchende Schwierigkeit bei der inhaltlichen Präsentation einzelner Themenbereiche war die eigentlich stets notwendige Differenzierung zwischen der Situation sowjetischer und nicht-sowjetischer Kriegsgefangener. Während die Behandlung beispielsweise französischer, belgischer, polnischer oder britischer Kriegsgefangener sich weitgehend nach den Vereinbarungen der Genfer Konventionen richtete, galt dies für die sowjetischen Kriegsgefangenen nur sehr eingeschränkt bis gar nicht. Wie in jedem Kriegsgefangenenlager im Nationalsozialismus herrschten auch im Stalag X B »Zaun-an-Zaun« vollkommen verschiedene Lebensbedingungen. Um die einzelnen Themen nicht zu komplex werden zu lassen, entschied sich das Ausstellungsteam dafür, im Raum »Leben im Lager« zunächst die Lebensbedingungen der nicht-sowjetischen Kriegsgefangenen zu thematisieren und anschließend in einem Extra-Raum die der sowjetischen Kriegsgefangenen darzustellen.

Am Ende des ersten Ausstellungsteils ist in einer offenen Raumnische die Bibliothek der Gedenkstätte Lager Sandbostel mit etwa 30 laufenden Regalmetern untergebracht.[22] Die Besucherinnen und Besucher können hier frei Bücher entnehmen und an vier Sitzplätzen lesen. Perspektivisch sollen ein bis zwei Computerarbeitsplätze eine weitergehende Vertiefung der Ausstellungsinhalte ermöglichen. Schülerinnen und Schüler oder Studentinnen und Studenten könnten hier dann in Ruhe recherchieren und beispielsweise Facharbeiten anfertigen.

»Meta-Texte« bzw. »Fußnoten«

In mehreren Bereichen des ersten Ausstellungsteils sind mit einer blauen »Klammer« gekennzeichnete »Meta-Texte« bzw. »Fußnoten« in den Erzählstrang eingefügt, die einen kritischen Zugang zu bestimmten Aspekten der Forschung und zu Schwierigkeiten bzw. Grenzen bei der Erarbeitung einer zeitgeschichtlichen Ausstellung aufzeigen. Damit soll den Besucherinnen und Besuchern ermöglicht werden, bestimmte Forschungsfragen zu vertiefen oder Dokumente/Artefakte vergleichend zu bewerten. Beispielsweise wird zu Beginn der Ausstellung eine größere Menge Brandreste von Abrechnungsunterlagen als Schüttung präsentiert und mit einer »Fußnote« auf die systematische Zerstörung und damit teilweise Abwesenheit von Dokumenten verwiesen. Dadurch wird deutlich, dass sich manche Fragestellungen trotz intensiver Forschung nicht mehr klären bzw. darstellen lassen. Weitere »Fußnoten« dienen der Erläuterung und der Bedeutung von visuellen Quellen wie Fotografien oder Zeichnungen für die Forschung. Auch werden anhand der detaillierten Analyse einer Personalkarte I die starke Verregelung des Kriegsgefangenenwesens sowie die Möglichkeiten und die Grenzen, die diese Personaldokumente für die Forschung bieten, aufgezeigt.

Ausstellungsteil II – 1945 bis 2013

Der Ausstellungsteil zur ungleich längeren Nachkriegsgeschichte in der »CVJM-Baracke« unterscheidet sich vom ersten Ausstellungsteil zunächst grundsätzlich dadurch, dass er personallos in einer nicht heizbaren Baracke präsentiert wird. Dementsprechend musste dieses bei der Ausstellungsmöblierung und der Objektpräsentation berücksichtigt werden. Um die möglichen Temperaturunterschiede von bis zu 60 Grad und die zeitweise hohe Luftfeuchtigkeit zu kompensieren, wurde als Trägermaterial sogenanntes »Hydro-Panel« gewählt. Diese beigefarbenen Eternitplatten, die eigentlich aus dem Schwimmbadbau stammen, wurden direkt bedruckt. Acht Medienstationen sind in kühl- und beheizbaren Stahlterminals in die Ausstellungsmöbel integriert. Aufgrund der beschriebenen Klimabedingungen können nur wenige temperaturunabhängige Exponate in den eingelassenen Vitrinen gezeigt werden.

Die Inhaltsebene führt als mäanderndes horizontales Band in Hüfthöhe durch mehrere Räume der Baracke. Auf mehreren dazwischen angeordneten vertikalen Wänden befinden sich die einleitenden Kapiteltexte und hervorgehobene Einzelthemen. Die Ereignisgeschichte wird chronologisch – beginnend mit der Befreiung bis zur Gegenwart – dargestellt. Die Themenbereiche sind im Einzelnen: 1. Die Befreiung des Stalag X B Sandbostel; 2. Das Internierungslager für SS-Angehörige 1945–1948; 3. Das Strafgefängnis- Lager Sandbostel 1948–1952; 4. Das Notaufnahmelager Sandbostel 1952–1960; 5. Nutzung durch die Bundeswehr 1962–1973, 6. Das Gewerbegebiet »Immenhain« seit 1974; 7. Die Entstehung der Gedenkstätte und 8. Das Sandbostel-Gedächtnis.

Die Memorialkultur, die bereits unmittelbar nach der Befreiung mit einem ersten britischen Denkmal im ehemaligen Eingangsbereich des Lagers einsetzte, und die jüngeren geschichtspolitischen Debatten und Auseinandersetzungen begleiten die gesamte Ausstellung auf textilen Fahnen als eigenständige visuelle Ebene »hinter« der Inhaltsebene. Durch diese kontinuierliche Thematisierung der Memorialkultur erfolgt quasi ausstellungsimmanent in allen Nachnutzungsphasen der stetige Verweis auf die zugrunde liegende Geschichte des Stalag X B. Die Memorialkultur kulminiert dann in einem abschließenden Raum mit der Entwicklung der Gedenkstätte seit den 1980er-Jahren, dem Aufbau der Gedenkstätte und dem Umgang mit dem historischen Ort in der Gegenwart. Insbesondere die Thematisierung der in der Region sehr sensibel wahrgenommenen emotionalen Konflikte und vehementen Auseinandersetzungen um die Gedenkstätte ist seit Beginn der Forschungen durch das Ausstellungsteam von verschiedenen Seiten intensiv und teils durchaus kritisch beobachtet worden.

Mit dem »Sandbostel-Gedächtnis« befindet sich mittig im zentralen Ausstellungsraum ein weiterer wichtiger Themenbereich. An dieser Stelle wird die Erinnerung der Überlebenden an Sandbostel in der Memoirenliteratur sowie in Ausstellungen und Denkmälern in vielen Ländern Europas dargestellt. Deutlich wird, dass bei Kriegsgefangenen, Militär- und Zivilinternierten sowie KZ-Häftlingen aus über 50 Staaten, Kolonien und Dominions (nach damaliger Zählung) auch die Erinnerung in heute über 100 Staaten präsent ist. Als verbindende »Klammer« der beiden räumlich getrennten, inhaltlich aber zusammengehörigen Ausstellungsteile dient die Befreiung des Stalag X B am Ende des ersten und zu Beginn des zweiten Ausstellungsteils. Während der Ausstellungsteil zur Geschichte des Stalag X B mit dem KZ-Auffanglager, der Befreiung und den ersten Hilfsbemühungen der Gefangenen selbst endet, beginnt der Ausstellungsteil zur Nachgeschichte ebenfalls mit der Befreiung der Tausenden Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge und insbesondere den umfangreichen Rettungs- und Hilfsbemühungen der britischen Armee. Durch diese inhaltliche Überschneidung wird auch in der »Nachkriegsausstellung« immer wieder der Bezug zum historischen Ort und vor allem zu der den Nachnutzungen vorausgegangenen Geschichte deutlich.

Schluss

In den ersten Monaten nach der Eröffnung hat eine deutlich gestiegene Zahl von Besucherinnen und Besucher die Gedenkstätte Lager Sandbostel besichtigt; im Schnitt waren es bisher über 1200 Besucherinnen und Besucher pro Monat. Ein großer Teil davon sind Einzelbesucherinnen oder -besucher. Positiv ist dabei hervorzuheben, dass viele Besucherinnen und Besucher aus der Umgebung der Gedenkstätte kommen. seit dem Umzug der ersten Dokumentationsstätte aus Bremervörde auf das historische Gelände im Jahr 2007 und verstärkt nach der Eröffnung der neuen Ausstellung hat sich offensichtlich das Bewusstsein durchgesetzt, dass es der Gedenkstätte Lager Sandbostel nicht darum geht, die Bevölkerung der Region »anzuklagen«, sondern nach wissenschaftlichen Standards die Geschichte und die Nachkriegsgeschichte des Stalag X B aufzuarbeiten und mit einer sensiblen gedenkstättenpädagogischen Arbeit zu vermitteln. Die grundlegende Motivation ist es, den in Sandbostel verstorbenen Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen ein ehrendes Andenken zu bewahren. Für alle drei Aspekte bietet die neue Gedenkstätte die besten Voraussetzungen.

Zukünftige Vorhaben – Ausblick

Mit der Eröffnung der neuen Ausstellung ist die inhaltliche Arbeit nicht abgeschlossen. Die umfangreichen neuen Bestände, die bei den Recherchen gesichtet und erschlossen wurden, müssen in das Archiv der Gedenkstätte eingepflegt werden. Dazu ist es dringend notwendig und geboten, die Archivausstattung zu professionalisieren und eine Personalstelle zu schaffen. Bei den umfangreichen Recherchen zur Ausstellung sind zudem zahlreiche Fragen aufgeworfen und Forschungsdesiderate deutlich geworden, die nun in hausinternen und externen Forschungs- und Studienprojekten, in universitären Qualifizierungsarbeiten oder in Schulabschlussarbeiten untersucht werden sollten.

Nach Fertigstellung der Ausstellung kommen nun immer wieder auch Besucherinnen und Besucher in die Gedenkstätte, die zunächst zögernd erzählen, dass sie auch noch Fotos, Dokumente oder Objekte ihres Vaters oder Großvaters haben und diese der Gedenkstätte übergeben würden. Dabei handelt es sich um Bestände aus allen eingangs beschriebenen Nutzungsphasen.
 

Andreas Ehresmann war von 2007 bis 2013 Projektkoordinator für den Aufbau der Gedenkstätte Lager Sandbostel und verantwortlicher Kurator der neuen Ausstellung. Seit 2013 ist er Geschäftsführer der Stiftung Lager Sandbostel und Leiter der Gedenkstätte Lager Sandbostel.
 

[1] Grundlegend zur Geschichte des Stalag X B siehe: Werner Borgsen/Klaus Volland: Stalag X B Sandbostel. Zur Geschichte eines Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers in Norddeutschland 1939–1945. Bremen 2010 (Erstauflage 1991). Ein Katalog mit den aktuellen Forschungsergebnissen der 2013 eröffneten Dauerausstellung wird derzeit erarbeitet.

[2] Nach der Heeres-Dienstvorschrift 38/12 (Dienstanweisung über Raumbedarf, Bau und Einrichtung eines Kriegsgefangenenlagers) hätten eigentlich 40 Unterkunftsbaracken für je 250 Kriegsgefangene errichtet werden sollen. Kurzfristig wurde aber die geplante Lagerbelegung auf 7500 Kriegsgefangene reduziert und dementsprechend nur 32 Baracken realisiert.

[3] Siehe hierzu: Jens Binner, Die sowjetischen Kriegsgefangenen und das Stalag X B Sandbostel: Verwaltung, Arbeitseinsatz, Massensterben. In: Das Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener 1941 bis 1945. Dokumentation der Fachtagung am 17. Oktober 2011 in der Gedenkstätte SS-S onderlager/KZ Hinzert (Gedenkarbeit in Rheinland-Pfalz 7), hg. v. der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. Mainz 2012, S. 11–35.

[4] Aufgrund neuerer Forschungen können aktuell 4 690 verstorbene sowjetische Kriegsgefangene namentlich nachgewiesen werden. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der Toten wesentlich höher ist, diese lässt sich aber nicht quantifizieren und belegen. Darüber hinaus können 472 Tote anderen Nationen zugeordnet werden. Bei einem prozentualen Vergleich der verschiedenen nationalen Mortalitätszahlen zeigt sich die exorbitante Differenz der Gefangenengruppen: Die 103 nachweisbaren Toten bei mindestens 90 000 französischen Kriegsgefangenen entsprechen einer Mortalitätsrate von 0,1 %; dem gegenüber entspricht die Mortalitätsrate bei mindestens 70 000 sowjetischen Kriegsgefangenen mit 4 690 nachweisbaren Toten 6,7%.

[5] The National Archives, London, WO 171/7931, Eintrag vom 30. April 1945. Siehe zu den Zuständen bei der Befreiung ausführlich: Klaus Volland: Sandbostel 1945: »… ein wirklicher Turm von Babel« oder die dreifache Befreiung. In: Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland, Bd. 2 (Kriegsende und Befreiung). Bremen 1995. S. 35–51 sowie: Henrike Illig: Die Befreiung des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Sandbostel und der Umgang der britischen Befreier mit der deutschen Bevölkerung. In: Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland, Bd. 12 (Zwischenräume. Displaced Persons, Internierte und Flüchtlinge in ehemaligen Konzentrationslagern). Bremen 2010. S. 11–21.

[6] Siehe ausführlich: Andreas Ehresmann: Die frühe Nachnutzung des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Sandbostel unter besonderer Betrachtung des britischen No. 2 Civil Internment Camp Sandbostel. In: Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland, Bd. 12 (Zwischenräume. Displaced Persons, Internierte und Flüchtlinge in ehemaligen Konzentrationslagern). Bremen 2010. S. 22–34.

[7] Bezeichnenderweise wurde ein erstes 1945 von der britischen Armee im Eingangsbereich errichtetes Denkmal bereits 1948 nach Auflösung des Internierungslagers von unbekannter Hand wieder entfernt. Bis 1974 überdauert hatte hingegen ein 1943 auf der gegenüberliegenden Straßenseite errichtetes Denkmal für die im Dienst gestorbenen deutschen Wachsoldaten. Ebenfalls vor dem ehemaligen Lagereingang wurde 1953 ein bis heute erhaltener Gedenkstein in Erinnerung an den Arbeiteraufstand in der DDR am 17. Juni 1953 aufgestellt. Erst seit 1983 erinnert im Eingangsbereich eine Stele an die verstorbenen Kriegsgefangenen.

[8] Werner Borgsen/Klaus Volland: Stalag X B Sandbostel. Zur Geschichte eines Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers in Norddeutschland 1939–1945. Bremen 1991.

[9] Die Träger der am 17. Dezember 2004 gegründeten Stiftung Lager Sandbostel sind: Land Niedersachsen, Landkreis Rotenburg (Wümme), Samtgemeinde Selsingen, Gemeinde Sandbostel, St.-Lamberti-Kirchengemeinde Selsingen, Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel e. V., Pro Europa e. V., Geschichtsfreunde Sandbostel e. V., Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. Zu der Auseinandersetzung um die Einrichtung einer Gedenkstätte am historischen Ort und der Gründung der Stiftung Lager Sandbostel siehe die kontinuierlichen Berichte im GedenkstättenRundbrief. In chronologischer Reihenfolge: Dietmar Kohlrausch: Der Verein Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel e.V. In: GedenkstättenRundbrief 85 (10/1998). S. 10–16; Niedersächsische Gedenkstätten, Resolution zur Erhaltung des Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglagers Sandbostel. In: GedenkstättenRundbrief 86 (12/1986). S. 26; Klaus Volland: Frischer Wind und langer Atem. Aktuelle Entwicklungen in der Gedenkstätte Sandbostel. In: GedenkstättenRundbrief 127 (10/2005). S. 3–8 sowie Teilnehmer der Fachtagung »Gedenkstätte Sandbostel: Bewahren, Gestalten, Beleben«, Resolution. In: GedenkstättenRundbrief 135 (2/2007). S. 17–18.

[10] Von 1998 bis 2007 wurde durch den Verein Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel e.V. eine private Wohnung im etwa zehn Kilometer entfernten Bremervörde als Ausstellungs- und Veranstaltungsraum sowie als Büro, Archiv und Bibliothek genutzt. Mit Klaus Volland war ein Gymnasiallehrer für 10 Wochenstunden für die inhaltliche Arbeit und die Betreuung von Schulklassen abgeordnet.

[11] Die Mittel wurden (nach der Förderhöhe gelistet) zur Verfügung gestellt von: Bundesrepublik Deutschland, Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Landkreis Rotenburg (Wümme), Europäische Union, Hermann Reemtsma Stiftung, Niedersächsische Sparkassenstiftung, Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Samtgemeinde Selsingen, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Dokumentations- und Gedenkstätte Sandbostel e.V., Stadt Bremervörde, Gemeinde Gnarrenburg.

[12] Die verschiedenen, sich teilweise durchdringenden und für das ungeübte Auge oftmals kaum zu unterscheidenden Nutzungsschichten müssen zukünftig noch durch Hinweistafeln in situ kommentiert werden.

[13] Siehe ausführlich dazu: Andreas Ehresmann: Die Neugestaltung der Dokumentations- und Gedenkstätte Lager Sandbostel. Ein Sachstands- und Werkbericht. In: GedenkstättenRundbrief 143 (2008). S. 14–24.

[14] Die aufgeforderten Gestaltungsbüro waren: graphische werkstätten feldstraße GbR, Hamburg; ikon Ausstellungen, Hannover; Hinz & Kunst, Braunschweig; Büro Anat Frumkin, Hamburg; GfG/Gruppe für Gestaltung GmbH, Bremen; milkmonkey//analog & digital, Düsseldorf sowie das Büro raumkollektiv, Berlin. Die Büros graphische werkstätten feldstraße und Anat Frumkin sind eine Bürogemeinschaft eingegangen und in der Folge als ein Bewerber aufgetreten.

[15] Christian Römmer: Ausstellungskonzeption Gedenkstätte Lager Sandbostel – Leitlinien und Themen. Sandbostel 22. Juli 2010. S. 1 f.

[16] Das Gutachtergremium setzte sich zusammen aus: Prof. Dr. Inge Marszolek (Professorin an der Universität Bremen und kommissarische Vorsitzende der wissenschaftlichen Fachkommission der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten), Dr. D etlef Garbe (Direktor der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Vorsitzender des Fachbeirats der Stiftung Lager Sandbostel und Vertreter der wissenschaftlichen Fachkommission des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien), Hermann Luttmann (Landrat des Landkreises Rotenburg/Wümme), Karl-Heinz Buck (damaliger Vorstandsvorsitzender der Stiftung Lager Sandbostel), Helmut Neiß (in Vertretung des Vorsitzenden des Kuratoriums der Stiftung Lager Sandbostel, Clement-Volker Poppe), Werner Borgsen (Dokumentations- und Gedenkstätte Lager Sandbostel e.V.), Andreas Ehresmann (Projektleiter der Stiftung Lager Sandbostel und Leiter der Gedenkstätte Lager Sandbostel), Christian Römmer (Projekt Ausstellungskonzeption der Gedenkstätte Lager Sandbostel); als nicht stimmberechtigter Gast nahm Dr. Jens Binner (Gedenkstätte Lager Sandbostel) an der Präsentation und der anschließenden Sitzung teil.

[17] Aus der Dokumentation des Gestaltungswettbewerbs von Christian Römmer. Sandbostel 16. Dezember 2010. S. 12.

[18] Die restlichen Räume in der »CVJM-Baracke« werden nicht durch die Ausstellung genutzt. Teils sind die Böden nicht mehr vorhanden; diese werden sukzessiv mit Jugendprojekten wieder hergestellt. Die nicht beheizten Räume werden dann zukünftig in den Sommermonaten als Gruppenräume genutzt.

[19] Ergänzt wurde das Ausstellungsteam durch die studentische Mitarbeiterin Claudia Schaaf.

[20] Das Lagermodell wurde bereits 1994/95 von einer Schulklasse aus dem angrenzenden Ort Selsingen erarbeitet. Da den Schülerinnen und Schüler seinerzeit nur begrenztes Quellenmaterial zur baugeschichtlichen Entwicklung des Stalag X B zur Verfügung stand, sind einige Teile des Modelles falsch. Da dieses Modell aber in einer Zeit gebaut wurde, in der in der Region die Erinnerung an den historischen Ort noch weitgehend verdrängt wurde, hat es neben dem Nutzen als dreidimensionales Anschauungsobjekt vor allem auch einen hohen memorialen Aspekt. Die Fehler im Modell und die memoriale Bedeutung werden in einer erweiterten Modellunterschrift erläutert.

[21] Die Gedenkstätte Lager Sandbostel befindet sich, teils zufällig, an mehreren Radwanderrouten im Landkreis Rotenburg (Wümme), nämlich: »Nutztierroute«, »Steinerlebnisroute«, Radwanderweg »Vom Teufelsmoor zum Wattenmeer« und »Mühlenroute«. Dadurch kommen viele Radwandertouristinnen und –touristen spontan in die Gedenkstätte Lager Sandbostel, die sich lediglich im Rahmen einer Pause kurz informieren wollen.

[22] Zur Bibliothek der Gedenkstätte Lager Sandbostel siehe: Catrin Gold: Leseorte. Ein Führer zu 125 Bibliotheken zwischen Elbe und Weser. Stade 2009. S. 358–363.