Braunschweig - eine Stadt in Deutschland erinnert sich

04/1999Gedenkstättenrundbrief 88, S. 3-9
Frank Ehrhardt

Eine interessante Lösung auf die Frage, wie mit einer Gedenkstätte an ein KZ-Außenlager erinnert werden kann, wurde im vergangenen Jahr in Braunschweig realisiert. Die Künstlerin Sigrid Sigurdsson initiierte einen Prozeß kollektiver Erinnerungsarbeit in der Stadt, der weniger auf die gegenständliche Gestaltung eines Denkmals als auf die Partizipation der Bürger zielte.

Mehr als 160 Jahre Denkmalpolitik

1837 wurde das Schill-Denkmal eingeweiht, das damals südöstlich der Stadt lag und sich heute nicht weit vom Hauptbahnhof am Rande der Innenstadt befindet.

Das der Denkmalsetzung zugrundeliegende Ereignis war die Hinrichtung von 14 Soldaten 1809, die sich dem Freikorps des preußischen Majors Ferdinand von Schill angeschlossen hatten. Dieses gegen die »französische Herrschaft in Deutschland« kämpfende Freikorps hatte ohne Befehl des preußischen Königs militärische Aktionen in Norddeutschland begonnen, die die im Kampf gegen Napoleon stehenden österreichischen Truppen entlasten sollten. Es wurde von einer mit den Franzosen verbündeten Übermacht in Stralsund gestellt und besiegt. Der Anführer Ferdinand von Schill fiel. Die gefangengenommenen Freischärler wurden Richtung Frankreich deportiert. In der westphälischen Departementhauptstadt Braunschweig wurde ein Militärtribunal eingesetzt, das 14 ausgewählte Soldaten zum Tode verurteilte, die Untertanen des von Napoleon gebildeten Königreichs Westphalen waren.

Waren die Aktionen des Schillschen Freikorps bei den Zeitgenossen noch sehr umstritten gewesen, hatte sich die deutsche Nationalbewegung, als man die Gebeine der Hingerichteten 26 Jahre später fand, inzwischen stark entwickelt. Der Schriftsteller Friedrich Carl von Vechelde ergriff die Initiative, ein Denkmal zur Erinnerung an Schill und seine Mitstreiter zu setzen, und fand breite Unterstützung bei patriotisch gesinnten Fürsten und Bürgern. Im Fundament des Denkmals wurden die sterblichen Überreste der Soldaten und das in der Universität Leiden aufgefundene Haupt Ferdinand von Schills beigesetzt. Ein eisernes Kreuz mit der Inschrift »Sie fochten und fielen für Deutschlands Freiheit« krönte den Denkmalskörper. Dem Beispiel ähnlicher Gedenkstätten folgend wurde die Anlage durch ein »Invalidenhäuschen« komplettiert, das ein Veteran bezog, der die Anlage pflegte und ein kleines Museum mit Erinnerungsstücken an die »Befreiungskriege« betreute.

Der jeweilige Zeitgeist prägte die Gedenkfeiern der folgenden Jahrzehnte: So waren für die Redner bei einer Feier 1909 die Schillschen Soldaten Vorkämpfer der Bismarckschen Reichsgründung, und 1933 wurde eine Traditionslinie vom Schillschen Freikorps zu den Beteiligten des sogenannten Ruhrkampfes gegen die französische Besetzung 1923–25 und den Männern der SA und SS konstruiert.

Das KZ-Außenlager Schillstraße

Ab September 1944 wurde auf dem an die Denkmalsanlage angrenzenden Grundstück ein Gefangenenlager errichtet. Zuvor hatte der LKW-Produzent Büssing KZ-Häftlinge als Arbeitskräfte für die Produktion angefordert. Zwei Beauftragte der Firma waren dazu im Sommer nach Auschwitz gereist und hatten 1000 bis 1200 Häftlinge für den Arbeitseinsatz ausgewählt. Es handelte sich um polnische Juden, die zuvor im Ghetto Lodz gewesen waren. Aus dem KZ-Stammlager Neuengamme, dem das neue Außenlager unterstellt wurde, kam ein Voraustrupp, der überwiegend aus französischen Häftlingen bestand. Dieser begann mit dem Aufbau der vier Häftlingsbaracken und einer außerhalb der Lagerumzäunung gelegenen SS-Baracke. Auch das erste eintreffende Häftlingskommando aus Auschwitz wurde noch beim Lageraufbau eingesetzt und vorübergehend in einem anderen Wohnlager der Firma Büssing einquartiert. Mitte Oktober und Mitte November trafen weitere Transporte ein, die auf das Lager an der Schillstraße und ein Nebenlager bei einem Verlagerungsbetrieb von Büssing in Vechelde verteilt wurden. Die SS-Wachmannschaft hatte eine Stärke von 25 bis 50 Leuten und stand unter dem Kommando des SS-Untersturmführers Max Kierstein. Die Zahl der Häftlinge in der Schillstraße betrug etwa 800.

Die Mortalität im Lager war hoch. Dabei stimmen mehrere Berichte überein, daß die aus Auschwitz kommenden Häftlinge schon nach dem Bahntransport sehr entkräftet waren. Bei Büssing wurde in Zwölfstunden-Schichten überwiegend in der Ersatzteilfabrikation gearbeitet. Die tägliche warme »Suppe« stammte aus der »Russenküche« der Firma Büssing, die kalte Verpflegung kam durch die SS zur Austeilung, wobei man davon ausgehen muß, daß hierbei in erheblichem Umfang Lebensmittel unterschlagen wurden. Die Zahl der aufgrund dieser Lagersituation getöteten Gefangenen wird auf mehrere Hundert geschätzt. Die einzige präzise Angabe ist die Aufstellung eines Bestattungsinstituts über den Transport von 80 Leichen im Zeitraum 15. 1. 45 bis 20. 3. 45.

Anfang 1945 wurde das Außenkommando in mehreren Schritten aufgelöst, und die Gefangenen wurden in das Lager Watenstedt/Leinde im heutigen Stadtgebiet von Salzgitter transportiert. Von dort führte am 7.4.45 die mehrtägige Irrfahrt eines »Evakuierungszugs« nach Ravensbrück und weiter nach Wöbbelin und Ludwigslust.

Bereits Ende 1945 nahmen deutsche Dienststellen im Auftrag der britischen Besatzungsmacht Ermittlungen auf, um die Verantwortlichen für die Todesfälle zu finden. Verhört wurden Betriebsangehörige der Firma Büssing und – wenige – befreite Häftlinge. Der Generaldirektor der Werke, Egger-Büssing, gab an, daß er zwar von den Todesfällen im Lager wußte, aber keine Veranlassung sah, sich um die Todesursachen zu kümmern, »denn erstens kamen während der Kriegsjahre Todesfälle vor und zweitens hatte ich ganz andere Aufgaben.« Das Verfahren wurde ohne Ergebnis 1948 von der War Crimes Group eingestellt.

Die Umwidmung

Die Steinbaracken des Lagers waren in den Nachkriegsjahren zu Wohn- und Gewerbezwecken genutzt worden. Derweil betrieben die Braunschweiger Kriegervereine und Regimentskameradschaften mit Erfolg die Erneuerung der Denkmalsanlage und eine Umwidmung des Schilldenkmals: 1955 wurde es durch die Anbringung weiterer Gedenktafeln »dem Gedächtnis tausender Soldaten neu geweiht […] – welche den hier aufgezeigten Truppenteilen angehörten, an den Fronten des Krieges 1939–1945 gekämpft haben, gefallen, vermißt sind oder aus der Gefangenschaft nicht zurückkehrten«. Bedenken, mit der Umgestaltung des Denkmals die Wehrmachtssoldaten in die Tradition der Befreiungskriege zu stellen, scheinen – auch bei der beteiligten Stadtverwaltung – nicht bestanden zu haben. Eine bemerkenswerte Verdrängungsleistung ist außerdem die Tatsache, daß die benachbarten Baracken des KZ-Außenkommandos keine Zweifel an der Eignung des Ortes für ein Gedenken an gefallene Soldaten aufkommen ließen.

Das neugeweihte Schilldenkmal wurde in den folgenden Jahren Standortehrenmal der Bundeswehr. Seit Ende der 60er Jahre fanden hier die alljährlichen Volkstrauertagsveranstaltungen der Stadt und des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge statt. Die Erinnerung an das KZ-Außenlager spielte hingegen in der Öffentlichkeit keine Rolle. Die Baracken waren beim Neubau der Hauptbahnhofs abgerissen worden.

Seit Mitte der 80er Jahre wiesen verschiedene Publikationen auf die Geschichte des KZ-Außenlagers hin. Eine provisorisch angebrachte Erinnerungstafel war allerdings bald wieder verschwunden. Mitte der 90er Jahre eskalierte die Situation, als sich die Teilnehmer der Volkstrauertagsveranstaltung mit Gegendemonstranten aus verschiedenen antifaschistischen Gruppierungen konfrontiert sahen. Es kam zu Handgreiflichkeiten, Polizeieinsatz und Gerichtsverfahren.

Auf Initiative der IG Metall wurden die Beteiligten zu einem Gespräch am Runden Tisch geladen. Eine Veröffentlichung des Arbeitskreises Andere Geschichte und des Volksbundes half, daß die historischen Fakten nicht mehr abgestritten werden konnten. Im Dezember 1995 beschloß der Rat der Stadt die Errichtung eines Mahnmals für die Opfer des Außenkommandos. Auch der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge rückte letztlich vom Schilldenkmal als Ort der Kranzniederlegungen ab.

Die Gedenkstätte KZ-Außenlager Schillstraße

Bei den nun aufgenommenen Beratungen wurde als Ort für das neu zu errichtende Mahnmal das frühere Lagergelände und damit die räumliche Nähe des Schilldenkmals empfohlen. Das Spannungsverhältnis zwischen historischem Schilldenkmal, seiner Umwidmung von 1955 und dem neuen Mahnmal für die Opfer des KZ-Außenlagers wurde als produktiv verstanden, da die Irritation über die unterschiedlichen Denkmalsetzungen Anlaß sein könnte, über die Deutung deutscher Geschichte an diesem Ort nachzudenken. Allerdings wurde ein Element der Sachinformation als wichtig angesehen.

Die Stadt lud sechs Künstler zu einem Wettbewerb für den Entwurf des Denkmals. Eine dreiköpfige Jury aus Kunstsachverständigen wählte aus den eingegangenen Konzepten einen Entwurf der Hamburger Künstlerin Sigrid Sigurdsson zur Realisierung aus. Die städtischen Gremien folgten diesem Votum.

Von Sigrid Sigurdsson, 1943 in Oslo geboren, sind vor allem zwei Arbeiten bekannt, die sich mit der jüngeren deutschen Geschichte, ihrer Materialisierung in Schriftstücken, Zeichnungen, Fotografien, Alltagsobjekten und der Kommunikation hierüber befassen: Im Karl-Ernst-Osthaus-Museum in Hagen ist seit 1988 in einem Raum die Installation »Vor der Stille« zu sehen. In archivartigen Regalen sind mehr als 700 von der Künstlerin gestaltete Folianten mit Aufzeichnungen und Dokumenten, Bücher und Schaukästen gelagert. Eine Hierarchie oder eine strukturierende Ordnung ist in der Sammlung nicht zu erkennen. Der Ort will wie ein Gedächtnis funktionieren, das vieles aufgenommen hat und dem Besucher, der die Exponate einsehen kann, eine Vielzahl von Zugängen erlaubt bis hin zu der Möglichkeit, in Besucherbüchern oder entleihbaren Reisebüchern eigene Aufzeichnungen zu ergänzen.

1994 begann die Künstlerin ein neues Projekt in Polen: An die Bürgermeister von 24 Gemeinden bei Gdansk, die 50 Jahre zuvor von einem Todesmarsch der Häftlinge des KZ Stutthof berührt wurden, übergab Sigrid Sigurdsson mit leerem Papier gefüllte Leinenkassetten. Die Künstlerin warb vor Ort für ihr Anliegen, Erinnerungen in den Kassetten niederzuschreiben. In einer Reihe von Ortschaften fanden sich Zeitzeugen, die dazu bereit waren. Am 8. Mai 1995 wurde das so entstandene offene Archiv »Das Fragment ist ein kleines Ganzes« in Gdansk der Öffentlichkeit präsentiert. Die 24 Ortskassetten ergänzten Kassetten mit personenbezogenen Einzeldokumentationen, einer Sammlung historischer Texte und Reden sowie Vitrinen mit einer Vielzahl zeitgenössischer Fundobjekte. Im Unterschied zur Installation »Vor der Stille« treten in dem Danziger Projekt die Arbeiten der Künstlerin jedoch eher in den Hintergrund. Sie arbeitete vielmehr als Moderatorin eines Prozesses, der sich immer mehr verselbständigte. Seit 1997 wird das Archiv in einem eigenen Raum des Rathauses von Gdansk aufbewahrt.

Der in Braunschweig realisierte Wettbewerbsbeitrag von Sigrid Sigurdsson schließt an diese Vorarbeiten an.

Die bauliche Gestaltung der Gedenkstätte KZ Schillstraße ist zurückhaltend: Ein gemauertes Podest ist an der Nahtstelle zwischen dem historischen Schilldenkmal und dem neuen Mahnmal errichtet. Es erlaubt dem Besucher den Blick über die Betonmauer, die die Denkmalsanlage gegen den benachbarten Posthof begrenzt. Das heutige Postgelände ist das frühere Lagergelände. Bauliche Relikte des KZ-Außenlagers sind nicht zu erkennen. An einem Postgebäude ist eine blaue Leuchtschrift angebracht, die mit dem Satz »Die Zukunft hat eine lange Vergangenheit« eine rabbinische Weisheit wiedergibt.

An der Begrenzungsmauer sind mehr als zweihundert Aluminiumtafeln installiert. Im Zentrum befinden sich mehrere Informationstafeln zur Geschichte des Lagers Schillstraße und zur Biographie einzelner Häftlinge. Die Mehrzahl der Metalltafeln ist noch nicht bedruckt. Verwiesen wird so auf den erst begonnenen Prozeß der Erinnerung. Aus dem von Frau Sigurdsson initiierten offenen Archiv »Braunschweig – eine Stadt in Deutschland erinnert sich« sollen allmählich Texte ergänzt werden.

Das offene Archiv

Bestandteil der Denkmalskonzeption von Frau Sigurdsson ist der Aufbau eines offenen Archivs. Dazu wurden analog dem Danziger Vorbild großformatige, leinenbezogene Kassetten, die mit jeweils 300 Schreibbögen gefüllt waren, im Frühjahr 1997 an einzelne Zeitzeugen, Parteien, Kirchen und gesellschaftliche Gruppen, Firmen, Institutionen der Geschichtsforschung und -vermittlung vergeben. Die Zahl dieser Kassetten wuchs bald auf fast 70. Die Empfänger wurden von Frau Sigurdsson und den das Projekt engagiert begleitenden Mitarbeiterinnen des städtischen Kulturinstituts einzeln aufgesucht und aufgefordert, Erinnerungen an das KZ-Außenlager und die Zeit des Nationalsozialismus in Braunschweig aufzuzeichnen, Gedanken und Stellungnahmen zu formulieren. Über das Vorhaben berichtete die Lokalpresse ausführlich, das Kulturinstitut und die Künstlerin hielten Kontakt zu den Mitwirkenden.

In der zweiten Hälfte 1998 wurden die Kassetten zurückgefordert. Das Ergebnis war beachtlich: In allen Kassetten fanden sich Aufzeichnungen der jeweiligen Adressaten. Dabei war der Umfang der Schriften und eingefügten Dokumente sowie Gegenstände sehr unterschiedlich. In einzelnen Fällen brachten wenige formelhafte Sätze im Grunde eine Zurückweisung der Aufforderung zur Auseinandersetzung mit der lokalen Geschichte zum Ausdruck. Andere, bis zur letzten Seite gefüllte Kassetten lassen jedoch einen intensiven, über Monate andauernden Arbeitsprozeß erkennen.

Seltener – aber dennoch vorhanden – waren autobiographische Aufzeichnungen. Mehrere Institutionen befragten Zeitzeugen, wobei die Ergebnisse z.T. als Video oder Tonkassette festgehalten wurden. Häufig waren Materialsammlungen mit unterschiedlichen Dokumenten, Zeitungsberichten, Briefwechseln und zeitgenössischen Fotos. Verbreitet legten Institutionen ihre Veröffentlichungen und Drucksachen der letzten Jahrzehnte als Verweis auf bisherige Aktivitäten in die Kassette. Auch einzelne Personen meldeten sich beim Kulturamt mit dem Angebot der Mitwirkung.

Die angesprochenen Themen waren sehr vielseitig. Nur wenige Beteiligten engten ihr Anliegen auf die Dokumentation der Geschichte des KZ-Außenlagers ein.

Kindheitserlebnisse wurden reflektiert, das bestehende Defizit der Lokalgeschichte zur Verfolgung der Homosexuellen aufgezeigt, Dokumente zur Auflösung einer Freimaurerloge eingefügt. Unterlagen eines Vertrauensmanns der Reichsvereinigung der Juden in Stadtoldendorf trafen überraschend ein. Ein Vertreter des katholischen Widerstands wurde gewürdigt, gewerkschaftliche und sozialdemokratische Verbandsgeschichte dokumentiert. Ein Enkel des Generaldirektors Egger-Büssing äußerte sich zu seiner Wahrnehmung des Großvaters. Ein früherer Häftling des KZ-Außenlagers ließ ein langes Interview über seinen Lebensweg aufzeichnen.

Ebenso erfreulich wie die vielfältigen Anstrengungen um die Darstellung der lokalen NS-Geschichte bei der Füllung der Kassetten des offenen Archivs war auch das Interesse an den Ergebnissen. Schon die Eröffnungsveranstaltung der Ausstellung des Archivs in der Burg Dankwarderode, zu der Michel Friedman als Hauptredner gewonnen wurde, hatte ungewöhnliche Publikumsresonanz. In den folgenden vier Wochen nutzten 6000 Menschen die Möglichkeit, in einem Saal der Burg das Archiv kennenzulernen und in einzelnen Kassetten zu blättern. Einzelne Leser blieben für Stunden.

Perspektiven

Die Unterbringung und Weiterführung des offenen Archivs nach Ablauf der Ausstellung war nun eine Frage, die die städtischen Gremien beschäftigte. Sie folgten einer Vorlage der Kulturverwaltung, die die Unterbringung der Kassetten des offenen Archivs im früheren Invalidenhäuschen auf dem Gelände der Gedenkstätte befürwortete. Durch einen Umbau soll in diesem Gebäude ein 34qm großer Leseraum entstehen sowie ein kleinerer Archiv- und ein Büroraum. Besucher der Gedenkstätte sollen hier die Möglichkeit finden, die Kassetten einzusehen.

Die Betreuung der Einrichtung wird der seit Jahren durch die Stadt institutionell geförderte Arbeitskreis Andere Geschichte e.V. übernehmen. Berufliche und ehrenamtliche Mitarbeiter des Vereins werden diese Aufgabenstellung bestreiten.

Dabei ist einmal daran gedacht, das offene Archiv fortzuführen und zu ergänzen. Außerdem werden die Sammlungen aus Forschungsvorhaben des Arbeitskreises zur Regionalgeschichte des Nationalsozialismus an diesem Ort zugänglich. Eine Handbibliothek soll hinzukommen.

Hauptaufgabe ist die Betreuung der Besucher. Hierzu sind regelmäßige Öffnungszeiten vorgesehen. Außerdem sollen pädagogische Angebote wie Projektwochen, Workshops, Seminare auf das offene Archiv und seine Sammlung hinweisen. Eine besondere Aufgabe sieht der Verein in der Pflege von Kontakten zu in Braunschweig Verfolgten des NS-Regimes, ehemaligen Häftlingen der KZ-Außenlager und ihrer Angehörigen.

Durch die Weiterarbeit vor Ort soll die kollektive Erinnerungsarbeit in Braunschweig, die mit dem von Sigrid Sigurdsson initiierten offenen Archiv begonnen wurde, ihre Fortführung finden.

Literaturhinweis:

Liedke, Karl: Gesichter der Zwangsarbeit. Polen in Braunschweig 1939–1945, Braunschweig (Arbeitskreis Andere Geschichte)21998.

Vögel, Bernhild: Denkstätte Schillstraße. Materialien für Schule und Bildungsarbeit, Braunschweig (Jugendring) 1998.

Das von Sigrid Sigurdsson entwickelte künstlerisch-historische Projekt »Deutschland – Ein Denkmal« ist im Internet einzusehen: www.koem.de/denkmal/datenbank/welcome.html.