Das am Ulmer Stadtrand gelegene Fort Oberer Kuhberg, ein Teil der im 19. Jahrhundert errichteten Bundesfestung Ulm, in dem sich von 1933 bis 1935 das KZ Oberer Kuhberg befand, ist kein Ort, der zu längerem Aufenthalt einlädt. Nur wenige Räume sind beheizbar, etwa für die Arbeit mit Schülern und Studenten, und die vielen Maueröffnungen und undichten Fenster bieten kaum Schutz vor Kälte, Nässe, Insekten und kleinen Nagetieren, die beinahe ungehindert in das Gebäude eindringen können. An eine – konservatorisch sinnvolle – Lagerung historischer Materialien ist dort nicht zu denken.
Die Geschäftsstelle des Dokumentationszentrums Oberer Kuhberg (DZOK) befindet sich deshalb in angemieteten Räumlichkeiten in der Ulmer Innenstadt, nur wenige Gehminuten vom Ulmer Münster entfernt. Die Verankerung im »Herzen der Stadt« hat neben der besseren Infrastruktur für die Mitarbeiter auch konkrete Vorteile für Besucher und Nutzer des Dokumentationszentrums. So befinden sich in der Geschäftsstelle nicht nur Büroräume, sondern auch eine Präsenzbibliothek mit etwa 5 000 Büchern, das Archiv und ein Raum, der u.a. Platz für Zeitzeugengespräche, Besuche oder kleinere Veranstaltungen bietet. Hier sitzen auch die Benutzer von Archiv und Bibliothek, denn ein eigener Leseraum ist nicht vorhanden.
Das Ulmer Dokumentationszentrum, das 1977 nach jahrzehntelangem Ringen auf Betreiben der Lagergemeinschaft Heuberg-Kuhberg-Welzheim und engagierter Ulmer Bürger gegründet wurde, versteht sich nicht nur als Dokumentationsstelle für die Geschichte des KZ Oberer Kuhberg, sondern auch als ein zentraler Ort für die Dokumentation der frühen Konzentrationslager in Württemberg, zu denen vor allem das KZ Heuberg bei Stetten am kalten Markt, das institutionelle Vorgängerlager des KZ Oberer Kuhberg und die »Schutzhaftabteilung« für weibliche Häftlinge im Gefängnis Gotteszell gehörten. Neben allgemeinen Quellen zur Entwicklung dieser Lager sammelt das DZOK schwerpunktmäßig auch Materialien zu den Biografien der Männer und Frauen, die dort inhaftiert waren.
Ein weiterer großer Sammlungsschwerpunkt des DZOK als regionaler Geschichtsort für die NS-Zeit ist die Geschichte des Nationalsozialismus in der Region Ulm mit allen damit verbundenen Themenkomplexen. Dokumentiert wird darüber hinaus der Umgang mit dem Nationalsozialismus in der Ulmer Stadtgesellschaft nach 1945, die Geschichte der Lagergemeinschaft Heuberg-Kuhberg-Welzheim, die Entstehung der Gedenkstätte am Oberen Kuhberg und die Entwicklung und Arbeit des Dokumentationszentrums.
Die vorhandene Sammlung ist über vier Jahrzehnte entstanden. Der erste Aufruf zur Abgabe von historischen Materialien erfolgte bereits Anfang der 1970er-Jahre durch die Lagergemeinschaft Heuberg-Kuhberg-Welzheim. Seitdem ist das Archiv kontinuierlich gewachsen und fast jede Woche kommen neue Materialien hinzu. Die Abgaben reichen von einer einzelnen Postkarte oder historischen Fotos bis zu umfangreichen Nachlässen. Die Kontaktaufnahme ist unterschiedlich: Manchmal setzen sich die Leihgeber von sich aus mit dem DZOK in Verbindung oder bringen die Materialien einfach in die Geschäftsstelle. Zum Teil gehen die Mitarbeiter aber auch gezielt auf die Suche, sprechen Zeitzeugen oder deren Nachfahren an und bitten sie, Materialien zur Verfügung zu stellen. Obwohl, oder vielleicht auch gerade weil die Zeugen des Nationalsozialismus immer weniger werden, ist die Bereitschaft zur Übergabe von Archivmaterialien an eine geeignete Institution hoch. Insbesondere die Kinder- und Enkelgeneration ist bereit, private Unterlagen abzugeben und über ihre familienbiografischen Erfahrungen zu sprechen.
Das Archiv des DZOK umfasst aktuell etwa 70 Regalmeter Schriftgut, von denen bislang etwa 50 Meter erschlossen sind. Hinzu kommen circa 5 000 Fotos, 1 000 Bände zeitgenössische Literatur aus der NS-Zeit, eine recht umfassende Sammlung nationalsozialistischer Zeitungen und Zeitschriften, eine Plakat- und Flugblattsammlung und eine kleine museale Sammlung von circa 150 dreidimensionalen Objekten. Das Medienarchiv enthält zudem ungefähr 50 Zeitzeugeninterviews, die bis vor wenigen Monaten hauptsächlich auf Tonbandkassetten vorlagen, sowie einige historische Filmaufnahmen.
Die Bestände sind von einer großen Heterogenität geprägt, sowohl was Herkunft und thematische Zuordnung, aber auch Erscheinungsform und Erhaltungszustand angeht. Anders als in klassischen Archiven, wie etwa kommunalen und staatlichen Archiven, spielt Originalität eine geringere Rolle, das heißt bei einem Teil der Bestände handelt es sich nicht um Originale, sondern um Kopien, Scans oder Reproduktionen. Dies ist meist dann der Fall, wenn Leihgeber sich nicht von den Originalen trennen wollen. Für Archivare, die in klassischen Archiven ausgebildet wurden, mag dies zunächst seltsam erscheinen. Tatsächlich macht es in der alltäglichen Arbeit des DZOK aber kaum einen Unterschied, ob ein Original oder eine Kopie vorliegt, sofern die Kopie eine gute Qualität hat. Zum anderen stellt sich oft heraus, dass die im DZOK vorhandenen Kopien mittlerweile zu Unikaten geworden sind, weil die Menschen, die die Originale behalten haben, gestorben und ihre Hinterlassenschaften damit endgültig verloren gegangen sind.
Durch gezielte Recherchen gelangen außerdem regelmäßig Kopien aus anderen Archiven in das DZOK, die für Dokumentationszwecke und wissenschaftliche Arbeiten äußerst wertvoll sind. Diese Kopien dürfen – entsprechend den Archivordnungen der jeweiligen Herkunftsarchive – nur intern genutzt werden und sind externen Archivbenutzern nicht zugänglich.
Kernstück der Sammlung sind zum einen Hunderte Zeitzeugenberichte, die zum Teil als Audios, zum überwiegenden Teil aber als schriftliche Zeugnisse vorliegen, die zu verschiedenen Zeiten in unterschiedlicher Form und Intention angefertigt wurden. Zum anderen sind es Nachlässe und Deposita einzelner Personen – derzeit etwa 70 Stück –, die wie die gesamte Sammlung des DZOK eine große thematische Bandbreite abdecken. Neben Nachlässen ehemaliger Häftlinge der KZ Heuberg und Oberer Kuhberg und Mitgliedern der Lagergemeinschaft Heuberg-Kuhberg-Welzheim finden sich zum Beispiel Nachlässe von emigrierten jüdischen Ulmer Bürgern, ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern sowie Personen aus dem Umfeld der Weißen Rose. Im Sommer dieses Jahres wurde außerdem erstmals der Nachlass eines Sinto übergeben. Relativ neu ist, dass auch Nachlässe von aus der Region Ulm stammenden Tätern und Mitläufern angeboten werden. So erhielt das DZOK zuletzt den Nachlass des NSDAP-Ortsgruppenleiters für die Ortsgruppe Ulm-Kuhberg, Wilhelm Ziegler. Die insbesondere in den Nachlässen befindlichen »Egodokumente«, privaten Schriftstücke und Fotos, die die NS-Zeit aus der unmittelbaren Sicht der jeweiligen Personen widerspiegeln, sind Quellen, die in staatlichen oder kommunalen Archiven nicht zu finden sind. Die Sammlung des DZOK stellt deshalb eine wichtige Ergänzung zur städtischen Überlieferung im Ulmer Stadtarchiv dar.
In den Anfängen des DZOK wurden die gesammelten Materialien im Fort Oberer Kuhberg gelagert, was in konservatorischer Hinsicht denkbar ungünstig war. Abgesehen davon, dass die historischen Quellen dort nur schwer vor Schädlingen geschützt werden konnten, waren die Räume starken Temperatur- und vor allem Luftfeuchtigkeitsschwankungen unterworfen. Die Materialien wurden anfangs auch noch nicht richtig erfasst und die Herkunft nur lückenhaft festgehalten. Ziel des Sammelns war zunächst nicht die Einrichtung eines Archivs, sondern die Geschehnisse in den frühen württembergischen Konzentrationslagern zu dokumentieren und die Erinnerung an den regionalen Widerstand und seine Verfolgung wach zu halten.
Eine Professionalisierung der Arbeit, mit der auch eine Erweiterung des Themenspektrums einherging, setzte ein, als Anfang der 1990er-Jahre Räumlichkeiten in der Ulmer Oststadt angemietet wurden und im Rahmen von zwei Archivprojekten mit Unterstützung der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg eine Historikerin für insgesamt sechs Jahre angestellt werden konnte. Sie ordnete, erschloss und verzeichnete die Materialien in einer damals recht fortschrittlichen EDV-Datenbank und erstellte zwei Findbücher zu den Beständen. Durch Schenkungen von ausgemusterten Regalen, Schränken und Archivkartons von anderen Archiven und Bibliotheken konnte zum ersten Mal ein gesonderter Archivraum eingerichtet werden. Dessen Ausstattung war zwar nicht ideal – zum Beispiel waren und sind die Archivkartons nicht säurefrei – aber angesichts der geringen finanziellen Mittel des DZOK waren sie eine mehr als willkommene Hilfe.
Die Archivstelle konnte dann seit 2000, nach Ablauf des zweiten Archivprojektes, nicht mehr besetzt werden, weil das Geld dafür fehlte. Auch in den folgenden zwölf Jahren kamen kontinuierlich neue Archivalien ins DZOK, die genau wie Archivanfragen von Leiter/in und der Bibliothekarin »nebenbei« bearbeitet wurden. Da die neu eingegangenen Materialien aus Zeitgründen und auch weil das Fachwissen fehlte, nicht professionell erfasst werden konnten, bildete sich ein großer Rückstau, der zum Teil noch heute besteht.
Seit 2012 läuft im DZOK ein neues Archivprojekt mit dem Titel »Quellen und Dokumente der Zeitzeugen des Nationalsozialismus der Öffentlichkeit zugänglich machen. Ein Modell-Archivprojekt für bürgerschaftlich organisierte KZ-Gedenkstätten«, das vom Bund und vom Land Baden-Württemberg finanziert wird. Ziele des Projektes sind die Sicherung und Zugänglichmachung der Quellen im DZOK, die Einrichtung einer Häftlingsdatenbank und die Erstellung einer Handreichung zur Archivarbeit an bürgerschaftlich getragenen Gedenkstätten. Im Rahmen dieses Projektes konnte eine wissenschaftliche Archivarin für die Dauer von drei Jahren eingestellt werden.
Der erste Schritt in diesem Projekt war die Einrichtung einer neuen Archivdatenbank, in die die alten Datenbanken übertragen wurden. Als neue Software wurde Faust 7 Professional ausgewählt. Abgesehen davon, dass die alten Datenbanken technisch veraltet waren, bietet die neue Datenbank nun die Möglichkeit, über verschiedene Objektarten hinweg zu recherchieren – das heißt, man kann mit einer Suche sowohl Schriftgut als auch Fotos, dreidimensionale Objekte, Ton- und Filmdokumente sowie Bücher zu einer Person oder einem Thema finden. Früher war diese Recherche sehr viel aufwändiger.
In der neuen Datenbank werden nun kontinuierlich die Archivalien erfasst, die in den letzten zwölf Jahren an das DZOK übergeben wurden und bislang nicht bearbeitet werden konnten. Dazu wurden eigene Erfassungsmasken angelegt. Unterschieden wird zwischen Schriftgut, Fotos, Dias und Negativen, Filmen, Tondokumenten und dreidimensionalen Objekten. Die Datenbank bietet die Möglichkeit, Digitalisate zu importieren, sodass sie direkt am Bildschirm angesehen, zum Betrachten von Details vergrößert, per E-Mail versendet oder für Publikationen exportiert werden können. Dies stellt zum einen eine große Erleichterung in der täglichen Arbeit dar, zum anderen werden die Originale durch die Digitalisierung dauerhaft gesichert und dadurch, dass sie kaum noch herausgeholt werden müssen, geschont. Dasselbe gilt für die dreidimensionalen Objekte, die ebenfalls durch Fotos in der Datenbank visualisiert werden.
Ein weiterer Schwerpunkt des Archivprojektes ist die Digitalisierung: In den letzten zwei Jahren wurde der gesamte Fotobestand, etwa 5 000 Fotos, mit einem Flachbettscanner eingescannt. Nach und nach werden die Scans nun zu den entsprechenden Datensätzen in die Datenbank geladen. Beide Arbeitsschritte sind sehr zeitaufwändig und wären ohne die Unterstützung ehrenamtlicher Kräfte nicht möglich. Es gehört zum Selbstverständnis des DZOK als bürgerschaftlich getragene Institution, dass hauptamtliche Mitarbeiter gemeinsam mit Freiwilligen arbeiten, die unterschiedliche Motivationen, berufliche Qualifikationen und persönliche Hintergründe mitbringen. Freiwillige sind in allen Tätigkeitsfeldern des DZOK aktiv, insbesondere in der pädagogischen Arbeit. Durch das Archivprojekt hat sich ein neuer Kreis sehr engagierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gebildet, die das Projekt mit vorantreiben. Dank ihnen ist es auch möglich, Interviews und schriftliche Quellen, wie z.B. Briefe, die in der pädagogischen Arbeit eingesetzt werden sollen, zu transkribieren, denn immer weniger Benutzer und vor allem Schüler können alte Handschriften lesen. Neben den Fotos wurden auch die audiovisuellen Medien digitalisiert. Hier wurden die Dienste eines externen Anbieters in Anspruch genommen. Auch diese digitalen Dateien werden in den kommenden Monaten in die Archivdatenbank geladen werden, sodass z.B. Interviews direkt aus der Datenbank heraus angehört bzw. angesehen werden können. Durch die Digitalisierung besteht nun erstmals Zugriff auf einige Filme, die bislang noch nicht gesichtet werden konnten, weil die Abspielgeräte dafür fehlten, z.B. VHS und Super 8.
Ein wichtiger Schritt war zudem die Umgestaltung des Archivraums, der mit Teppichboden, wasserführenden Heizungsrohren und großen Fenstern keine idealen Bedingungen für die Langzeitarchivierung bietet. Zudem war der Raum wie bereits dargestellt mit geschenkten Regalen und Schränken bestückt, die ursprünglich nicht für die Lagerung von Archivgut gedacht und deren Maße nicht passgenau waren. Der nur etwa 21 qm große Raum war deshalb schon fast voll und sehr eng. Im Rahmen des Archivprojektes konnte nun ein Teil der alten Regale durch neue, speziell auf die Anforderungen von Archiven abgestimmte Regale ersetzt werden, die den vorhandenen Platz sehr viel besser ausnutzen. So konnten durch die neuen Regale mehrere Regalmeter zusätzlich gewonnen werden, sodass der Platz auch für die kommenden Jahre ausreichen wird. Außerdem wurde der Raum materialgerecht so umstrukturiert, dass – im Rahmen der Möglichkeiten – die konservatorisch bestmöglichste Lagerung der verschiedenen Materialien gewährleistet ist.
Der Einbau von spezieller Technik zur Regulierung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit ist aus finanziellen Gründen nicht möglich und wäre vermutlich auch schwer umzusetzen, da die Räumlichkeiten nur angemietet sind. Durch ständig ausgeschaltete Heizkörper, heruntergelassene Rollläden und geschlossene Türen wird jedoch versucht das Klima im Archivraum möglichst konstant zu halten und Staubentwicklung zu vermeiden, was auch recht gut gelingt. Zehn Zentimeter Abstand der untersten Regalbretter zum Boden soll vermeiden, dass die Archivboxen im Falle eines Wasserrohrbruchs im Wasser stehen. Außerdem darf der Raum nur von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des DZOK betreten werden. Diese kleinen, kostenlosen Maßnahmen können im Rahmen des Möglichen schon einiges bewirken.
Für die Archivalien, die in den letzten Jahren erschlossen wurden, werden archivgerechte Verpackungen verwendet, um das Papier, das oft stark säurehaltig ist, langfristig zu erhalten. Schriftgut wird in Jurismappen (Vierklappenmappen) und Frontklappenboxen verpackt; Fotos werden nach der Digitalisierung einzeln in Pergaminhüllen und dann in säurefreie Kartons gelegt. Dreidimensionale Objekte werden, wenn es die Größe erlaubt, in Japanpapier eingewickelt und ebenfalls in säurefreien Kartons gelagert. Langfristig soll der gesamte Altbestand, der seit Jahren in geschenkten, nicht säurefreien Archivkartons gelagert wird, in geeignete Boxen umgebettet werden. Dazu fehlen jedoch derzeit die Mittel.
Bei allen genannten Arbeiten wurde darauf geachtet, die einzelnen Arbeitsschritte und notwendigen Standards möglichst einfach und klar zu gestalten und schriftlich so zu dokumentieren, dass sie leicht nachvollzogen werden können. Dies bildet die Grundlage für die interne Anleitung ehrenamtlicher Mitarbeiter des DZOK und zugleich die Basis für die bereits erwähnte Handreichung, durch die die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse am Ende des Projektes anderen Gedenkstätten für ihre Arbeit zur Verfügung gestellt werden sollen.
Ein weiteres Ergebnis des Projekts wird eine neue Häftlingsdatenbank zu den Häftlingen des KZ Oberer Kuhberg sein, die ab Frühjahr 2015 über das Internet zugänglich sein wird. In diese Datenbank sind die Informationen eingeflossen, die bereits in den 1990er-Jahren recherchiert wurden und die bislang nur in einer Medienstation in der KZ-Gedenkstätte eingesehen werden konnten. Diese Informationen wurden und werden derzeit noch durch Auswertung neuer Publikationen und vor allem durch Archivrecherchen ergänzt. Aktuell umfasst die Häftlingsdatenbank Datensätze zu 524 Häftlingen. Gegenüber den alten Häftlingsverzeichnissen ist die neue Datenbank, die ebenfalls in Faust 7 angelegt wurde, ein deutlicher Gewinn. So können zum Beispiel Fotos und Dokumente direkt in die Datensätze integriert werden. Außerdem macht die Struktur der Datenbank eine statistische Auswertung verschiedener Aspekte möglich, die neue Perspektiven der Forschung zur Häftlingsgesellschaft im KZ Oberer Kuhberg eröffnen. Auch die Beantwortung von Anfragen nach Häftlingen ist mithilfe der neuen Datenbank sehr viel leichter. Bei der Auswahl der Daten wurde sensibel vorgegangen – nicht alles, was bekannt ist, muss auch online erscheinen. So wird die für Benutzer in der Geschäftsstelle zugängliche Häftlingsdatenbank sehr viel mehr Informationen enthalten als die Online-Datenbank.
Zum Abschluss noch einige Worte zu den Archivbenutzerinnen und -benutzern: Das DZOK bekommt vor allem familienbiografische Anfragen, etwa von Nachfahren ehemaliger Häftlinge oder früher in Ulm wohnhaften jüdischen Bürgern. Aber auch Wissenschaftler, Journalisten, Lehrer oder einfach nur interessierte Bürgerinnen und Bürger fragen zu den unterschiedlichsten Themen an. Viele dieser Anfragen können per E-Mail beantwortet werden. Außerdem können Benutzer die Archivbestände nach Voranmeldung in der Geschäftsstelle einsehen. Einen großen und wichtigen Teil der Benutzer stellen Schülerinnen und Schüler dar, die im Rahmen von Facharbeiten, GFS oder Seminararbeiten zu bestimmten meist lokalhistorischen Themen recherchieren und von den Mitarbeiterinnen individuell betreut werden.
Ulrike Holdt, Historikerin und Archivarin, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg Ulm, KZ-Gedenkstätte.