Im GedenkstättenRundbrief Nr. 166 habe ich in dem Beitrag: »Überlegungen zur Verbesserung der Koordination der Gedenkstätten für NS-Opfer in Deutschland. Vom bundesweiten Gedenkstättenseminar zur Gedenkstättenkonferenz«[1] auf die Überlegungen hingewiesen, die Struktur der seit 1984 zweimal jährlich stattfindenden bundesweiten Gedenkstättenseminare zu ändern. Im letzten Kalenderjahr ist die neue Struktur nun zum ersten Mal umgesetzt worden. Im Juni hat in Berlin das bundesweite Gedenkstättenseminar mit dem Titel »Don’t forget and don’t repeat. Der Gegenwartsbezug in der Bildungsarbeit an Gedenkstätten«[2] mit pädagogischem Schwerpunkt stattgefunden. Weit über 100 Personen haben an der Veranstaltung teilgenommen.
Ende September wurde die zweite bundesweite Koordinierungsveranstaltung im Kalenderjahr 2012 durchgeführt. Diese Veranstaltung war nicht frei ausgeschrieben. Stattdessen waren Delegationen der in mehreren Bundesländern bestehenden Gedenkstätten-Arbeitsgemeinschaften, Vertretungen der Bundes- und Landeszentralen für politische Bildung, soweit sie für die Gedenkstättenarbeit in dem jeweiligen Bundesland zuständig sind, der Arbeitsgemeinschaft KZ-Gedenkstätten in Bundes- und Landesträgerschaft, verschiedener Landes-Gedenkstättenstiftungen und einiger bedeutender Gedenkstätten, die in keinem der Verbünde vertreten sind, sowie Abordnungen von inhaltlich bezogenen Arbeitsgemeinschaften, wie beispielsweise der Arbeitsgemeinschaft Gedenkstättenpädagogik, vertreten – insgesamt etwa 50 Personen. Diese Veranstaltung trug den Titel: »Gegenwart und Zukunft der Gedenkstätten für Opfer des NS-Regimes in Deutschland: Eine Standortbestimmung«. Für diese Veranstaltungsvariante hat sich der Begriff »Gedenkstättenkonferenz« durchgesetzt.
Das offen ausgeschriebene Gedenkstättenseminar im Juni hat deutlich gemacht, dass es weiterhin ein großes Interesse an diesen Veranstaltungen gibt. Die Mischung der Teilnehmenden aus langjährigen Mitarbeitenden in Gedenkstätten, Personen, die an dem bestimmten Thema in ihrer Region interessiert sind und neu Interessierten, vor allem Studierenden geisteswissenschaftlicher Fachbereiche, bietet neben der inhaltlichen Fortbildung eine sehr gute Möglichkeit, sich mit dem Genre vertraut zu machen. Dennoch kann diese Seminarform aus Kapazitätsgründen zunächst nur einmal pro Jahr durchgeführt werden. Wie hier im Rundbrief im Detail beschrieben, wird sich das nächste bundesweite Gedenkstättenseminar im Juni in Weimar mit dem Thema »Neue Medien in Gedenkstätten« befassen.
Darüber hinaus kann auf viele weitere Veranstaltungen im Bereich der Gedenkstätten und Erinnerungskultur hingewiesen werden, die entweder regional auf Landesebene oder thematisch von vielen anderen Trägern angeboten werden.
Die bundesweite Gedenkstättenkonferenz wird ebenfalls fortgesetzt – so zumindest das eindeutige Votum der im letzten Herbst Anwesenden. Durch die gezielte Einladung sind eine konzentriertere Absprache und Verabredungen über inhaltliche und gedenkstättenpolitische Aktivitäten möglich, in die die Vertretungen von Gedenkstätten, Institutionen und Organisationen eingebunden sind, die täglich daran arbeiten. Beim ersten Anlauf im letzten Herbst haben sich die Anwesenden über grundsätzliche Fragestellungen ausgetauscht. Der inhaltliche Diskurs hat sich mit der Zukunft von Gedenkstätten angesichts der in den letzten Jahrzehnten eingetretenen Professionalisierung, den gestiegenen Erwartungen und der Übertragung von Aufgaben vonseiten der Politik und Öffentlichkeit und den Möglichkeiten, auch weiterhin bürgerschaftliches Engagement einzubinden. Ein zweites Thema war, ob und inwieweit sich angesichts der zunehmenden zeitlichen Distanz der Vergleich und die Bearbeitung anderer Staats- und Menschenrechtsverbrechen zu der Aufklärung über die NS-Verbrechen verhalten werden. Methodisch wurden die Themen mit Impulsreferaten aus unterschiedlicher Perspektive eingeführt und in gemischten Gruppen mit externer Moderation diskutiert.
Es war das gemeinsame Verständnis vorhanden, diese prinzipiellen Fragestellungen zu vertiefen, bevor über Konsequenzen entschieden werden kann. Als weiteres Thema wurde über die Fördermöglichkeiten durch das Bundesgedenkstättenkonzept diskutiert. In der Diskussion wurde offensichtlich, dass die damit verbundene Gedenkstättenförderung für viele Gedenkstätten die Möglichkeit erbracht hat, sich weiterzuentwickeln und zu professionalisieren. In der Zwischenzeit gibt es jedoch zunehmend Probleme, die ein Nachdenken über andere Fördermöglichkeiten notwendig machen. Hier wurde als erstes die aus staatsrechtlichen Gründen notwendige inhaltliche Förderbegründung der bundesweiten Bedeutung oder zumindest des exemplarischen Charakters genannt. Die Einhaltung dieser Förderrichtlinie wird in neuen Anträgen immer fraglicher. Die finanzielle Bedingung, aus den Bundesländern mindestens 50% der gesamten Fördersumme zu akquirieren, ist zunehmend schwerer umzusetzen. Last, but not least bringt die Projektförderung Probleme mit sich, da die Tätigkeit der Gedenkstätten, vor allem im Bildungsbereich, eine ständige Aufgabe ist, die mit zeitlich befristeten Maßnahmen nicht nachhaltig zu bewerkstelligen ist.
Von den Teilnehmenden wurde positiv vermerkt, dass das Wissen über die Handhabung der Gedenkstättenförderung in den verschiedenen Bundesländern sehr hilfreich ist.
Die Form der Gedenkstättenkonferenz muss sich in Zukunft weiterentwickeln. Ein Team, zusammengesetzt aus Mitarbeitenden in den verschiedenen Bereichen der Gedenkstättenarbeit, bereitet die nächste Konferenz vor, die im September in Rheinland-Pfalz stattfinden wird. Das Interesse an der Art und Weise der Kooperation in einem eingeladenen Kreis von Delegierten hat seit der Einführung schon zu Aktivitäten geführt, die darauf hinweisen, dass der eingeschlagene Weg richtig ist. So hat sich regional im Bundesland Schleswig-Holstein eine weitere Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten gegründet und auf der Ebene ähnlicher organisatorisch-inhaltlicher Arbeitszusammenhänge ist ein Zusammenschluss von im Auftrag kirchlicher Träger in Gedenkstätten tätiger Personen dabei, sich zu etablieren.
In ein bis zwei Jahren soll noch einmal überprüft werden, ob diese Form der Aufteilung der bundesweiten Koordinierungstreffen in ein offen ausgeschriebenes Seminar und eine eingeladene Konferenz zielführend ist oder ob es bessere Formen zur Koordination und Zusammenarbeit der Gedenkstätten für NS-Opfer geben kann.
Dr. Thomas Lutz ist Gedenkstättenreferent der Stiftung Topographie des Terrors.
1 der Beitrag ist auch im online-Gedenkstättenforum (www.gedenkstaettenforum.de; rubrik »Gedenk-
stättenrundbrief«) zu finden.
2 Materialien dieses Seminars sind im Gedenkstättenforum zu finden.