Das Massaker von Gardelegen

Ein Film von Claus-Ivar Bolbrinker und Diana Gring
04/2002Gedenkstättenrundbrief 106, S. 43
Claus Ivar Bolbrinker

Gardelegen ist eine idyllische kleine Stadt in der Altmark, nordwestlich von Magdeburg. Etwas ausserhalb auf einer Anhöhe findet man die Überreste einer Scheune und ein Gräberfeld mit 1016 Kreuzen. Am 13. April 1945 wurden hier evakuierte Häftlinge aus den Konzentrationslagern Mittelbau-Dora und Hannover-Stöcken bei lebendigem Leibe verbrannt. Nur einen Tag später wurde die Stadt von US-Truppen befreit. Der amerikanische Befehlshaber ordnete an, daß die Einwohner von Gardelegen die Opfer in Einzelgräber bestatten sollte.

Zu den wenigen Überlebenden der Todesmärsche und des Massakers gehören vier französische Widerstandskämpfer. Amaro, südfranzösischer Weinbauer, hat als Anarchist schon im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft. Lucien feiert zweimal im Jahr Geburtstag und organisiert Fotoausstellungen über Gedenkstätten. Aime schrieb über seine KZ-Haft ein Buch, studierte Theologie und wurde Pastor. George hat bisher fast noch nie darüber gesprochen, wie er unter Leichen versteckt mehrere Tage lang auf Rettung wartete.

Ihren eigenen Weg, mit dem Geschehenen umzugehen, haben auch die Gardelegener finden müssen. Als Zuschauer der Todesmärsche, die an ihren Häusern vorbeizogen, als Nachbarn von Tätern oder weil sie als Jugendliche gezwungen wurden, an der Exhumiernung der Massengräber teilzunehmen. Der Haupttäter des Massakers, NSDAP-Kreisleiter Gerhard Thiele, konnte fliehen und lebte bis zu seinem Tod 1994 unerkannt unter falschem Namen in der Bundesrepublik. Nach langen Ermittlungen konnte ein Kriminalbeamter seine Identität schliesslich aufdecken.

Durch die Schilderung aus den verschiedenen Erlebnisperspektiven ist eine atmosphärisch dichte Rekonstruktion der Ereignisse in Gardelegen 1945 entstanden. Und ein Kaleidoskop der verschiedenen Mechanismen, mit denen alle Beteiligten sich bis heute auf der Suche nach einer Wahrheit und einer Erklärung für etwas Unfassbares befinden.

Bezugsadresse: Bolbrinker-Gring Filmproduktion,

Volzendorf 12, 29485 Lebgow, Tel: 058 83/376, Fax: 058 83/376