Der Ort Chelmno wird zwar in Gesamtdarstellungen zum Holocaust erwähnt, es gab aber bisher keine eigens diesem Lager gewidmete Veröffentlichung, jedenfalls nicht im deutschsprachigen Raum.
Das ist umso verwunderlicher, als das Lager, als es im Dezember 1941 seine mörderische Tätigkeit aufnahm, das erste Vernichtungslager war und somit den Übergang von der Judenverfolgung und örtlichen Mordaktionen zur systematischen, fabrikmäßig betriebenen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung Europas markiert.
In Chelmno am Ner wurden im Zeitraum von Dezember 1941 mit einer Unterbrechung bis zum Juli 1944 schätzungsweise zwischen 170000 bis 250000 Juden aus dem »Warthegau«, zum großen Teil aus dem Ghetto Lodz, Sinti und Roma, Kinder aus Lidice, sowjetische Kriegsgefangene und Polen umgebracht, die der »Germanisierung« dieses Raumes im Wege standen. Das Lager wurde am 18. Januar 1945 mit der Ermordung der letzten verbliebenen Häftlinge aufgelöst.
Die Ermordung erfolgte in Lastwagen, in deren hermetisch abgedichteten Kastenaufbauten die Auspuffgase geleitet wurden. Die Opfer wurden in einem nahe gelegenen Wald z.T. verbrannt und in Massengräbern verscharrt.
Der Herausgeber betont, dass das vorliegende Buch keine wissenschaftliche Monographie darstellt, sondern die, durch viele Berichte von Überlebenden und Zeitzeugen erhärtete Beschreibung des Geschehens.
»Chelmno/Kulmhof – Ein vergessener Ort des Holocaust?«
Manfred Struck (Hrsg.) – ISBN 3-86077-933-8 – 2001 – 160 Seiten
Das Buch ist zu beziehen für DM 15,- bei Gegen Vergessen – Für Demokratie
Stauffenbergstr. 13–14 · 10785 Berlin · FAX: 030/26995010.