Aus der Geschichte lernen?

Achtmonatiges Kooperationsprojekt zur Frage der Aktualisierung in der historisch-politischen Bildung zum Nationalsozialismus in und bei Gedenkstätten
12/2006Gedenkstättenrundbrief 134, S. 22-23
Imke Scheurich

Am Jugendgästehaus Dachau wird derzeit ein ambitioniertes Kooperationsprojekt zwischen pädagogischen Mitarbeiter/innen aus Gedenkstätten und Bildungseinrichtungen bei Gedenkstätten einerseits und Kollegen/innen aus dem Feld der Demokratie- und Toleranzbildung andererseits umgesetzt. Projektpartner des Jugendgästehauses sind neben den Pädagogischen Abteilungen der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora und der Gedenkhalle Oberhausen das Fritz Bauer Institut sowie die Akademie Führung & Kompetenz am C.A.P. München. Das Projekt (Laufzeit Mai bis Dezember 2006) wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms »Entimon – gemeinsam gegen Gewalt und Rechtsextremismus« und dem Jugendgästehaus Dachau finanziert.

Die beteiligten Projektpartner/innen arbeiten an konzeptionellen Antworten auf die Frage, wie das Postulat der Aktualisierung in der historisch-politischen Bildung zum Nationalsozialismus – gerade in Verbindung mit Gedenkstättenbesuchen – im Rahmen von mehrtägigen Seminarkonzepten inhaltlich und methodisch sinnvoll eingelöst werden kann. Dazu war zunächst die Schnittmenge gemeinsamer Bildungsinhalte und –anliegen auszuloten und zu klären, ob sich die pädagogischen Grundverständnisse der beiden Bildungsbereiche miteinander vereinbaren lassen.

Nach Hospitationen, die aus der Perspektive der Demokratie- und Toleranzbildung bei »klassischen« Gedenkstättenseminaren durchgeführt wurden, diente eine gemeinsame Konzeptwerkstatt der Entwicklung von Seminarkonzepten, deren Inhalte bewusst über die Kenntnisvermittlung zum historischen Ort und Geschehen hinausgehen. So entstanden vier Testkonzepte mit Elementen aus den Demokratie- und Toleranzbildungsprogrammen »Betzavta – Miteinander«, »Achtung (+) Toleranz« und »Eine Welt der Vielfalt« (C.A.P.) sowie »Konfrontationen« (Fritz-Bauer-Institut). Diese werden zurzeit in den beteiligten Gedenkstätten praxiserprobt.

Zusätzlich zu den Planungs- und Auswertungstreffen der Projektpartner/innen, den Hospitationen und Testseminaren finden im Rahmen des Projekts zwei Fortbildungen für (freie) Mitarbeiter/innen der Einrichtungen sowie ein Fachtreffen statt. Die Projektbeteiligten gehen davon aus, dass in der ersten Projektphase von acht Monaten »nur« ein Zwischenergebnis zu erwarten ist, das gegen Ende des Jahres auf dem Fachtreffen vorgestellt und diskutiert werden soll. Das Gesamtprojekt wird nach dem Ansatz der »partizipativen Evaluation« ausgewertet und seine Ergebnisse werden sorgfältig dokumentiert. Eine Weiterarbeit an den Erkenntnissen aus der ersten Phase ist geplant.

Weitere Informationen bei:
Jugendgästehaus Dachau, Imke Scheurich, Telefon 08131-617713 oder scheurich@remove-this.jgh-dachau.de.