Das Kinder- und Jugendprojekt "Brundibár" der Jeunesses Musicales Deutschland

Ein neuer Weg der Auseinandersetzung mit dem Holocaust
02/1998Gedenkstättenrundbrief 81, S. 9-10
Jörg Malang

»Brundibár«, die Kinderoper des tschechischen Komponisten Hans Krása, entstand 1938 und wurde 1943/44 im Ghetto Theresienstadt von dort internierten Kindern über fünfzig Mal aufgeführt. Von den Mitwirkenden haben nur wenige die Vernichtungslager der Nationalsozialisten überlebt.

In Erinnerung an die Kinder von Theresienstadt hat die Jeunesses Musicales Deutschland für 1998 bundesweit Schulen, Musikschulen und Jugendkultureinrichtungen dazu aufgerufen, die Kinderoper »Brundibár« erneut aufzuführen. Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft von Bundesministerin Claudia Nolte und ihrem polnischen Amtskollegen Professor Miroslaw Handke. Weit über fünfhundert Schulen, Musikschulen und Jugendkultureinrichtungen in Deutschland haben bereits ihr Interesse an einer Inszenierung der Kinderoper bekundet. Derzeit stehen für 1998 fünfundsechzig Aufführungen fest. Weitere Beteiligungen am Projekt sind ausdrücklich erwünscht.

Ziel der Initiative ist es, einen neuen Weg aufzuzeigen, die Geschichte des Holocaust für Kinder und Jugendliche begreifbar zu machen. Die Produktion des »Brundibár« bietet zahlreiche Ansatzpunkte zur Auseinandersetzung mit dem Thema Nationalsozialismus und Holocaust. Aufführungen der Kinderoper können durch Begegnungen mit Zeitzeugen, Rahmenprogramme, Ausstellungen und Besuche von Gedenkstätten sinnvoll ergänzt und vertieft werden.

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts ist der deutsch-polnische und deutsch-tschechische Jugendaustausch. In Kooperation mit der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz und der Theresienstädter Initiative werden zur Zeit polnische bzw. tschechische Arbeitsmaterialien erstellt. Sie sollen helfen, gemeinsame Produktionen der Kinderoper entstehen zu lassen und Begegnungen zwischen Deutschen und Polen bzw. Tschechen zu ermöglichen.

Um auf deutscher Seite die Einarbeitung in den Kontext zu erleichtern, ist im Januar 1998 eine die Initiative begleitende Arbeitsmappe erschienen. Die »Brundibár«-Mappe umfaßt auf 200 Seiten neben Informationen zur Oper zahlreiche Aufsätze und praktische Hinweise. In Zusammenarbeit mit dem Fritz Bauer Institut (Frankfurt/Main) entstand das Kapitel »Das Ghetto Theresienstadt – Pädagogische Materialien für die Arbeit am ›Brundibár‹-Projekt«. Es gliedert sich in folgende Abschnitte:

• Wege ins Ghetto: Deportationen nach Theresienstadt

• Der Prozeß der Ausgrenzung der Juden im besetzten Teil der Tschechoslowakei

• Das Ghetto Theresienstadt

• Kooperation oder Verweigerung?

• Das »Musterghetto«: Täuschung der Öffentlichkeit

• Das kulturelle Leben im Ghetto

• Befreiung und Deportationen in Vernichtungslager

Eine Zeittafel, ein Glossar und Quellennachweise runden das Kapitel ab. Zur Arbeitsmappe gehören auch ein Video und eine CD. Die »Brundibár«-Mappe ist gegen eine Schutzgebühr in Höhe von DM 30,— bei der Jeunesses Musicales Deutschland erhältlich. Dort können auch weitere Informationen zum Projekt abgerufen werden.

Kontaktadresse:

Jeunesses Musicales Deutschland e.V.

Susanne Aschenbrandt/Jörg Malang

Marktplatz 12

97990 Weikersheim

Tel. 07934-280

Fax 07934-8526

lnternet: http://www.JeunessesMusicales.de

e-mail: weikersheim@JeunessesMusicales.de