Zwei Dutzend schwarz gekleidete Menschen marschieren mit Transparenten, Pauken und Trompeten vor der Berliner Philharmonie am Ort der Planung und Organisation der Euthanasiemorde des NS-Regimes (Tiergartenstraße 4) in Berlin auf. Zwei Mitglieder des Ensembles »Ramba Zamba«, dass aus Menschen mit Behinderungen besteht, verschaffen sich mit ihrer Musik Gehör und erzählen in bewegenden Texten, warum sie leben wollen. Auftakt zur Eröffnung der (temporären) Open-Air-Ausstellung »Tiergartenstraße 4 – Geschichte eines schwierigen Ortes«.
Der Regierende Bürgermeister von Berlin spricht vor knapp 1 000 Menschen im Schlüterhof des Deutschen Historischen Museums (DHM) in Berlin-Mitte zur Eröffnung der Portalausstellung im DHM mit über 40 dezentralen, über die Stadt verteilten Projekten.
Rita Vowe, Tochter des im Außenlager von Neuengamme von einem Kapo erschlagenen Rukeli Trollmann, Sinto und zwangssterilisierter deutscher Boxmeister, richtet vor Schulklassen und Anwohnern auf dem Gelände des ehemaligen »Arbeits- und Bewahrungshauses Rummelsburg« in Berlin-Lichtenberg aus einen leidenschaftlichen Appell an die Jugend, nichts der Vergessenheit anheimzugeben und für die Vielfalt
heute einzutreten, bevor sie einen kleinen Blumenstrauß an das Bild ihres Vaters heftet, das sich auf einer der drei Litfaßsäulen zur Geschichte dieses Arbeits- und Bewahrungshauses für Ausgegrenzte in der NS-Zeit befindet.
Die Bundeskanzlerin spricht auf der Eröffnung der Ausstellung der Stiftung Topographie des Terrors »Berlin 1933 – Der Weg in die Diktatur«. Die Kanzlerin sagt in ihrer Rede, zum Aufstieg der NSDAP sei es gekommen, weil Teile der Elite und der Gesellschaft daran mitwirkten, »vor allem aber, weil die allermeisten in Deutschland diesen Aufstieg zumindest duldeten«.
»Spuren, Hohlräume, Leerstellen. Kristallglanz – eine fragmentarische Rekonstruktion«, zeigt die Künstlerin Seraphina Lenz in einer kleinen Vitrine auf dem Gehweg vor einem Drogeriemarkt am Kurfürstendamm in Berlin-Charlottenburg. Sie hat nach einer Inventarliste einer jüdischen Emigrantin deren später von den Finanzbehörden versteigerten Hausrat, deren Kristallgläser, -vasen und -schalen auf dem Trödelmarkt nach-
gekauft und auf brüchigem Glas arrangiert, um auf das zurückgelassene und geraubte Hab und Gut jüdischer Berlinerinnen und Berliner während der NS-Zeit hinzuweisen.
Im Deutschen Technikmuseum in Berlin-Kreuzberg werden in der regulären Ausstellung besondere Hinweistafeln zu jüdischen Erfindern und Unternehmern aufgestellt, wie z.B. zu dem Haupterfinder der Acetylsalicylsäure (Aspirin), den nach Theresienstadt deportierten Charlottenburger Chemiefabrikanten Arthur Eichengrün.
Im DHM wird der Sammelband »Berlin 1933–1945: Stadt und Gesellschaft im Nationalsozialismus« vorgestellt: Als wissenschaftlicher Begleitband zum Themenjahr herausgegeben von Michael Wildt und Christoph Kreutzmüller wird hier zum ersten Mal die Entwicklung und Veränderung der Metropole Berlin unter der Herrschaft des
Nationalsozialismus gezeigt.
Die Berliner Geschichtswerkstatt stellt in Berlin-Wedding eine Smartphone-App mit Zeitzeugeninterviews zum Schicksal der mehr als 500 000 Zwangsarbeiter in Berlin in den mehr als 3000 Berliner Zwangsarbeiterlagern vor. Das sind einige der über 550 Veranstaltungen (Stand Mai 2013) von mehr als 140 Veranstaltern des Berliner Themenjahres »2013 – Zerstörte Vielfalt«, die in diesem Jahr anlässlich des 80. Jahrestages der Machtübertragung an die Nationalsozialisten sowie des 75. Jahrestages der Novemberpogrome in allen Berliner Bezirken und aus unterschiedlichen Perspektiven den Bogen schlagen von der zerstörten Vielfalt in der NS-Zeit (und deren Folgen für die Kommune Berlin) zur heutigen – wieder – deutschen Hauptstadt Berlin, die sich anschickt, etwas von der Anziehungskraft der Metropole Berlin in den Zwanziger und frühen Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts wieder zu erlangen.
Wie kam es zu dem Projekt, das bereits zum 50. Jahrestag der Machtübertragung von einer bunten Basisgruppe angedacht und dann ohne jede öffentliche Förderung und damit auch weitgehend unbeachtet angeschoben worden war? Diesmal ging die Initiative im Dezember 2009 (auch als Reaktion auf kritische Stimmen zum Themenjahr 2009 – Friedliche Revolution und Mauerfall und der weltweit übertragenen Ver-
anstaltung zum Mauerfall vor dem Brandenburger Tor, die den 9. November auch als Tag der deutschen NS-Geschichte reklamierten) von der Senatskulturverwaltung aus, die zu einem Gespräch über das Thema einlud, zu dem für alle überraschend mehr als hundert Interessenten aus der Gedenkstätten- und Museumslandschaft Berlins erschienen. Später kamen Künstlerinnen und Künstler, Museen, Archive, Gewerkschaften, öffentliche Betriebe, die Industrie- und Handelskammer, die Hochschulen und Universitäten, die Kirchen und viele andere hinzu. Bis heute stoßen immer neue Partner mit weiteren Veranstaltungen dazu und werden in die Kommunikation mit aufgenommen. Das Thema schien also keineswegs, wie einige kritische Stimmen zu diesem Zeitpunkt anmerkten, »gegessen« zu sein, sondern ist aktuell wie eh und je. Vielleicht harrt es mit Blick auf die NSU-Morde und das offenbar gesellschaftlich noch immer mangelnde Bewusstsein für den Wert einer gesellschaftlichen Vielfalt sogar noch dringender der
Bearbeitung als gedacht.
Entlang eines Grundsatzpapiers von Prof. Wildt und Dr. Kreutzmüller sowie des Gedenkstättenreferenten der Kulturverwaltung wurde das Themenjahr mit Unterstützung des Kulturstaatssekretärs André Schmitz gemeinsam mit den Projektinitiativen und Gedenkstätten entwickelt und im Folgenden im kontinuierlichen Dialog mit den Projektpartnern organisiert sowie versucht, die erforderlichen Mittel einzuwerben. Die Koordination wurde der themenjahrerfahrenen landeseigenen Kulturprojekte Berlin GmbH übertragen.
Was waren nun die Ziele eines solchen Themenjahres (die in Berlin wie 2009 – Friedliche Revolution und Mauerfall, 2005 – 60 Jahre Kriegsende etc. bereits eine Tradition haben)?
■ Erinnerung an Jahrestage der Berliner Geschichte als Anlass der Hebung des Geschichtsbewusstseins. Mehr als 2,1 Millionen der derzeit 3,5 Millionen Berlinerinnen und Berliner sind nach der Wiedervereinigung in die Stadt gezogen oder hier geboren worden. Angesichts der Fülle von zeitgeschichtlichen Orten und Ereignissen in der Stadt sollten die NS-Geschichte und deren Auswirkungen auf das heutige Berlin in den unterschiedlichsten Bereichen kommuniziert und nachhaltig sichtbar gemacht werden.
■ Erinnerung an verfolgte und ermordete Berlinerinnen und Berliner. Viele dieser Menschen haben die Kultur, die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Politik in Berlin maßgeblich geprägt und tun dies teilweise bis auf den heutigen Tag, ohne dass dies der Durchschnittsbevölkerung bewusst ist. Diese Menschen, die nach dem Willen der Nationalsozialisten für immer aus dem Gedächtnis der Nation gelöscht werden sollten, gilt es wieder in unser Bewusstsein zurückzurufen und damit dieses Ziel zu durchkreuzen.
■ Abbau des Forschungsdefizits zur kommunalen Berliner NS-Geschichte. Berlin als zentraler Ort des Reiches mit den obersten Reichsbehörden und -organisationen ist ein weites Feld für die zeitgeschichtliche Forschung. Demgegenüber ist die Bearbeitung der kommunalen Ebene im NS weitgehend nur von der Berliner »Grabe, wo Du stehst«-Bewegung, den Geschichtswerkstätten und Stolpersteininitiativen bearbeitet worden und stand nicht im öffentlichen Fokus.
■ Transfer in die Gegenwart – Wertschätzung der Vielfalt. Die Berliner NS-Geschichte stellt das Anschauungsmaterial dazu dar, wohin Fremdenfeindlichkeit und rechtsradikale Umtriebe führen: Zur Vertreibung und zum Mord an Ausgegrenzten (gleich welcher Gruppe), zum Krieg mit seinem Massensterben und zur Zerstörung der Gesellschaft und schließlich auch unserer Stadt bis hin zu deren Teilung.
Ein weiteres Ziel war es, neue Orte temporär oder dauerhaft zu kennzeichnen beziehungsweise im Rahmen des Themenjahres überhaupt erst zu etablieren und ihre
Geschichte zu zeigen, beispielsweise:
■ das Arbeits- und Bewahrungshaus Rummelsburg im NS in Berlin-Lichtenberg (Errichtung eines dauerhaften Gedenkortes für als »asozial« Ausgegrenzte und Verfolgte)
■ den NS-Folterkeller aus der frühen Phase der NS-Herrschaft in den ehemaligen Eisenbahnregimentskasernen in der Papestraße in Berlin-Tempelhof als neuer Gedenkort mit Dauerausstellung
■ Ausstellung T 4-Tiergarten – das »Euthanasie«-Planungszentrum in Berlin-Tiergarten als Vorläufer des im nächsten Jahr zu errichtenden Denkmals
■ das ehemalige Zwangsarbeiterlager in Berlin-Kaulsdorf als dauerhafte Tafel-Installation
■ die jüdische und NS-Geschichte der Insel Schwanenwerder in Berlin-Zehlendorf mit einer dauerhaften historischen Markierung mit Tafeln der Berliner Geschichtsmeile
■ die Erzählung der Geschichte der Reformsiedlungen im Nationalsozialismus in Berlin-Neukölln und -Tempelhof
■ die Gedenkstätte Zwangsarbeiterlager in Berlin-Schöneweide mit ihrer ersten Dauerausstellung und weiterem Ausbau (künftig: neue Baracke für die Geschichte der italienischen Zwangsinternierten, neue Baracke zur Erinnerung an die dort untergebrachten »Petrix«-Zwangsarbeiter und die Herrichtung einer weiteren Baracke für Jugendbegegnungen, Workshops und Seminare mit ausfinanziertem Jugendprogramm)
■ das KZ Columbiahaus in einer Ausstellung in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, mit archäologischen Grabungen auf dem ehemaligen Flughafen und der dauerhaften Installation einer historischen Markierung zur NS-Geschichte in Tempelhof
■ der Friedhof der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik (»Euthanasie«-Tote) in Berlin-Reinickendorf (rbb-Reportage)
■ die Ausstellung zur NS-Pressegeschichte im Ullsteinhaus in Berlin-Tempelhof als Grundstein für ein künftiges Deutsches Pressemuseum
■ das Berliner Zeitungsviertel in Berlin-Kreuzberg mit dauerhaften Tafeln der Geschichtsmeile zu den jüdischen Verlegern und Journalisten sowie der Gleichschaltung der Presse im Nationalsozialismus.
Bei den Formen der Erinnerung und den Veranstaltungen werden im Themenjahr neuere Formen der Ansprache eines möglichst neuen und jüngeren Publikums erprobt und genutzt. Ausgehend von den Erfahrungen der großen Open-Air-Ausstellung zur »Friedlichen Revolution« auf dem Alexanderplatz und der Open-Air-Ausstellung am Checkpoint Charlie, wo bei Publikumsbefragungen rund 60 % derer, die dort stehen geblieben waren und gelesen hatten, erklärten, dass sie noch nie in einem zeitgeschichtlichen Museum oder einer Gedenkstätte gewesen waren, versucht das Themenjahr mit sehr vielen Veranstaltungen und Präsentationen im öffentlichen Raum die Menschen zu erreichen, die nicht zu dem beständig älter (und kleiner) werdenden Stammpublikum der üblichen V eranstaltungen zur NS-Geschichte gehören. Zudem muss mit einem begrenzten Etat eine größtmögliche Öffentlichkeit auf einer Fläche angesprochen werden, die sechsmal größer ist als die der zweitgrößten deutschen Stadt Hamburg.
Bestimmendes Element ist dabei der Einsatz von drei beziehungsweise vier Meterhohen (Papp-)Litfaßsäulen mit einem Meter Durchmesser , auf denen immer mit biografischem Bezug auf das Themenjahr, auf die Einzelveranstaltungen und auf die nächstgelegenen Veranstaltungsorte im Umfeld hingewiesen beziehungsweise die entsprechenden Geschichten erzählt werden:
■ 40 Porträtsäulen mit Bildern und Biografien von 200 bedeutenden Berlinerinnen und Berlinern aus allen gesellschaftlichen Bereichen, die die gesellschaftliche und urbane Vielfalt Berlins der 1920er-Jahre prägten und nach 1933 Berufsverbote erhielten, verfolgt, vertrieben, inhaftiert, deportiert oder ermordet wurden.
■ 11 Stadtmarkierungen, die jeweils vom konkreten Ort ausgehend Schwerpunktthemen behandeln (wie z.B. »Widerstand und Öffentlichkeit« am Lustgarten, »Vom Boykott zum Pogrom« auf dem Wittenbergplatz, »NS-Kulturpolitik« am Kurfürstendamm, »Sport und Olympiade 1936« am Olympiastadion, »Der Weg der Deportierten« am Mathilde-Jacob-Platz etc.); jüdische Betriebe, NS-Kultur- und Sportpolitik etc. an historisch bedeutsamen und heute (wieder) prominenten Orten im Stadtgebiet mit insgesamt 30 Säulen.
■ Über 70 Partnersäulen vor den Veranstaltungsorten, die die Projekte ankündigen und den Bezug zum Rahmenthema herstellen.
■ periodische Großflächenwerbung in Partnerschaft mit der Wall AG im Stadtgebiet, auf Bahnhöfen, kommerziellen Litfaßsäulen und City Light Postern, letztere als Sponsoring.
Weitere Formen der Publikumsansprache sind:
■ Das große Mit-mach-Projekt für Jugendliche mit Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung und allen Berliner Schulen und Jugendeinrichtungen: Hier wird – auch über die sozialen Medien – dazu aufgerufen, Smartphone-Filme zu den Themen dieses Jahres, sei es in der Rückschau oder hinsichtlich dessen, was den jungen Menschen Vielfalt heute und die NS-Verbote von damals (»Du darfst nicht Deine Musik hören«, »Du darfst Deine Freunde nicht mehr treffen« etc.) für ihr Leben bedeuten, mit eigener spezieller Website (s.a. z.B. www.youtube.com/user/UnsereVielfalt2013).
■ Mit der sogenannten »Portalausstellung« im DHM wurde dem dezentralen Grundcharakter des Themenjahres Rechnung getragen. Anders als bei den üblichen zeitgeschichtlichen Ausstellungen handelt es sich hier nicht darum, dass Kuratoren ein Thema abhandeln, sondern darum, dass mehr als 40 Projekte zum Themenjahr in einem Rahmen mit den entsprechenden thematischen Bezügen zu den jeweiligen Ereignissen
und Sachverhalten von Berlin im NS an einem zentralen Ort vorgestellt werden, mit dem Ziel, das Publikum für eben diese anderen Veranstaltungen (vom Schicksal Farbiger oder wegen Homosexualität verfolgter Berlinerinnen und Berliner, über Chansonabende zu jüdischen Komponisten, die Gleichschaltung der Berliner Presse über die Emigration aus Berlin bis hin zum »Bleiben und der Rückkehr« von Berliner Jüdinnen und Juden nach Kriegsende) einzuladen.
■ Ein Booklet-Beileger in der größten Berliner Programmzeitschrift, Programmfolder und je 1000 Postkarten für alle Veranstaltungen.
■ Eine enge Kooperation mit »visit Berlin«, u.a. die Verteilung von Programmbooklets und Postkarten in den vier Berlin Tourist Infos an den zentralen Orten in der Stadt, aktive Einbindung des Themenjahres im Internet, Kooperation bei der Pressearbeit besonders der Betreuung der Auslandspresse mit allen Projektpartnern.
■ Apps und internetbasierte Downloads zur NS-Geschichte (Kurfürstendamm, Zwangsarbeit, Jüdisches Berlin, Stolpersteine, Orte der NS-Geschichte, Biografien Verfolgter und Ermordeter u.a.m.), um digital geleitet auf den Spuren der Geschichte durch die Stadt wandern zu können.
■ Die Virtuelle Karte von Berlin im NS mit allen Veranstaltungs- und NS-Orten, den Stolpersteinorten sowie verorteten jüdischen Biografien unter www.berlin.de/2013.
■ Die rbb-Reportage-Reihe »Wegmarken« als Beitrag des rbb-Inforadios zum Themenjahr. (www.inforadio.de/dossier/projekt_wegmarken/wegmarken___berlin.html)
■ Die Berliner Morgenpost veröffentlicht täglich Zeitungsmeldungen aus den 1930er Jahren in Kooperation mit dem Projektpartner Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus.
Fördermittel
Wie ist so etwas zu finanzieren? Vor 30 Jahren, zum 50. Jahrestag, wurde keine öffentliche Förderung gewährt. Jetzt – mit einem gewandeltem gesellschaftlichem Bewusstsein – aber gab es erstmals öffentliche Unterstützung mit einem »Matching-Fonds« (eine Grundfinanzierung bis zu 15 000 €, mit denen weitere Mittel anderswo eingeworben werden konnten) des Hauptstadtkulturfonds für jurierte Projekte (400 000 €)
sowie Mittel der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin (2,5 Millionen €) für die Open-Air-Projekte, die Portalausstellung, die zentrale Pressearbeit, die Rahmenkoordination und -werbung durch die landeseigene Kulturprojekte Berlin GmbH für alle Projekte. Einwerbung weiterer Sponsorenmittel in mindestens der gleichen Höhe erfolgte durch die Projekte wie auch die Kulturprojekte Berlin GmbH. Die Kulturprojekte Berlin übernahmen für die Projekte auch die Einholung der erforderlichen öffentlichen Genehmigungen und die generellen Freistellungen/Ermäßigungen bei großen Bildrechteinhabern.
Erste Rückmeldungen (nach über drei Monaten Laufzeit) von den Veranstaltern und teilnehmende Beobachtung zeigen, dass die als Ziel gesetzte Erschließung neuer Publikumsschichten für das Thema wie auch für die beteiligten Projekte durch die in der breiten Themenfülle und der dezentralen Struktur angelegten verschiedenen Zugangsmotivationen erfolgreich umgesetzt werden kann. Bleibt das so, können bis zum Ende
des Themenjahres mehr als 4 Millionen Besucherkontakte erwartet werden. Die Quantität der Ansprache ist das Eine. Gemeinsam mit den Projektpartnern soll jedoch Anfang nächsten Jahres eine Evaluation versucht werden, was mit dem Themenjahr qualitativ erreicht werden konnte. Wer wurde erreicht? Was hat das Publikum mitgenommen aus den Veranstaltungen? Haben sich Einstellungen geändert? Das und mehr werden die Fragen sein, denen nachgegangen werden soll, um daraus auch Konsequenzen für die zeitgeschichtliche Bildungsarbeit im 21. Jahrhundert in Berlin zu ziehen.
Die oben angeführten neuen bzw. erweiterten Gedenkorte und die historischen Markierungen (sowie derzeit mehr als 250 Biographien) werden ebenso wie der im Juni 2013 verlegte 5 000. Berliner Stolperstein (und die Standorte aller Stolpersteine mit den – soweit vorhanden – entsprechenden Biografien) auf der nachhaltigen virtuellen NS-geschichtlichen Berlin-Karte (unter www.berlin.de/2013) auch künftig die Berliner
Geschichtslandschaft bereichern und erschließen. Vieles wäre ohne das Themenjahr nicht oder vielleicht noch nicht auf den Weg gebracht worden. Eine überaus umfängliche Berichterstattung in den regionalen, den überregionalen sowie vor allem in den internationalen Medien hätte nicht oder nicht so ausführlich stattgefunden und viele Tausend Menschen, die dieses Themenjahr vorbereitet haben und es als in der einen oder anderen Weise Aktive tragen, wären nicht in dieser Weise mobilisiert, durch die öffentliche Aufmerksamkeit belohnt und für die weitere Arbeit motiviert worden, würde ein solches Themenjahr in der deutschen Hauptstadt nicht stattgefunden haben.
Das Projekt hat ganz offenbar auch an anderen Orten, wie z.B. in Lübeck oder Potsdam Anregung gegeben und Mut gemacht, sich ebenfalls den historischen Daten mit entsprechenden Veranstaltungen zu widmen. Damit wäre viel erreicht für die politische Bildung und den nachhaltigen Ausbau der Erinnerungslandschaft.
Die Homepage für dieses Veranstaltungsprogramm lautet: www.berlin.de/2013
Rainer E. Klemke leitete seit 1995 das Gedenkstättenreferat der Berliner Kulturverwaltung und war als solcher am Aufbau und Ausbau der Berliner Erinnerungslandschaft maßgeblich beteiligt. Seit September 2012 im Ruhestand, arbeitet er in der Projektleitung des Berliner Themenjahres »2013 – Zerstörte Vielfalt« und leitet den Runden Tisch zum künftigen Gedenkort Rummelsburg in Berlin-Lichtenberg.