Während der bundesweiten Gedenkstättenkonferenz im Dezember 2015 standen die Verbesserung der Verzeichnung und Aufbewahrung der Sammlungen und Dokumente sowie ihre Nutzung für die Bildungsarbeit auf der Tagesordnung. Vor allem die Situation in den Archiven wurde besprochen. Deutlich wurde, dass alle Gedenkstätten hier einen großen Nachholbedarf haben und viele Materialien nicht so erschlossen sind, dass sie in (elektronischen) Findbüchern zu finden sind. Nur diejenigen, die seit Langem in den jeweiligen Institutionen arbeiten, sind überhaupt in der Lage, einen Überblick über die vorhandenen Materialien weiterzugeben. Vor deren Ausscheiden müssen die Materialien unbedingt gesichert und verzeichnet werden, damit sie nicht für immer verloren sind.
Als ein erster kleiner Schritt wurde ein Fortbildungsprogramm besprochen, das vor allem diejenigen Gedenkstätten unterstützen soll, die über keine eigenen Archivabteilungen verfügen. Das Angebot richtet sich sowohl an hauptamtlich Verantwortliche, die für nahezu alle Aktivitäten in der Gedenkstätte gleichzeitig verantwortlich sind und sich von daher kaum auf den Aufbau eines Archivs zu konzentrieren können, als auch an Freiwillige oder Projektmitarbeitende in verschiedensten Beschäftigungsverhältnissen. Dies ist ein erster konkreter Schritt.
Des Weiteren hat sich in Kiel eine kleine Gruppe von Interessierten zusammengefunden, die sich als Clearingstelle im Bereich Archive und Sammlungen in Gedenkstätten versteht. Die Gruppe ist gerne bereit, Anregungen entgegenzunehmen und mögliche Verbesserungen soweit wie möglich in die Wege zu leiten. Gerne können einzelne Mitglieder der Gruppe angesprochen werden:
Johannes Ibel (JIbel@gedenkstaette-flossenbuerg.de)
Thomas Lutz (lutz@topographie.de)
Rainer Stommer (r.stommer@ebb-alt-rehse.de)
Nicola Wenge (n.wenge@dzok-ulm.de).
Von 2012 bis 2014 lief an der Gedenkstätte Oberer Kuhberg Ulm ein durch Mittel des Bundes und des Landes Baden-Württemberg finanziertes Modellprojekt, das u.a. das Ziel hatte, vor dem Hintergrund der spezifischen Bedürfnisse und Möglichkeiten von Gedenkstätten Strategien und Lösungsansätze für die Arbeit mit Archiven und Sammlungen zu entwickeln und an andere vor allem bürgerschaftlich organisierte Gedenkstätten weiterzugeben. Die Ergebnisse des Projektes wurden 2015 in der Handreichung »Das materielle Erbe der Zeitzeugen sichern – Informationen und Anleitungen zur Archivarbeit in Gedenkstätten am Beispiel des Dokumentationszentrums Oberer Kuhberg Ulm« veröffentlicht, die online u.a. über die Homepage der Gedenkstätte Oberer Kuhberg (www.dzok-ulm.de) kostenlos heruntergeladen werden kann.
Im Nachgang zum Ulmer Projekt wurden Qualifizierungsangebote entwickelt, die ab Juni 2016 durchgeführt werden können. Auf der Grundlage der o.g. Handreichung werden die notwendigen Arbeitsschritte zur dauerhaften Sicherung der oft einzigartigen Quellen in Gedenkstättenarchiven für die pädagogische und wissenschaftliche Arbeit behandelt und anhand von Beispielen veranschaulicht. Im Mittelpunkt stehen dabei der Umgang mit Neuzugängen sowie die Erschließung, Verzeichnung, Verpackung, Lagerung, Digitalisierung und Benutzung von Archivalien. Ergänzend zur Handreichung werden darüber hinaus auch rechtliche Fragen beleuchtet und ein Überblick über die Möglichkeiten verschiedener Archivsoftware und anderer geeigneter Programme gegeben.
Es stehen folgende Angebote zur Auswahl:
1 Eintägiges Seminar »Einführung in die Archivarbeit«, Dauer ca. 8 Stunden, Durchführung wahlweise an einem einzelnen Tag oder verteilt auf zwei Tage (Beginn und Ende dann jeweils um die Mittagszeit).
2 Dreitägiges Seminar »Archivarbeit in Gedenkstätten«, Durchführung wahlweise an drei zusammenhängenden Tagen oder in drei Blöcken à jeweils 8 Stunden. In diesem Seminar können die oben genannten Inhalte ausführlicher behandelt werden und einzelne Arbeitsschritte, wie z.B. das Verzeichnen, anhand von Beispielen geübt werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, auf individuelle Fragen oder Problemstellungen einzugehen.
Selbstverständlich können die Inhalte der beiden Seminarangebote nach vorheriger Absprache dem jeweiligen Bedarf bzw. den Wünschen der Teilnehmenden angepasst werden. Die Teilnehmerzahl sollte zwischen 8 und 15 Personen liegen.
3 Individuelle Beratung von Gedenkstätten vor Ort. Gedenkstätten oder Gedenkstätteninitiativen können auch eine Einzelberatung vor Ort erhalten, bei der gemeinsam mit den verantwortlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern konkrete Lösungsansätze für die Archivarbeit in der jeweiligen Institution entwickelt werden.
Zielgruppe: Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gedenkstätten und Gedenkstätteninitiativen ohne archivfachliche Ausbildung.
Kosten: Für die Seminare wird ein Tagessatz von 650 € berechnet, bei der individuellen Beratung vor Ort ein Stundensatz von 45 €. Das Honorar beinhaltet auch die Vorgespräche, die Seminarvorbereitung sowie den Koordinierungsaufwand. Zu den Honorarkosten kommen Reise- und ggf. Übernachtungskosten hinzu.
Kontakt: Ulrike Holdt M.A., wiss. Archivarin | uholdt@gmx.de | Tel. 02377/9273993